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14.05.2014

09:59 Uhr

Weg mit den Energiefressern

Verbraucher beugen sich dem Strompreisargument

Strom wird teurer - daher rechnet sich der Austausch alter Hausgeräte immer schneller. Das Argument zieht bei vielen Verbrauchern, die ihre Energiefresser zunehmend aus der Küche und dem Waschkeller verbannen.

München/NürnbergEs hat etwas gedauert, bis sich Deutschlands Verbraucher mit stromsparenden Hausgeräten angefreundet haben. Vor allem höhere Verkaufspreise für Kühlschränke, Waschmaschinen oder Geschirrspüler der höchsten Effizienzklassen A++ und A+++ ließen viele Kunden davor zurückschrecken, ihre alten Energiefresser rauszuschmeißen und durch Neugeräte zu ersetzen. Doch inzwischen kommt die Energiewende auch in den deutschen Haushalten an: Nicht nur die Hersteller, sondern auch Umweltschutzverbände und Marktforscher berichten über eine wachsende Nachfrage nach den Sparsamen.

Für Rückenwind sorgen die hohen Strompreise. Die spüren die Menschen im Portemonnaie - und schauen deshalb auch beim Kauf neuer Hausgeräte stärker auf die Verbrauchswerte. Zudem rechnet sich jetzt ein neuer Kühlschrank oder Trockner wegen der gestiegenen Energiekosten in kürzerer Zeit als noch vor einigen Jahren. Hinzu kommt die gute Kauflaune der Verbraucher, die sich größere Anschaffungen gönnen, anstatt ihr Geld aufs Konto zu packen, wo es kaum Zinsen abwirft.

Die Folge: Der Marktanteil von Großgeräten mit dem Label A++ oder A+++ für das Waschen, Spülen, Kühlen oder Gefrieren hat kräftig angezogen. In den ersten beiden Monaten dieses Jahres etwa kamen sie in Deutschland auf einen Absatzanteil von zusammen 65 Prozent, berichtet der Leiter des Bereichs Energie und Umwelt beim Nürnberger Marktforschungsinstitut GfK, Roland Abold: „Alles, was mit Energieeffizienz zu tun hat, steht hoch im Kurs. Wenn sich dabei noch Einsparungen ermöglichen lassen, dann haben diese Produkte gute Marktchancen.“

Auch Deutschlands größter Hausgerätehersteller Bosch und Siemens (BSH) profitiert von dem Trend. Bereits im vergangenen Jahr erreichten hocheffiziente Geräte im Europa-Geschäft von BSH einen Absatzanteil von 35 Prozent - zwei Jahre früher als ursprünglich geplant. „Jetzt wollen wir noch eine Schippe drauflegen“, sagt Christian Salmen, der bei BSH für dieses Geschäftsfeld zuständig ist.

Dabei tat sich die Branche anfangs durchaus schwer, die Geräte an die Kunden zu bringen. Manch einer rief sogar nach einer Abwrackprämie für die sogenannte Weiße Ware - nach dem Vorbild der Autoindustrie. Bei der Bundesregierung stieß das aber auf wenig Gegenliebe, weil das Kabinett keine neuen Subventions-Tatbestände schaffen wollte. Stattdessen setzen die Anbieter nun lieber auf Anreizsysteme regionaler Energieversorger, die den Neukauf hocheffizienter Hausgeräte mit Prämienzahlungen versüßen. „Da reicht manchmal schon ein kleiner Push“, sagt BSH-Manager Salmen.

Wie steht es um Ihre Erfahrung mit LED-Beleuchtung?

Die Deutsche Umwelthilfe sieht auch ganz allgemein ein gewachsenes Bewusstsein für die Energieeffizienz und den Wasserverbrauch von Hausgeräten. So manche angebliche Innovation laufe jedoch auch dem Spartrend zuwider, sagt die Leiterin für Verbraucherschutz, Agnes Sauter. Den Kühlschrank mit eingebauter Kamera beispielsweise, über die sich per Internet der Füllstand von unterwegs aus abrufen lässt, hält sie mit Blick auf den Energieverbrauch für unsinnig.

Seit Jahren schon zieht die EU-Kommission Geräte mit hohem Energieverbrauch aus dem Verkehr. Zu diesen Aktivitäten gehört neben der Einteilung in Energieeffizienzklassen als bekanntestes Beispiel auch das Glühbirnen-Verbot. Damit will Europa die Haushalte dazu bringen, weniger Strom zu verbrauchen und die Umwelt zu schonen.

