Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

21.03.2014

06:00 Uhr

Welt-Down-Syndrom-Tag

Trisomie-Bluttest: Von vielen kritisiert, von Tausenden angewandt

Über den Trisomie-Bluttest der Firma Lifecodexx wird seit seiner Markteinführung heftig diskutiert: Ist er Entscheidungshilfe für Schwangere - oder eine Methode zur Diskriminierung von Menschen mit Behinderung?

Mit einem Test können Schwangere überprüfen lassen, ob ihr Kind ein erhöhtes Risiko für Trisomie aufweist. dpa

Mit einem Test können Schwangere überprüfen lassen, ob ihr Kind ein erhöhtes Risiko für Trisomie aufweist.

Konstanz„Selektion“, „Diskriminierung von Behinderten“, „illegal“: Der umstrittene Trisomie-Bluttest der Konstanzer Firma Lifecodexx ist seit Markteinführung 2012 heftig kritisiert worden. Inzwischen habe sich der Test aber etabliert, sagt die Medizinische Direktorin von Lifecodexx, Wera Hofmann. Der Behindertenbeauftragte von Baden-Württemberg, Gerd Weimer, hält dagegen: „Das Designer-Baby zeichnet sich am Horizont ab“, sagt er. „Das muss gesellschaftspolitisch begriffen und diskutiert werden.“

Der sogenannte „PraenaTest“ kann mit Hilfe einer Blutprobe der Mutter die Trisomien 21, 18 und 13 beim ungeborenen Kind ausschließen oder bestätigen. Seit seiner Einführung im August 2012 wurde er bereits bei mehreren tausend Schwangerschaften eingesetzt. „Wir gehen scharf auf die 10.000 zu“, sagt Marketingleiterin Elke Decker. Etwa die Hälfte der Blutproben stammt aus Deutschland. Aber auch weltweit wird der Test angewandt: Proben werden aus der Schweiz, aus Ungarn, Bulgarien, der Türkei oder auch Dubai geschickt.

Durchgeführt wird der Test bei Frauen ab der vollendeten neunten Schwangerschaftswoche, die ein erhöhtes Risiko für die Trisomien beim ungeborenen Kind aufweisen. In der Regel müssen die Patienten die Kosten von 825 Euro selbst zahlen. Entschließt sich eine Frau dazu, den Test zu machen, schickt die Arztpraxis Blutproben an Lifecodexx. Darin enthalten: Schnipsel des Erbguts von Mutter und Kind.

Aus der Blutprobe gewinnt das Labor in mehreren Schritten das Erbgut, aus dem die kindliche DNA bestimmt wird - vorausgesetzt, ihr Anteil daran liegt bei mindestens vier Prozent. „Wir schauen dann, ob die Menge an kindlichem Erbmaterial für ein bestimmtes Chromosom erhöht ist, um eine entsprechende Trisomie beim Ungeborenen zu bestimmen“, sagt Hofmann. Beim Down-Syndrom ist beispielsweise das 21. Chromosom dreifach vorhanden. Charakteristisch dafür sind körperliche Auffälligkeiten und eine verminderte Intelligenz. Auf diese Trisomie 21 macht auch der Welt-Down-Syndrom-Tag am 21. März aufmerksam.

Kommentare (1)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

21.03.2014, 15:14 Uhr

Naja in der Natur werden sog. Behinderte von Müttern nach der Geburt totgebissen um das Überleben der stärkeren, also der Gruppe, zu schützen. Selbst bei intelligenten Tieren findet eine Auswahl im Nachhinein statt, kein geschwächter kleiner Elefant übersteht die Wanderung der Gruppe nichtmal ein scheinbar gesunder bzw. leicht schwacher! Das nennt man natürliche Auslese, die der Mensch durch seine sozialen Kompetenzen abgeschaff hat und sich so anscheinend wiederholt. Nicht diskriminierend gemeint sondern realistisch.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×