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10.09.2013

13:32 Uhr

Umstellung auf Ökostrom

Ausgebautes Stromnetz ist unverzichtbar

Eine gute Vernetzung von Städten und Gemeinden ist für die Umstellung der deutschen Stromversorgung auf erneuerbare Energien unverzichtbar. Doch wie genau kann Deutschland komplett mit Ökoenergie versorgt werden?

Das Umweltbundesamt prüft derzeit, wie die Stromversorgung in Deutschland komplett auf Ökoenergie umgestellt werden kann. ap

Das Umweltbundesamt prüft derzeit, wie die Stromversorgung in Deutschland komplett auf Ökoenergie umgestellt werden kann.

DessauUm die Stromversorgung in Deutschland komplett auf erneuerbare Energien umzustellen, ist einer Studie zufolge eine gute Vernetzung unverzichtbar. Zwar könnten sich einzelne Gemeinden lokal autark mit Strom versorgen, ergab die am Dienstag vorgestellte Untersuchung im Auftrag des Umweltbundesamtes (UBA). Solche Energieinseln sind demnach aber eher selten machbar - und in jedem Fall sehr teuer.

Das Umweltbundesamt prüft derzeit, wie die Stromversorgung in Deutschland komplett auf Ökoenergie umgestellt werden kann. Ein mögliches Szenario - laut Studie ein „Extrempunkt“ - wäre es, dass sich Dörfer und Stadtteile jeweils als Energieinseln komplett alleine versorgen. Untersucht wurde nun für ländliche Gemeinden und Stadtteile in Ballungsräumen, ob und unter welchen Bedingungen die Schaffung autarker Energieinseln möglich wäre. Grundlage sind Modellannahmen zu Stromproduktion und -verbrauch, zur Energieeffizienz und umfangreiche Wetterdaten.

Erst am Montag war auf der Nordsee-Insel Pellworm ein Modellprojekt für eine autarke Stromversorgung angelaufen. Geschaffen wurden dafür ein intelligentes Stromnetz und Stromspeicher. Tatsächlich ist die Umstellung auf eine komplett autarke Energieversorgung für ländliche Gemeinden in Norddeutschland der Studie zufolge einfacher als für süddeutsche Kommunen auf dem Land, heißt es in der Untersuchung. Die Autarkie funktioniere aber nur, wenn der private Strombedarf inklusive der Energie für Elektroautos berücksichtigt werde.

Der Strom für Gewerbebetriebe und Industrie sei auf diese Weise aber nicht sicherzustellen. Für Stadtteile in großen Siedlungsgebieten sei eine Energieautarkie überhaupt nicht machbar. Notwendig wären für Energieinseln demnach vor allem Stromspeicher, die aber bislang sehr teuer sind. Lokale Erzeugung habe trotzdem in jedem Fall „einen beachtlichen Anteil“ an einer Komplettversorgung mit Ökostrom, und lokale Autarkie sei „als Konzept in Einzelfällen unter günstigen Bedingungen zwar umsetzbar“. Denkbar sei dies etwa bei entlegenen Ortschaften oder Inseln.

„Für eine tragfähige regenerative Energieversorgung ganz Deutschlands eignet sich dieses Konzept aber nicht“, erklärte UBA-Präsident Jochen Flasbarth. Die Studie betont, es müsse anerkannt werden, „dass das Transportnetz für Strom ein wesentlicher Bestandteil zum Erreichen einer vollständig regenerativen Energieversorgung für Deutschland ist“. Trotzdem sei die Stromerzeugung vor Ort ein wichtiger Bestandteil der Energiewende. „Städte und Gemeinden können mit dezentraler Energieerzeugung zu maßgeblichen Akteuren der Energiewende werden“, erklärte Flasbarth.