Alternativen zur klassischen Glühbirne sind neben Energiespar- und Halogenlampen auch Leuchtstoffröhren und Leuchtdioden (LED). Gerade die halbleiterbasierten LED, die etwa 80 Prozent weniger Strom als Glühbirnen verbrauchen, gelten als Zukunftstechnologie schlechthin. Der Hersteller Osram erwartet, in drei Jahren mehr als 50 Prozent des Gesamtumsatzes mit Produkten rund um die LED zu erwirtschaften.

Weil aber vielen Verbrauchern die Umstellung auf das andere Licht schwerfiel, horteten sie kurz vor Toresschluss noch Glühbirnen in Elektrogeschäften und Baumärkten oder deckten sich bei Urlaubsfahrten ausgiebig ein - und stellten damit letztlich doch ihr persönliches Wohlbefinden über das Stromsparen und Umweltbewusstsein.

Auch wenn das nur für begrenzte Effekte sorgen dürfte: Die Deutsche Umwelthilfe ärgert sich über den Abverkauf der alten Stromfresser. Dieser laufe schließlich auch den Klimaschutzzielen der EU zuwider, meint Sauter.

Von

dpa

Kommentare (3)

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14.05.2014, 10:43 Uhr

Die Mobilitaet, das Essen und viele Grundbeduerfnisse wie auch Bildung, kann der Staat durch verordnete ueberhoehte Preise blendend beeinflussen. Die Ertraege kommen dann dem Staat zu oder von ihm bevorzugten Gruppen.

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14.05.2014, 11:01 Uhr

Der Bürger wird ja auch in unserer EU-Deutschen Diktatur durch ein Energieeinspargesetz dazu GEZWUNGEN!
In einer freien Gesellschaft und Marktwirtschaft haben solle ideologisch bedingten Gesetze (EEG, Energieeinsparen) NICHTS ZU SUCHEN!!!
Der menschengemachte CO2-Klimawandel und die Erneuerbaren Energien entspringen einen perfiden und asozialen Glauben. Wissenschafltich ist bei diesen Themen (Klima und Energie) schon lange nichts mehr im grünsozialistischen EU-Deutschland!

Account gelöscht!

14.05.2014, 12:56 Uhr

Auf steigende Preise eines Gutes reagiert man, indem....
1. Man erstens versucht, der Verbrauch einzuschränken und/oder
2. versucht das Produkt selbst herzustellen bzw. zu substituieren

Beim Stromverbrauch kann man die bezogenen KWh reduzieren indem man analog
1. Strom spart (wie im Artikel beschrieben)
2. Strom selbst herstellt, z.B über Photovoiltaik

In der Folge sinkt die Nachfrage. In einer Marktwirtschaft bedeutet eine sinkende Nachfrage auch SINKENDE Preise.

Was in Artikeln wie diesem aber übersehen wird - und mittelfristig die Bürger rasend machen wird- ist die Tatsache, dass wir in der Stromwirtschaft keine Marktwirtschaft mehr haben, sondern eine Zwangsbewirtschaftung in der staatliche Kosten überwiegen und der eigentliche Strompreis gen NULL tendiert.
Die Subventionszahlungen sind FIX, Leute! FIIIIXXXX! Derzeit zahlt der deutsche Bürger auf jede KWh 6,24 Cent! Und wenn er, um mal ein Beispiel zu machen nur noch die Hälfte verbraucht, MUSS die EEG Umlage doppelt so hoch werden, damit die FIXEN EEG-Subventionen bezahlt werden können. In der Planwirtschaft des EEG führt halt eine sinkende Nachfrage zu steigenden Preisen!
Wenn alle Deutschen ihren Stromverbrauch so reduzieren, dass sie mit dem eigenproduzierten Strom auskommen, ist NIEMAND mehr da, dem man eine Rechnung für die vom Versorger übers Netz bezogenen Leistungen schicken könnte.

Eine der vielen perversen Folgen dieses abstrusen Schad-Gesetzes! Das einzig Gute am Strom-Sparen ist, dass das bisherige Fördersystem schnell in sich zusammenkracht!

"Guten Tag, hier ist die Tagesschau. Inn Wanne-Eikel hat heute ein Rentner irrtümlich sein Mittagessen mit dem E-Herd erwärmt und 1 KWh verbraucht. Da dies die einzige KWh ist, die in diesem Jahr von den Versorgern bezogen wurde, ist dem Rentner die komplette EEG-Förderung in Höhe von 23 MRD Euro auferlegt worden. Kurz nach der Zustellung der Rechnung, verstarb der Rentner an einem Herzinfarkt. Die Erben kommen nun für die Begelichung auf." Ironie off

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