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05.08.2013

06:00 Uhr

Vor 125 Jahren

Bertha Benz verhalf dem Auto zum Durchbruch

Im August 1888 unternimmt Bertha Benz die erste Fernfahrt mit einem Automobil. Damit verhilft sie nicht nur ihrem Mann Carl Benz zum Durchbruch, sondern auch dem Automobil.

Carl und Bertha Benz am Steuer des Kraftwagens Benz Viktoria (Modell 1894). akg-images

Carl und Bertha Benz am Steuer des Kraftwagens Benz Viktoria (Modell 1894).

StuttgartAls sich Bertha Benz am Morgen des 5. August 1888 in aller Herrgottsfrühe ans Steuer ihres Wagens setzt und zu ihrer Schwester aufmacht, bricht sie gleich mehrere Tabus. Die damals 39-Jährige steuert nicht nur ohne Fahrerlaubnis einen Wagen, der obendrein überhaupt keine Zulassung besitzt. Sie setzt sich auch über den Willen ihres Mannes hinweg, der ihr die Fahrt niemals erlaubt hätte. Vor 125 Jahren ein wagemutiger Schritt für eine Frau - und rückblickend ein Meilenstein in der Geschichte des Autos.

„Wahrscheinlich würde es dann auch nicht das Automobil gegeben haben“, sagt ihre Urenkelin Jutta Benz heute. Tatsächlich war die Technologie damals bereits mehr als reif. Der Wagen, mit dem Bertha Benz ins 106 Kilometer entfernte Pforzheim fährt, ist schon die dritte Variante von Benz' 1886 zum Patent angemeldeten Dreiradwagen. Die damaligen Konkurrenten Daimler und Maybach feilten zur gleichen Zeit an eigenen motorbetriebenen Wagen. Doch die Skepsis war groß, die Behörden erteilten Benz sogar ein Fahrverbot, weil die knatternden Wagen die Pferde scheu machten. „Man hatte Angst vor so etwas. Das war Neuland“, sagt Jürgen Wittmann, Leiter der Archive bei Daimler.

„Die Fahrt hat den Durchbruch gebracht“, sagt Autoexperte Stefan Bratzel von der Fachhochschule der Wirtschaft (FHDW) in Bergisch Gladbach. „Die Fahrt hat metapherhaft gezeigt, dass Autos gesellschaftsfähig sind“, sagt Bratzel. Ähnliche Wirkung habe in der Geschichte zum Beispiel die Erfindung des Ford Model-T gehabt, das durch Fließbandarbeit für die Massen erschwinglich und zum Verkaufsschlager wurde. Der kalifornische Elektro-Pionier Tesla habe mit seinen strombetriebenen Sportwagen gezeigt, dass E-Autos auch Spaß machen können, so Bratzel.

Ob Bertha Benz tatsächlich auch Einfluss auf die Technologie nahm, sei kaum überliefert, sagt Jutta Benz. Zündspulen habe sie aufgewickelt und sicher ein gewisses technisches Verständnis gehabt. Auf der Fahrt nach Pforzheim säuberte sie eine verstopfte Benzinleitung mit ihrer Hutnadel und isolierte die Zündung mit ihrem Strumpfband. Ihr Handeln hatte aber auf jeden Fall Einfluss auf die Weiterentwicklung von Benz' Erfindung. Nach der Fahrt durch den Nordschwarzwald war zum Beispiel klar, dass für Steigungen auch eine dritte Übersetzung - ein dritter Gang - notwendig sein würde.

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