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23.01.2014

13:08 Uhr

Vor dem Super Bowl

Der Kampf gegen den Blackout

Der Super Bowl wird wohl 20 Megawatt Strom verschlingen. Fachleute tüfteln seit Monaten daran, dass sich der Mega-Stromausfall des Vorjahres nicht wiederholt. Gelingt das nicht, droht ein Gouverneur mit einem Gemetzel.

Über 70.000 Zuschauer im Metrodome saßen vergangenes Jahr plötzlich im Dunkeln: Vom Stromausfall war nur eine Reihe Scheinwerfer nicht betroffen. Das Spiel war für über eine halbe Stunde unterbrochen. dpa

Über 70.000 Zuschauer im Metrodome saßen vergangenes Jahr plötzlich im Dunkeln: Vom Stromausfall war nur eine Reihe Scheinwerfer nicht betroffen. Das Spiel war für über eine halbe Stunde unterbrochen.

New JerseyAuf Drohungen versteht sich Chris Christie. Der Gouverneur von New Jersey, wo am 2. Februar der diesjährige Super Bowl ausgetragen wird, hat direkt klar gemacht, was passiert, wenn sich der Mega-Stromausfall wiederholen sollte, der im vergangenen Jahr den Super Bowl in New Orleans für eine halbe Stunde unterbrach. Bei einem ähnlichen Patzer in diesem Jahr, polterte Christie, würden „die Körper der Verantwortlichen auf dem Parkplatz verstreut“ werden.

Er werde keine Störungen akzeptieren, die die Chance seines Staates schmälerten, während der meistgesehenen TV-Jahresveranstaltung in den USA zu glänzen. 2013 saß Christie neben NFL-Ligaboss Roger Goodell, als die Lichter ausgingen. Mehr als 108 Millionen Menschen verfolgten das Blackout-Debakel im Fernsehen.

Nur Sekunden nach dem Stromausfall in New Orleans begann das Handy von Bill Labos in New Jersey zu vibrieren – und hörte nicht mehr auf. „Mein Blackberry ist mir fast aus der Tasche gefallen“, sagte Labos.

Peinliche Pannen beim Super Bowl (Stand 2015)

2004 - Nipplegate

In der Halbzeitpause liefern die Popstars Justin Timberlake und Janet Jackson, Schwester des verstorbenen King of Pop, eine atemberaubende Show ab. Bei der Tanzeinlage reißt Timberlake seiner Partnerin ein Stück vom Oberteil ab und legt die Brust von Jackson frei. Der Vorfall geht als Nipplegate in die TV-Geschichte ein und bleibt nicht ohne Folgen. Die Halbzeit-Shows werden fortan mit einigen Sekunden Zeitverzögerung ausgestrahlt.

2009 - Porno-Clip

In Tucson im Bundesstaat Arizona sehen die TV-Zuschauer eine ganz heiße Schlussphase. Kurz vor Ende des Spiels wird für gut 30 Sekunden eine Pornosequenz eingespielt. Eine Verwechslung der Kabelsignale soll der Grund für den Fauxpas sein. Rund 80 000 lokale TV-Zuschauer sind betroffen.

2011 - Aguilera-Aussetzer

Christina Aguilera kommt die große Ehre zuteil, die Nationalhymne vor dem Spiel zu singen. Die Töne trifft die Pop-Queen perfekt, nur mit dem Text hapert es ein wenig. Einen Vers lässt sie aus, dafür wiederholt sie einen anderen.

2012 - Internetpanne der New York Giants

Bereits einen Tag vor dem Spiel lassen sich die New York Giants auf ihrer Internetseite als Champion feiern. „Die Giants sind Super-Bowl-Champion“ ist in riesigen Lettern auf der Homepage zu lesen, auch passende Fanartikel werden abgelichtet. Immerhin: Die Giants gewinnen tatsächlich das Finale, wenn auch knapp mit 21:17 gegen die New England Patriots. Doch auch das große Spektakel geht nicht reibungslos über die Bühne. Die Rapperin M.I.A. zeigt dem Publikum den ausgestreckten Mittelfinger.

2013 - Blackout im Stadion

Nach einigen Minuten in der zweiten Halbzeit gehen im Superdome von New Orleans die Lichter aus. Die Stromversorgung ist zusammengebrochen und der Spielbetrieb für 36 Minuten lahmgelegt. Die Spieler halten sich mit Dehnübungen warm, die Cheerleader schieben Extraschichten und die Zuschauer lassen die La Ola kreisen.

(alle Texte: dpa)

2015 - Werbung zurückgezogen

„Go Daddy“ wollte mit kleinen Golden-Retriever-Welpen werben, von denen einer im Spot von einem Truck fällt. Tierschützer fanden das gar nicht lustig. Das Unternehmen zog den Spot zurück.

Er ist der Mann mit einem Spezialauftrag und der, der Christies Worte am meisten fürchten sollte: Labos soll verhindern, dass sich der Mega-Blackout, der größte in der Geschichte des US-Fernsehens bei einem solchen Event, wiederholt. Am 2. Februar treffen im großen Finale der NFL die Seattle Seahawks und die Denver Broncos in New Jersey aufeinander.

Die Ansage von Ralph LaRossa, Präsident der Public Service Enterprise Group, des US-Energieversorgers mit Sitz in New Jersey und gleichzeitig Labos' Chef, ist eindeutig: „Wir können nicht zulassen, dass so etwas hier passiert.” In den vergangenen zwölf Monaten hat Labos daher mit Stadion-Ingenieuren, Beratern und New Jerseyer Sportfunktionären daran gearbeitet, dass die Schreckensvision seines Chefs, Millionen von Fans und Sponsoren sowie Gouverneur Christie nicht wahr wird.

Da an dem Stromausfall 2013 vermutlich ein ausgefallener Schalter schuld war, ist die Elektrik innerhalb und außerhalb des MetLife-Stadium in East Rutherford (New Jersey) streng geprüft, modernisiert, gesichert und immer und immer wieder getestet worden, um sicherzustellen, dass alle Systeme laufen – vom Hochspannungskabel bis zu den Schaltern – und so ausfallsicher wie möglich sind.

„Unsere Routinetests werden exakt immer wieder wiederholt“, sagt Brian McCarthy, ein Sprecher der NFL. Die Tests sollten so realistisch wie möglich sein: Im September etwa überwachte Labos einen Zwölf-Stunden-Full-Power-Test im Stadium. Dort wurde der ganze Abend des Super Bowl simuliert. „Alles funktionierte. Wir sind zuversichtlich, dass wir das meistern“, sagt Labos.

Es gibt aber immer noch Worst-Case-Szenarien, verursacht etwa durch schlechtes Wetter. Denn der 48. Super Bowl ist der erste, der unter freiem Himmel in einem Kaltwetter-Staat ausgetragen wird. Freiliegende Leitungen in der Sportanlage könnten durch Eis und starken Wind beschädigt werden, sagt Labos.

Die NFL teilte mit, sie sei darauf vorbereitet, das Spiel in einem solchen Fall kurzfristig um einen oder zwei Tage zu verschieben. Ob die Amerikaner, die sich monatelang auf das Football-Endspiel freuen, ebenso bereitwillig und flexibel eine Verschiebung des Sonntagabendevents in Kauf nähmen, ist allerdings unklar.

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