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06.12.2013

12:22 Uhr

Umfrage

Immer weniger Deutsche wollen Organspender sein

Die Nachwirkungen der Transplantationsskandale an mehreren Unikliniken sind bei den potenziellen Spendern angekommen: Sie zweifeln an den Werten der Ärzte und an der Einhaltung der Vorschriften.

Kühlbox für menschliche Organe: Spendebereitschaft unter den Deutschen ist gesunken. dpa

Kühlbox für menschliche Organe: Spendebereitschaft unter den Deutschen ist gesunken.

GüterslohNach dem Transplantationsskandal an deutschen Kliniken ist die Bereitschaft zur Organspende stark gesunken. Das geht aus dem Gesundheitsmonitor hervor, den die Bertelsmann Stiftung und die Barmer GEK veröffentlichten. Gaben 2011 noch 62 Prozent der Bundesbürger ohne Spenderausweis an, prinzipiell zu einer Spende bereit zu sein, sind dies jetzt nur noch 48 Prozent. Von den befragten Besitzern eines Organspende-Ausweises gaben drei Prozent diesen wegen des Skandals sogar wieder ab. Aktuell hat derzeit nur jeder fünfte Bürger einen solchen Ausweis ausgefüllt.

Für den Gesundheitsmonitor wurden insgesamt 1975 Bürger befragt. Dramatisch niedrig ist demnach das Vertrauen, dass bei der Organvergabe die geltenden Regeln eingehalten werden. Nicht einmal jeder fünfte Befragte (19 Prozent) geht davon aus, dass Kliniken die Vorgaben befolgen. Auch die Transplantationsmediziner büßten an Ansehen ein. Die Mehrheit der Bürger (56 Prozent) glaubt, dass der Arzt sich – bei Vorliegen eines Organspende-Ausweises - mehr für die Organe als für sie selbst interessiert. Vor den Skandalen sagten das nur 46 Prozent.

An mehreren Universitätskliniken waren Manipulationen im Zusammenhang mit Lebertransplantationen aufgedeckt worden. In der Folge brachen die Spenderzahlen in Deutschland im vergangenen Jahr dramatisch ein und sanken in den ersten zehn Monaten dieses Jahres auf einen neuen Tiefstand. Von Januar bis Oktober gab es nach Angaben der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO) insgesamt 754 Organspender, das waren 15,5 Prozent weniger als im vergleichbaren Vorjahreszeitraum.

39 Prozent der Befragten geben an, dass die Fälle, in denen Kliniken gegen die Transplantationsregeln verstoßen haben, ihre generelle Einstellung gegenüber Organspenden maßgeblich beeinflusst haben. Die nach den Skandalen eingeführten Verbesserungen bei Aufklärung und Kontrolle hätten sich bislang noch nicht positiv auf das Meinungsbild der Bürger ausgewirkt, erklärte Marlies Ahlert von der Universität Halle-Wittenberg, die die Studie betreut hat. Zwei Drittel der Bürger sind gleichwohl für eine einheitliche Erfassung der Spendebereitschaft und unterstützen das geplante zentrale Organspende-Register.

Von

afp

Kommentare (6)

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MeinHerzGehoertMirBisIchVerrote

06.12.2013, 12:40 Uhr

Die Spitze des Eisberges hat schon Schlimmes offenbart. Organe gegen Geld oder 'Ehre', aber nicht nach tatsächlichem Bedarf.
......und dafür soll ich mir bei lebendigem Leibe die Organe rausschneiden lassen?
NIE und NIMMER!

Koelnerin

06.12.2013, 14:08 Uhr

Meine Organe gehören mir! Was mir so sauer aufstößt, ist dieses Gejaule über den "Organmangel". Um an Organe zu kommen, muss erst ein Mensch sterben, das wird dabei komplett übergangen. Außerdem ist nicht erwiesen, dass hirntot = tot bedeutet. Ich lasse mich nicht lebendig ausschlachten. Es reicht, wenn ich mein Leben lang für diesen Staat schufte und dafür noch nicht mal meine Meinung sagen darf! Ich gehöre euch nicht und somit auch nicht mein Körper. Basta.

Detlef

06.12.2013, 14:25 Uhr

bei welchen Personen, außer Unfallopfern, die ins Koma gefallen sind und als Hirntod deklariert werden, kann man brauchbare Organe entnehmen? Gleichzeitig versucht man ja auch mit allen Mitteln, die Zahl der Unfallopfer durch verschärfte Gesetze zu senken. Für mich ist es schon irgendwie eine Perversion, darauf zu hoffen, dass Menschen hirntödlich verunglücken, und die Organe dieser Person verteilt werden können und sich letztlich darüber zu beschweren, dass nicht genug den "Hirntod" erlitten haben. Es sind außerdem Berichte veröffentlich worden, dass "Hirntote" bei der Organentnahme Schmerzen verspüren und heftige Reaktionen zeigen, deshalb fixiert werden müssen, sowie schmerzlindernde Medikamente verabreicht bekommen. Oder dass ein unfallaufnehmender Notarzt bereits den "Hirntod" festgestellt haben will. Ich bin verwundert, dass ich nirgends diesen Zusammenhang zu lesen finde, warum es immer schwerer wird, Spenderorgane zu bekommen.
Man erwartet eben, statistisch gesehen, dass es genügend Todesopfer mit "Hirntod" und gesunden Organen geben soll, und von diesen möglichst jeder Spendebereitschaft ausgefüllt hat. Für die Kliniken und Vermittler ein Riesengeschäft, für die Hinterbliebenen und den Verstorbenen noch nicht mal Bestattungskosten

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