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05.08.2013

12:50 Uhr

Verbraucherschützer

Bürgeranleihe ungeeignet für Privatanleger

Die Bürgeranleihe des Stromanbieters Tennet sei wegen der hohen Risiken nicht für Privathaushalte geeignet. Die Geldanlage sollte den Netzausbau beschleunigen und die Akzeptanz für neue Leitungen erhöhen.

Arbeit an Strommasten: Der Ausbau des Stromnetzes soll auch über die sogenannten Bürgeranleihen finanziert werden. dapd

Arbeit an Strommasten: Der Ausbau des Stromnetzes soll auch über die sogenannten Bürgeranleihen finanziert werden.

HamburgDie sogenannte Bürgeranleihe zum Ausbau des Stromnetzes ist nach Ansicht von Verbraucherschützern ungeeignet für Privathaushalte. Die Verbraucherzentralen Hamburg und Baden-Württemberg erklärten am Montag, die Bürgeranleihe des niederländischen Stromanbieters Tennet sei wegen der hohen Risiken nicht für Privatanleger geeignet.

Den privaten Anlegern werde suggeriert, dass sie exklusiven Zugang zu einer rentablen Geldanlage erhielten. Weil mit Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) und Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) zwei Regierungsmitglieder für diese Form der Beteiligung am Ausbau der Stromnetze würben, "besteht die Gefahr, dass viele Menschen im Vertrauen darauf die Anlagerisiken nicht ausreichend berücksichtigen", erklärte Sandra Klug von der Verbraucherzentrale Hamburg.

Wer in die Bürgeranleihe investiere, trage das Risiko eines Totalverlustes und könne den Kredit, den er dem Unternehmen Tennet gebe, nie kündigen, warnte Klug. Die Laufzeit sei unbefristet, so dass die Anleihe nur an der Börse verkauft werden könne. "Wie viel an der Börse gezahlt wird, ist jedoch ungewiss." Den angekündigten Zins von fünf Prozent gebe es für Anleger frühstens nach Baubeginn. Bis dahin liege er bei drei Prozent. Zudem könne sich der für 2015 geplante Baubeginn durch Gerichtsverfahren verzögern, da es Widerstände in der Region und bei Umweltschützern gebe.

Altmaier und Rösler hatten sich Anfang Juli mit den vier Netzbetreibern auf ein Konzept für sogenannte Bürgeranleihen geeinigt. Sie hoffen, dass sie damit den Netzausbau beschleunigen und die Akzeptanz für neue Leitungen erhöhen können. Die Mindesteinlage soll dem Konzept zufolge bei etwa 1000 Euro liegen. Anwohner in unmittelbarer Nähe neuer Leitungen sollen bevorzugt werden. Die Regierung schätzt, dass bis 2023 rund 20 Milliarden Euro in neue Netze investiert werden müssen. Die Bürgerbeteiligung soll bis zu 15 Prozent dieser Investitionssumme einbringen.

Modelle der Bürgerbeteiligung sollen in den kommenden Monaten die vier Netzbetreiber Amprion, Tennet, TransnetBW und 50Hertz entwickeln. Tennet betreut bereits das Pilotprojekt in Schleswig-Holstein zur Finanzierung einer Windstromleitung. 160.000 Haushalte in den Kreisen Nordfriesland und Dithmarschen wurden angeschrieben. Die Zeichnungsfrist läuft bis 30. August.

Die geplante Westküstenleitung soll Strom aus Windparks an der Nordseeküste über 150 Kilometer in den Süden Schleswig-Holsteins leiten, wo Anschluss an das überregionale Netz besteht.

Von

afp

Kommentare (4)

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Account gelöscht!

05.08.2013, 13:11 Uhr

Was denn, die Verbraucherschützer sind jetzt auch schon dazu da, die Bürger zu bevormunden?
Bürgeranleihen sind doch nicht per se ungeeignet für Privatleute - nur richtig informiert werden muss darüber.
Darum sollten sich die "Schützer" mal kümmern, aber ganz sicher sollten sie keine solchen Bewertungen abgeben.

HofmannM

05.08.2013, 13:20 Uhr

@Michel
Die Verbraucherschützer haben hier doch nur Aufklärung betrieben. Und somit haben die Verbraucherschützer dem Verbraucher ganz klar gesagt, wo die Risiken bei der Bürgeranleihe liegen. Was ist daran verwerflich?!

Account gelöscht!

05.08.2013, 13:27 Uhr

Diese "Bürgerbeteiligung" ist eines der größten Verbrechen der schwarz-geld Energiewendezerstörungspolitik.
Die Netzbetreiber bekommen für ihr eingesetztes Kapital 9% Garantierendite vom Stromkleinverbraucher. Der hat dafür aber schon mit seinem Anteil "Netzentgeld" auf der Stromrechnung bezahlt. Seit Jahrzehnten!! Die ureigenste Aufgabe der Betzbetreiber, nämlich Netze zu betreiben wird also zweimal bezahlt. Damit nicht genug: Die Netze dienen beispielsweise dem Anschluß ostdeutscher Braunkohlekraftwerke, haben also mit Energiewende nichts zu tun - laufen dieser entgegen!!!
Der Gipfel ist aber, dass die 4% Rendite für die Bürgerbeteiligung nicht etwa von den 9% abgezogen werden, NEIN, die bekommen die Netzbetreiber noch obenauf!

Das ist der Gipfel der Antienergiewende-Lobbypolitik. Schwarz-Geld tut alles, um die Energiewende zu verteueren und schlußendlich zu zerstören!

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