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14.05.2014

12:44 Uhr

„Virtuelle Sprechstunde“

Der Doktor kommt per Bildschirm

Die neuen Medien ermöglichen auch andere Wege bei der Gesundheitsversorgung. Noch aber steckt die Telemedizin in den Kinderschuhen, viele Fragen sind bislang unbeantwortet.

Können Ärzte online Diagnosen stellen? Die sogenannte Telemedizin sucht nach Lösungen. Imago

Können Ärzte online Diagnosen stellen? Die sogenannte Telemedizin sucht nach Lösungen.

WashingtonMark Matulaitis bewegt seine Arme, so dass der Arzt die Stärke des Tremors erkennen. Eigentlich eine Routineuntersuchung bei Menschen mit der Parkinson-Krankheit, an der Matulaitis leidet. Das Besondere: Der Patient sitzt in seinem Haus in einem ländlichen Gebiet im US-Staat Maryland vor einem Laptop; die Kamera überträgt seine Bewegungen dem Arzt, der sich mehrere hundert Kilometer entfernt befindet. Immer mehr Menschen entdecken die Vorzüge von Telemedizin. Allerdings eignet sie sich bisher nur für einen Teil der Patienten; viele Fragen sind noch ungeklärt.

Ärztemangel macht erfinderisch

Zuschüsse

Viele Länder bieten Medizinern Zuschüsse von mehreren zehntausend Euro, damit diese sich in strukturschwachen Regionen niederlassen. In Bayern gibt es dafür bis zu 60.000 Euro, Baden-Württemberg stellt bis zu 30.000 Euro zur Verfügung, Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen fördern mit bis zu 50.000 Euro.

Studienförderung

In vielen Ländern fängt die Förderung schon in der Uni an. So können Medizin-Studenten in Sachsen auf ein Stipendium von 1000 Euro pro Monat hoffen, wenn sie sich verpflichten, nach dem Studium als Hausarzt aufs Land zu gehen. Außerdem werden für künftige Landärzte in Sachsen sogar die Studiengebühren an der ungarischen Universität Pécs übernommen. Das Angebot zielt auf junge Menschen, die wegen des Numerus clausus in Deutschland nicht Medizin studieren können. Auch in Nordrhein-Westfalen, Bayern oder Niedersachsen gibt es Studien-Förderungen.

Anstellung

Drei Gemeinden an der schleswig-holsteinischen Nordseeküste wollen Ärzte anstellen, um die medizinische Versorgung zu gewährleisten. In Büsum, Lunden und St. Michaelisdonn im Kreis Dithmarschen werden „kommunale Eigeneinrichtungen“ entwickelt. Dort sollen die Kommunen Ärzte in „Gemeindepraxen“ anstellen. Damit haben die Mediziner den Vorteil fester Arbeitszeiten sowie kein finanzielles Risiko wie bei dem Aufbau einer eigenen Praxis.

Rollende Praxis

Im niedersächsischen Landkreis Wolfenbüttel soll eine rollende Praxis, die in den ländlichen Regionen unterwegs ist, die Hausärzte in der Region entlasten. In Brandenburg sind es mobile Krankenschwestern, die den Ärzten kleinere medizinische Maßnahmen abnehmen sollen.

Wohnort

Rheinland-Pfalz will den ländlichen Raum attraktiver machen, indem es Hausärzten nicht mehr vorschreibt, am Praxisort auch wohnen zu müssen.

Bei einfach zu diagnostizierenden Erkrankungen ist Telemedizin in den USA schon recht verbreitet: Schnupfnase und Husten - ist das nun eine Erkältung oder Grippe? Gerade in abgelegenen Gebieten nutzen Betroffene hier gerne die „virtuelle Sprechstunde“. Es gibt sogar eine App für das Smartphone, die Patienten und Mediziner in solchen Fällen zusammenbringt. Auf beiden Seiten wird nun der Wunsch nach einer ausgeweiteten telemedizinischen Betreuung geäußert, vor allem für Menschen, für die es nicht einfach ist, zu einem Arzt zu gelangen.

Das ist nicht nur eine Frage der Entfernung. „Stellen Sie sich vor, Sie müssen mit Ihrer an Alzheimer leidenden Mutter in ein medizinisches Zentrum einer Großstadt“, sagt Ray Dorsey, Neurologe am Universitätsklinikum von Rochester und Experte für Telemedizin. „Schon auf dem Parkplatz verlieren viele die Orientierung.“

Dorsey ist Leiter einer Studie, bei der es um die Qualität von „virtuellen Behandlungen“ bei Parkinson-Patienten geht. Initiiert wurde diese Studie von dem staatlichen Forschungsinstitut PCORI, das im Zusammenhang mit der Gesundheitsreform von Präsident Barack Obama gegründet wurde. Aufgabe des Instituts ist es herauszufinden, welche medizinischen Behandlungen und Verfahren die besten Ergebnisse bringen.

Würden Sie eine digitale Sprechstunde in Anspruch nehmen?

An Dorseys Studie nehmen rund 200 zufällig ausgewählte Parkinson-Patienten aus den gesamten USA teil. Eine Gruppe wird medizinisch behandelt wie gewohnt, die andere wird zusätzlich zur regulären Behandlung regelmäßig von einem Spezialisten mit Hilfe einer Videokonsultation untersucht. Vorstudien hatten ergeben, dass Telemedizin dazu beitragen kann, die Medikamentenvergabe jeweils aktuell auf die Patienten abzustimmen - und ihnen so Arztbesuche erspart.

Zum Beispiel Matulaitis. Auch er ist Dorseys Patient. Als bei ihm 2011 der Verdacht auf Parkinson zur Sprache kam und er zur Diagnostik zu einem Spezialisten überwiesen wurde, musste seine Frau Urlaub nehmen und ihn mehrere hundert Kilometer weit ins nächstgelegene Zentrum fahren. Inzwischen finden Konsultationen zwischen ihm und Dorsey einige Male im Jahr per Video statt, die übrige Zeit wird er von seinem Hausarzt betreut. Der 59-Jährige ist begeistert.

Kommentare (3)

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15.05.2014, 09:02 Uhr

Der Doktor ist schon in der realen Praxis ziemlich unfähig Krankheitssymptome genau zu diagnostizieren geschweige den dem Menschen zur HEILUNG zu verhelfen.
Online wird das natürlich noch schlechter.
Aber es geht ja eh nur ums Business mit KRANKEN (krank gehaltenen) Menschen ....

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15.05.2014, 17:07 Uhr

Seit über zehn Jahren werden in Deutschland Parkinsonpatienten telemedizinisch, also videounterstützt, behandelt. Inzwischen fast 7000 an der Zahl. Die Praxis zeigt, was auch mehrere Studien belegen konnten: Signitikant hohe Patientenzufriedenheit bei geringeren Kosten für die Versichertengemeinschaft. Was spricht dagegen? s.auch Wikipedia "ambulante videogestützte Parkinsontherapie"

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15.05.2014, 17:07 Uhr

videounterstützt, behandelt. Inzwischen fast 7000 an der Zahl. Die Praxis zeigt, was auch mehrere Studien belegen konnten: Signitikant hohe Patientenzufriedenheit bei geringeren Kosten für die Versichertengemeinschaft. Was spricht dagegen? s.auch Wikipedia "ambulante videogestützte Parkinsontherapie"

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