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11.09.2013

09:44 Uhr

Vom grünen Strom verdrängt

Kraftwerke auf dem Abstellgleis

Strom aus Wind und Sonne lässt die Börsenpreise purzeln. Weil die Erneuerbaren bei der Einspeisung Vorfahrt haben, gehen Kraftwerke vom Netz. Die Branche wartet ungeduldig auf eine Reform der Strommarktgesetze.

Das Steinkohlekraftwerk Mehrum im Landkreis Peine: Betreiber nehmen ihre nicht lukrativen Kraftwerke vom Netz. dpa

Das Steinkohlekraftwerk Mehrum im Landkreis Peine: Betreiber nehmen ihre nicht lukrativen Kraftwerke vom Netz.

Essen/DüsseldorfDas Rheinland zwischen Mönchengladbach, Aachen und Bonn gilt als größter Braunkohletagebau Europas. Hier wühlen sich riesige Schaufelbagger durchs Erdreich. Das begehrte „braune Gold“ aus den gigantischen Abbaugebieten Garzweiler, Hambach und Inden stillt den Hunger der Kraftwerke des Essener Energieriesen RWE. 24 Kraftwerksblöcke betreibt das Unternehmen dort mit einer Leistung von 10 000 Megawatt - mehr als ein Zehntel des bundesweiten Verbrauchs.

Auf sichere Profite hatten die Energiemanager bundesweit vertraut, als sie die Pläne für die Braunkohle-, Kohle- und Gaskraftwerke entwarfen und Milliardensummen in die Hand nahmen. Nun verbucht nur noch die vergleichsweise „schmutzige“ Braunkohle schwarze Zahlen. Ausgerechnet die umweltfreundlichen und vergleichsweise kostspieligen Gaskraftwerke sind dagegen schwer in die Bredouille gekommen: Der Ausbau von Sonnen- und Windstrom bringt sie unter Wettbewerbsdruck.

„Die Lage ist dramatisch“, sagt Matthias Hartung, Chef der für konventionelle Stromerzeugung zuständigen RWE-Gesellschaft RWE-Generation. „Ich bin froh, dass ich heute nicht über Investitionen entscheiden muss“. Viele Kraftwerke ob bei RWE, Eon und anderen stehen nicht mehr im Geld, heißt es im Fachjargon der Kraftwerker. Die bundesweite Erzeugungskapazität an erneuerbaren Energien - Wind-, Bio- und Sonnenstrom - von mehr als 65 Gigawatt (2012) würde an manchen Tagen theoretisch allein ausreichen, um den deutschen Strombedarf zu decken. Das gilt vor allem an Wochenenden.

Ist zu viel Strom vorhanden, geht der Preis in den Keller. Allein von Anfang 2012 bis Juli 2012 fiel der Großhandelspreis von rund 55 Euro pro Megawattstunde auf 36 Euro. Nach Angaben von RWE bedeuten 1 Euro weniger im Schnitt Erlöseinbußen von 70 Millionen Euro im Jahr bei der Braunkohle und 24 Millionen Euro bei der Kernkraft. Einstweilen profitieren die Erzeuger beim Stromverkauf noch von längerfristigen Verträgen. Doch von Jahr zu Jahr schmelzen die Vorteile dahin. „In zwei bis drei Jahren trifft uns die Krise in voller Wucht“, prophezeit Hartung.

Kommentare (15)

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vandale

11.09.2013, 10:33 Uhr

Der Strom aus Wind und Sonne fällt entsprechend den Launen des Wetters an. Die Einspeisung des umweltschädlichen Oekostroms schwankt zwischen nahe 0 und 30000 MW.

Solange man keine Stromrationierung (Neusprech Intelligentes Netz) akzeptieren möchte, wird man die komplette Kapazität vorhalten müssen. Ich nehme an, dass man künftig eine Kapazitätsbereitstellungsvergütung bezahlen wird. Für 80.000 MW kann eine solche 10 Mrd. €/Jahr betragen und addiert sich zu den anderen Oekostromkosten.

An der Strombörse werden Spotmengen gehandelt. Die Preise schwanken entsprechend den Launen der Oekostromeinspeisung. Entgegen der regelmässig verbreiteten Oekopropaganda können Versorger und Industrieunternehmen nur sehr geringfügig von diesen Strombörsenpreisen profitieren, da diese eine stabile und verlässliche Versorgung benötigen.

Vandale

Account gelöscht!

11.09.2013, 10:53 Uhr

Ein sachlicher Artikel über die Energiewende.

Allerdings ist für uns als Endverbraucher das Schicksal von RWE, EON und der Stadtwerke zweitrangig. Wir brauchen billigen Strom, weil der fast überall und ständig gebraucht wird.

Dummerweise sind die Erneuerbaren Energien auf absehbare Sicht dazu nicht in der Lage, erstens wegen der extrem hohen Installationskosten (pro Kapazität) und zweitens wegen des Speicherproblems (was die Kosten erst richtig ins Unermessliche treiben wird).

Im Artikel wird das Preisverhältnis (leider in unterschiedlichen Einheiten) genannt. RWE und Co. bekommen <5 ct/kWh und müssen davon alle Erzeugungskosten tragen. Die EEG-Umlage für einen z.Z. noch sehr kleinen Teil der deutschen Stromversorgung kostet jetzt schon 5.3 ct/kWh, Tendenz drastisch steigend. Hinzukommen Steuern und Netzentgelte (werden auch von den E.E. in die Höhe getrieben). Am Ende bezahlen wir Private z.Z. zwischen 25 und 30 ct/kWh.

Da können einem die Energieriesen schon leid tun, sie kriegen nicht einmal ein Fünftel der Einnahmen, müssen davon die Erzeugung bezahlen und werden dann noch von allen wegen Preistreiberei beschimpft...

loco

11.09.2013, 11:00 Uhr

Ach der Klimaskeptiker Vandale wieder...haben Sie ihren Kindern / Enkeln schon gebeichtet, das sie durch Ihre Einstellung die zukünftig absaufenden Holländer aufnehmen müssen?

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