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11.07.2013

13:02 Uhr

Untersuchung zur Energiewende

Windausbau-Ziele auf See unerreichbar

Die vom Bund bis 2020 gesteckten Ziele für den Bau neuer Windparks in der Nordsee drohen weit verfehlt zu werden. Das besagt ein interner Bericht für den Netzbetreiber Tennet. Die Bundesregierung hält sich bedeckt.

Windräder des Windpark BARD Offshore 1 in der Nordsee. Eine Untersuchung lässt weniger installierter Leistung bis 2020 erwarten als geplant. dpa

Windräder des Windpark BARD Offshore 1 in der Nordsee. Eine Untersuchung lässt weniger installierter Leistung bis 2020 erwarten als geplant.

BerlinDie Bundesregierung wird ihre bis 2020 gesteckten Ziele für den Bau großer Windparks in der Nordsee voraussichtlich klar verfehlen. Ein im Mai übergebener Projektbericht für den Netzbetreiber Tennet kommt zu dem Ergebnis, dass bisher nur Windparks mit einer Leistung von 2900 Megawatt überhaupt über eine Finanzierung verfügen. Die Analyse liegt der Deutschen Presse-Agentur vor. Auch in Regierungskreisen wird inzwischen davon ausgegangen, dass das Ausbauziel angepasst werden muss. Auf Fachebene ist nur noch von 6000 Megawatt bis 2020 die Rede. Offiziell hält die Bundesregierung am Ziel von 10 000 Megawatt neu installierter Offshore-Leistung fest.

In dem Projektbericht heißt es hingegen, dass selbst bis 2023 nur mit 3700 bis maximal 5900 Megawatt an installierter Leistung in der Nordsee zu rechnen sei. Unter anderem ist von erheblichen technischen Problemen die Rede. Die Offshore-Branche begründet die aktuelle Investitionszurückhaltung auch damit, dass die Förderkonditionen nach 2017 schlechter werden. Sie pocht daher auf sinnvolle Vergütungen darüber hinaus.

Für bis 2017 ans Netz gehende Windparks sind für acht Jahre Anfangsvergütungen von 19 Cent je Kilowattstunde geplant. Danach wären es nur noch 13,95 Cent. Aber höhere Vergütungen dürften zugleich auch zusätzlich die Strompreise belasten, da die Bürger die Vergütungen per Ökostrom-Umlage über den Strompreis zahlen.

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Durch ein Verfehlen der Ausbauziele könnten weitere Kosten anfallen: Dem Bericht zufolge drohen ab 2016 „Leerkosten“ von 500 Millionen bis eine Milliarde Euro für Netzanschlüsse, durch die mangels Windparks aber kein Strom fließt. Diese Kosten würden über die Netzentgelte die Strompreise zusätzlich belasten. „Wir fordern realistische Ziele, damit wir nicht ineffizient Leitungen auf Kosten der Konsumenten bauen“, sagte Tennet-Chef Lex Hartman der dpa.

Die Stiftung Offshore-Windenergie als Sprachrohr der Branche räumte ein, dass die Ziele so nicht zu halten seien. „Wir sehen 6000 bis 8000 Megawatt installierte Offshore-Leistung am Netz bis 2020 als realistische Größe“, sagte Geschäftsführer Andreas Wagner. Sorgen vor zu vielen Anschlüssen und Seekabeln wies er zurück. Auch wenn nicht alle geplanten Windparks sofort kommen würden, sei „ein ausreichend dimensioniertes Startnetz aufzubauen“, betonte Wagner.

Um den Anschluss zu beschleunigen und rechtliche Unsicherheiten aufzulösen, hatte die Bundesregierung eigens eine Haftungsumlage eingeführt, die seit 2013 ebenfalls Teil des Strompreises ist. Der Energie-Experte der Verbraucherzentrale Bundesverband, Holger Krawinkel, pochte jüngst wegen der Risiken und hohen Kosten auf einen Offshore-Ausstieg, also einen Verzicht auf einen weiteren Ausbau.

Von

dpa

Kommentare (17)

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Ideologiefeind

11.07.2013, 07:25 Uhr

Bin schon gespannt, wie die Gegner der Energiewende in ihrem Ideologiewahn darüber herziehen werden, da hier ja wirklich einiges im Argen liegt. Wir leisten uns den Luxus, dass Windräder auf See von der Küste nicht gesehen werden dürfen, während man die Regeneration von Schwefelfiltern in Kohlekraftwerken durchaus riechen darf. (Bei uns vornehmlich am Wochenende)Und während an Land ein Betreiber selber für die Stromeinspeisung sorgen muss, ist es komischerweise auf See Aufgabe des Netzbetreibers. Und dass meines Wissens noch keine Klagen gegen die Haftungsumlage eingereicht sind, verwundert mich sowieso.

vandale

11.07.2013, 08:22 Uhr

"Ideologiefeind" (Der Name ist Parodie).

Der Grund, dass der Anschluss von Meereswindmühlen von den Versorgern zu leisten ist, ist dass die Kosten des Netzanschlusses allein die Höhe der Gesamtkosten einer Stromerzeugung aus Braunkohle/Kernkraft übertreffen. Die Kosten werden intransparent, sie werden nicht zu den EEG Subventionssätzen addiert, sondern den Netzkosten zugerechnet.

Ein Motiv der herrschenden Oekologen Meereswindmühlen derart zu bevorzugen könnte sein, dass der Wind auf See gleichmässiger weht. Bei einem weiteren Ausbau "Erneuerbarer Energien" wird es z.B. 400h/Jahr geben an denen die Solarstromeinspeisung den Strombedarf übertrifft und 6400h an denen kein Solarstrom erzeugt wird. Es wird ca. 1200h/Jahr eine Windstromerzeugung geben die den Strombedarf übertrifft und 4500h an denen fast kein Windstrom eingespeist wird. Dann ist dieser Strom nicht einmal den vermiedenen Brennstoffeinsatz, ca. 1c/kWh wert, sondern nichts, weil man einen Teil der Anlagen abstellen muss, oder den Strom für Lau exportiert. Bei Meereswindmühlen ist das Verhältnis etwas besser.

Allerdings dürften das viele der Entscheidungsträger gar nicht verstanden haben, bzw. aufgrund ihrer ökoreligiösen, technikfremden Prägung nicht verstehen können.

Ich nehme an, dass Ihnen die Aussage nicht in die ökologische Ueberzeugung passt, Sie sich durch solche Realitäten nicht beirren lassen und das Gleiche wieder kommentieren werden.

Vandale

Account gelöscht!

11.07.2013, 08:42 Uhr

Jede Technologiewende hat ihre Startschwierigkeiten. Was betriebswirtschaftlich schwierig erscheinen mag, ist volkswirtschaftlich unumgänglich. Würde man die tatsächlichen Kosten für die Beseitigung der Schäden durch nicht regenerative Energieerzeugung den Gewinnen der Erzeuger belasten, dann käme der Ausbau der regenerativen Energieerzeugung sicher schneller voran. Vergessen wir aber nicht, dass Deutschland in Europa der Vorreiter dieser Wende ist.

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