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18.10.2013

11:13 Uhr

US-Studie

Kann genug Schlaf Alzheimer verhindern?

Schlaf ist die beste Medizin. US-Forscher haben diese Volksweisheit nun empirisch nachgewiesen. Ergebnis: Das Gehirn entsorgt in Schlafphasen eine Menge „Müll“ – darunter auch solchen, der Alzheimer entstehen lässt.

Auch im Schlaf arbeitet das Gehirn auf Hochtouren. dpa

Auch im Schlaf arbeitet das Gehirn auf Hochtouren.

Berlin/Los AngelesSchlaf hat eine reinigende Wirkung auf das Gehirn. Das haben Mediziner der Universität Rochester im US-Staat New York nachgewiesen. Durch eine einzigartige Methode der Abfallbeseitigung wird das Hirn unter anderem von Giftstoffen befreit, die verantwortlich sind für Alzheimer und andere neurologische Störungen

Bislang hatten die Forscher darüber gerätselt, wie das Gehirn den zellulären Müll entsorgt – vor allem weil solche Prozesse nur am lebenden Objekt beobachtet werden können. Dies ist erst in den vergangenen Jahren durch neue bildgebende Verfahren möglich geworden. Mit deren Hilfe konnten die Forscher nun an Mäusen das System identifizieren, das dafür sorgt, dass der Zellmüll aus dem Gehirn in den Blutkreislauf und schließlich in die Leber gelangt. Dabei beobachteten sie, dass bei schlafenden Tieren alte und abgestorbene Zellen schneller aus dem Gehirn transportierten wurden als bei wachen Tieren.

Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass im menschlichen Gehirn ähnliche Prozesse ablaufen. Außerdem fanden die Forscher um Maiken Nedergaard heraus, dass die Gehirnzellen während des Schlafes um 60 Prozent „schrumpfen“. Dadurch könne der zelluläre Abfall noch effizienter beseitigt werden.

Die Erkenntnisse wurden am Freitag im Magazin „Science“ veröffentlicht. Die Forscher erhoffen sich von den Erkenntnissen weitere Aufschlüsse zur Behandlung von Alzheimer und anderen Erkrankungen des Gehirns. Im restlichen Körper des Menschen erledigt das Lymphsystem die Müllentsorgung. Wegen der Blut-Hirn-Schranke erstreckt es sich aber nicht auf das Gehirn.

Die Frage, welchem Zweck der Schlaf dient, fesselt Philosophen und Wissenschaftler seit der Zeit der alten Griechen. Fast jedes Tier - von der Fruchtfliege bis zum Wal - schläft in irgendeiner Weise. Dabei hat Schlaf auch Nachteile, vor allem wenn Raubtiere lauern. Also nahm man an, dass die Ruhephase eine wichtige biologische Funktion erfüllt musste.

Schon länger ist bekannt, dass durch den Schlaf unter anderem Erinnerungen besser gespeichert werden. Durch zahlreiche Studien ist belegt, dass Menschen mit Schlafdefiziten Probleme beim Lernen und bei der Entscheidungsfindung haben. Doch trotz jahrzehntelanger Forschung konnten sich Wissenschaftler bislang nicht auf den grundlegenden Zweck von Schlaf verständigen. Die Erklärungsansätze reichen von Prozessen im Gedächtnis über Energieeinsparung bis hin zur Regulierung von Körperprozessen.

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