Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

26.07.2013

15:24 Uhr

Welt-Hepatitis-Tag

Die Leberkrankheit wird oft nicht erkannt

Der Welt-Hepatitis-Tag am Sonntag weist auf die weit verbreiteten Viren hin. In Deutschland wird viel über der Leberkrankheit geforscht, aber wenig behandelt. Viele wissen gar nicht, dass sie infiziert sind.

Hepatitis-B-Viren neben menschlichen Zellen. Hepatitis B, eine der häufigsten Virusinfektionen weltweit, ist nicht heilbar. dpa

Hepatitis-B-Viren neben menschlichen Zellen. Hepatitis B, eine der häufigsten Virusinfektionen weltweit, ist nicht heilbar.

Frankfurt„Die Leber leidet stumm“, sagen Mediziner. Der flapsige Spruch verweist auf ein ernstes Problem: Durch Hepatitis-Viren ausgelöste Leberentzündungen bleiben oft unentdeckt. Das Robert Koch-Institut schätzt, dass in Deutschland jeweils etwa 400.000 bis 500.000 Menschen eine chronische Hepatitis B oder C haben, die beiden häufigsten Varianten. Das Erstaunliche: „Die wenigsten wissen davon“, schreibt die Deutsche Leberhilfe in Köln.

Frühsymptome wie Fieber, Gliederschmerzen, Übelkeit oder Müdigkeit kann man auch für Grippe halten. Und selbst solche Warnzeichen bleiben oft jahrelang aus. Manchmal fallen bei einer Routineuntersuchung erhöhte Leberwerte auf, „was jedoch oft ignoriert wird“, beklagt die Selbsthilfeorganisation. Unentdeckt können beide Infektionen zu Leberzirrhose und -krebs führen.

„Die Behandlung hat in den letzten zehn Jahren große Fortschritte gemacht“, bilanziert die Leberhilfe zum Welt-Hepatitis-Tag am kommenden Sonntag, den die Weltgesundheitsorganisation 2011 eingeführt hat. Das Problem: „Wir können nur helfen, wenn wir wissen, wer betroffen ist“, sagt Prof. Heiner Wedemeyer, Oberarzt an der Medizinischen Hochschule Hannover. Der Tag steht in diesem Jahr unter dem Motto „Näher als Du denkst“.

Der wissenschaftliche Koordinator der Deutschen Leberstiftung spricht sich für ein Screening aus. Seiner Ansicht nach sollten sich vier Gruppen testen lassen: Wer vor 1991 ein Bluttransfusion bekam, einmal Drogen konsumiert hat, sich im Urlaub ein Tattoo stechen ließ und „alle Patienten mit unklar erhöhten Leberwerten“.

Hepatitis B sei nicht heilbar, aber es gebe Medikamente, die das Virus unterdrückten; gegen Hepatitis C würden voraussichtlich 2014 und 2015 neue, nebenwirkungsfreie Wirkstoffe zugelassen, fasst Wedemeyer den Stand der Therapiemöglichkeiten zusammen. „Damit sind wir in der Lage, eine chronische Erkrankung zu heilen - das ist in der Medizin fast einmalig.“

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×