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16.07.2013

10:54 Uhr

Wegen Gendefekts

Blutkrebsrisiko für Diabetes-II-Patienten höher

Nach einer Studie britischer und französischer Forscher liegt das erhöhte Risiko an einer Chromosomen-Anomalie. Künftig soll durch die neue Erkenntnis ein Gentest eine frühere Diagnose möglich werden.

Messung des Blutzuckerspiegels: Diabetes-II-Patienten leiden häufiger unter einer bestimmten Chromosomen-Anomalie. dpa

Messung des Blutzuckerspiegels: Diabetes-II-Patienten leiden häufiger unter einer bestimmten Chromosomen-Anomalie.

ParisEin Gendefekt könnte erklären, warum Patienten mit Diabetes Typ II auch ein höheres Blutkrebsrisiko haben. Britische und französische Wissenschaftler fanden heraus, dass an der sogenannten Altersdiabetes erkrankte Patienten deutlich häufiger eine Chromosomen-Anomalie namens Clonal Mosaic Events (CMEs) aufweisen, wie es in einer am Sonntag im Fachmagazin "Nature Genetics" veröffentlichten Studie heißt.

In der Wissenschaft war bereits bekannt, dass Diabetes-II-Patienten auch häufiger an Leukämie und Lymphdrüsenkrebs erkranken. Unklar war aber bislang, warum das so ist. Forscher des Imperial College London und des französischen Forschungsinstituts CNRS nahmen nun Blutproben von rund 7500 Menschen unter die Lupe, darunter die von 2200 Diabetes-II-Patienten. Dabei kamen sie auf die Clonal Mosaic Events.

Bei CMEs handelt es um eine genetische Mutation, bei der Teile des Gencodes in Zellen als zusätzliche Kopie vorkommen oder aber fehlen. Solche Genmutationen erhöhen das Risiko, an Blutkrebs zu erkranken, um das Zehnfache. Während CMEs bei jungen Menschen kaum vorkommen, sind rund zwei Prozent der über 70-Jährigen davon betroffen.

Die Forscher fanden nun heraus: Bei Diabetes-II-Patienten liegt die Wahrscheinlichkeit von CMEs vierfach höher als bei gesunden Menschen. "Diabetes II ist eine Krankheit, die den Alterungsprozess beschleunigt", erklärte Studienleiter Philippe Froguel vom Imperial College London. "Wir wollten deswegen wissen, ob es (Diabetes II) dazu führt, dass Menschen eher diese Gendefekte haben, die mit dem Altern zusammenhängen."

Künftig könnte den Studienautoren zufolge womöglich mit einem Gentest geprüft werden, welche Diabetes-II-Patienten auch ein erhöhtes CME-Risiko haben. Diese wüssten dann, dass sie besonders auf frühe Anzeichen einer Leukämie achten müssen. Laut der Weltgesundheitsorganisation leiden weltweit fast 350 Millionen Menschen an Diabetes, die meisten von ihnen am Typ II.

Von

afp

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