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17.11.2014

06:00 Uhr

Umstrittene Gasförderung

Kommt der Durchbruch beim Fracking auch in Deutschland?

Das Potenzial von Schiefergas in Deutschland ist groß. Doch das sogenannte unkonventionelle Fracking hat zahllose Kritiker auf den Plan gerufen. Werden sie sich gegen die Interessen der Wirtschaft durchsetzen?

Protest von Umweltschützern: Der Einsatz von unkonventionellem Fracking zur Gasgewinnung ist umstritten. dpa

Protest von Umweltschützern: Der Einsatz von unkonventionellem Fracking zur Gasgewinnung ist umstritten.

Die USA haben den Schritt gewagt und sich von Energieimporten weitgehend unabhängig gemacht. Möglich machte den Erfolg das „Fracking“. Bei diesem Verfahren zur Gasförderung wird unter hohem Druck ein Gemisch aus Wasser, Sand und einem kleinen Anteil von Chemikalien in eine Bohrung gepresst, um unterirdisch Risse im Gestein zu erzeugen. Durch diese Risse strömt Erdgas zum Bohrloch.

Auch in Deutschland wird seit Jahrzehnten gefrackt. Allerdings bisher nur, um den wertvollen Rohstoff Gas aus dichten Sandsteinschichten in mehr als 3000 Metern Tiefe an die Oberfläche zu befördern. Diese Methode hört auf den Namen konventionelles Fracking. Neue Pläne, auch aus höher liegenden Gesteins- und Kohleflözschichten Gas herauszupressen, sogenanntes unkonventionelles Fracking, haben nun hierzulande zahllose Kritiker auf den Plan gerufen. Und deren Chancen, sich gegen die Interessen der Wirtschaft durchzusetzen, stehen trotz des enormen wirtschaftlichen Erfolges des Fracking in den USA nicht schlecht.

Dabei ist das Potenzial von Schiefergas in Deutschland groß. Die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe schätzt die förderbare Schiefergasmenge auf 0,7 bis 2,3 Billionen Kubikmeter. Genug, um Deutschland mindestens sieben, im Idealfall sogar 23 Jahre lang mit Gas aus heimischen Vorkommen zu versorgen.
Den Kritikern geht es vorrangig um Umweltschutz. Vor allem die Angst vor Chemikalien im Grundwasser, das häufig zur Trinkwassergewinnung genutzt wird, weckt in vielen Menschen Urängste.

Hans-Joachim Kümpel, Präsident der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe, hält diese aus fachlicher Sicht für völlig unbegründet. In den Tiefen, in denen die Frack-Flüssigkeit eingesetzt wird, seien im Wasser zu 20 oder gar 30 Prozent Salze, zudem noch Schwermetalle und andere Stoffe enthalten, sagte Kümpel dem Handelsblatt. „Die volkstümliche Vorstellung, dass das Wasser in diesen Tiefen besonders rein sei, ist ein großes Missverständnis.“ Die Frack-Flüssigkeit bestehe dagegen aus Wasser mit weniger als zwei Prozent Chemikalien, die unter anderem dem Korrosionsschutz der Rohre dienen und die Reibung beim Flüssigkeitstransport in den Rohren verringern sollen. Zudem arbeite die Branche daran, den Chemikalienanteil weiter zu reduzieren.

Genau das will dem Ölmulti Exxon Mobil mit seiner neuen Frack-Flüssigkeit jetzt gelungen sein. Seine Formel: 99,8 Prozent Wasser, 0,14 Prozent Cholinchlorid, 0,06 Prozent Butyldiglykol. In der von Exxon angegebenen Konzentration sollen beide Stoffe für den Menschen ungefährlich sein.

Für die Fracking-Befürworter ist Exxons Rezeptur vielleicht die letzte Hoffnung, die skeptische Öffentlichkeit von dem Verfahren zu überzeugen – und die Politik. Denn die ist eingeklemmt zwischen aufgebrachten Bürgern und Lobbyinteressen. Wegen zahlreicher Proteste wurde sogar das konventionelle Fracking in Deutschland gestoppt. Seither geht die Gasförderung zurück. Sigmar Gabriel (SPD) will sie als Wirtschaftsminister wieder in Gang bringen, fürchtet aber heftigen Widerstand der Bevölkerung gegen das unkonventionelle Fracking.

Daher planen Gabriel und Umweltministerin Barbara Hendricks, konventionelles Fracking unter strengeren Auflagen zu erlauben, unkonventionelles aber bis mindestens 2021 zu verbieten. Nur einige Probebohrungen in Schiefer wollen sie zulassen. In den nächsten Jahren wird Deutschland der Durchbruch beim Fracking nicht gelingen.

Kommentare (9)

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Herr Alex Hemp

17.11.2014, 09:43 Uhr

Der Präsident des Bundes hat gesprochen! Na, so ein gewichtiger Mann, der muss ja Recht haben.
Mit genau solchen Pseudotiteln wird der deutsche Bürger perfide hinters Licht geführt.
Dieser "Präsident" ist auch nur ein Lobbyvertreter, ein Kaufmann, ein Administrator. Und einer, der genug Geld hat, sich ein Häuschen weitab von jedem Fracking zu leisten.
Ich glaube erst, das Fracking unbedenklich ist, wenn samt und sonders jeder, der diesen Mist fördert, mit seinen Kindern in einem Fördergebiet lebt und dortiges Wasser geniesst. Jeder, nicht Einzelfälle; denn es gibt genug skrupellose Menschen, die selbst ihre Kinder dem Mammon opfern würden.
Frei nach dem Grundsatz "Was Du nicht willst, das man dir tu, das füg' auch keinem andren zu!"

Account gelöscht!

17.11.2014, 09:51 Uhr

Was versteht ihr unter zahlreiche Kritiker...???
Sind 10.000 Menschen schon zahlreich bei einer Bevölkerung von 80 Millionen???!
Die gleichen Medien Propagandaspielchen wie bei den Anti-Kernkraft Behauptungen. Einige wenige Kritiker werden als die große Masse dargestellt und Vernichten damit unseren geschaffen Wohlstand, Freiheit und Natur. Siehe Ehtik-Energiewende/EEG und Kernkraftausstieg!

Herr Marcel Europaeer

17.11.2014, 10:44 Uhr

Ich persönlich gebe Fracking in Deutschland keine Chance. Wir haben mit der Kohle einen Rohstoff abgebaut, der uns und allen nachfolgenden Generation Ewigkeitskosten beschert und wir haben mit der Kernenergie eine Variante der Stromerzeugung gewählt, die den nächsten 40.000 Generationen noch Ärger bereiten wird. Es gibt keinen Grund, der Allgemeinheit weitere Altlasten aufzudrücken.

Das fossile Zeitalter beschert der Erde eine ökologische Katastrophe. Wir sollten es so schnell wie möglich beenden.

Dass in einem dicht besiedelten Land wie Deutschland überhaupt Fracking als Möglichkeit ins Spiel gebracht wird, ist nur der Geldgier einzelner Unternehmen zu verdanken. Für die Allgemeinheit ist in heutiger Zeit jede Endliche Energie nur von Nachteil.

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