Durch die Vernetzung ließen sich der Studie zufolge nicht nur Schwankungen in der Versorgung mit erneuerbaren Energien gut ausgleichen, sondern auch Standort-Vorteile nutzen: Es könne beispielsweise Windstrom von der Küste in die Industriezentren im Westen und Süden Deutschlands transportiert werden. Außerdem solle das Umland in jedem Fall dazu herangezogen werden, Städte mit Energie zu versorgen, solange es dort einen Überschuss an Ökostrom gebe.

oel/wes

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afp

Kommentare (16)

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HofmannM

10.09.2013, 08:24 Uhr

Nochmal! Ein ausgebautes Stromnetz bringt nichts. Das Stromnetz wird nicht ausgelastet sein und darum unwirtschaftlich betrieben. Diese Unwirtschaftlichkeit führt entweder zur Insolvenz des Netzbetreiber oder der Staat muss mit Subentionen (Steuergeldern) eingreifen. In beiden Fällen wird der deutsche Bürger die Kosten zu tragen haben. Der Strompreis wird explodieren und die Naturlandschaft wird in Deutschland weiter zerstört. Die Gesundheit von Mensch und Tier wird durch den überflüssigen Ausbau der sog. Erneuerbaren Energie Erzeuger und Netze Schaden nehmen.
Die Energiewende ist überflüssig wie ein Kropf und gehört sofort eingestampft. Das perfide und asoziale und naturzerstörende EEG ist abzuschaffen. Zum Wohle des deutschen Volk. Danke!

vandale

10.09.2013, 08:47 Uhr

Das Umweltbundesamt ist grösstenteils mit teils berufsfremden Oekoaktivisten besetzt. Die Konzepte schweben regelmässig in ökologischen Wolken weit ab der Wirklichkeit. Das mag Deutsche Journalisten begeistern und so erhalten diese viel Platz in den Medien.

Ein Haushalt verbraucht mit starken Schwankungen zwischen 0 und 5 kW. Je mehr Verbraucher in einem Netz verbunden werden, desto besser gleichen sich Schwankungen aus.

Ein jeder Erzeuger, auch ein Kohle- oder Kernkraftwerk hat geplante und ungeplante Stillstände. Je mehr Erzeuger an einem Netz hängen desto gleichmässiger wird die Auslastung und desto geringer die vorzuhaltende Reservekapazität. Je grösser die Erzeuger werden desto geringer sind die Kosten.

Deshalb hat man die städtischen Elektritzitätsnetze in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts landesweit zusammengeschlossen. Heute strebt man eine europaweite Vernetzung an.

Natürlich kann man eine suboptimale Stromerzeugung mittels ökologisch korrekten "Erneuerbaren Energien" mit einem suboptimalen kleinteiligen Netz verbinden. Die Qualität des Stroms ist dann sehr bescheiden und für viele Maschinen und Anlagen nicht mehr geeignet. Strom wird dann zum Luxusgut. Insgesamt ein interessanter Weg aus dem Industriezeitalter in ein vorindustrielles Zeitalter.

Vandale

Account gelöscht!

10.09.2013, 09:26 Uhr

Vielleicht wird auch das Umweltbundesamt irgendwann herausfinden, dass nachts die Sonne in ganz (!) Deutschland nicht scheint und dass auch der "gesamtdeutsche" Wind manchmal stärker und manchmal schwächer weht.

Möglicherweise passiert das Folgende. Wir Deutschen geben eins, zwei oder sogar drei Billionen (nicht Milliarden!) EUR aus, und stellen damit irgendwann komplett auf Erneuerbare Energien um. Und wenn die Erneuerbaren zu wenig Strom liefern, importieren wir aus unseren Nachbarländern zu extrem hohen Preisen und wenn die Erneuerbaren zu viel Strom produzieren, verschenken wir den Strom oder verkaufen ihn zu negativen Preisen an unsere Nachbarn.

Folge: Wir Deutschen gehören dann zu den ärmsten Ländern in Europa aber fühlen uns total gut dabei, weil wir führend bei den Erneuerbaren Energien sind und somit ganz klar die Guten sind. Was will man mehr?

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