Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

31.05.2014

08:00 Uhr

Weltnichtrauchertag

Hören Sie mit dem Rauchen auf! Sofort!

VonLisa Hegemann

Nicht nur mit dem Rauchen machen Konzerne ein riesiges Geschäft. Auch mit dem Versuch, von der Sucht loszukommen, lässt sich jede Menge Geld verdienen. Doch der Kampf gegen die Droge kann zu einem neuen Risiko werden.

Zigarette ab und rauchfrei – so einfach ist die Rauchentwöhnung nicht. Doch auch viele Rezepte der Wirtschaft funktionieren nur bedingt. Getty Images

Zigarette ab und rauchfrei – so einfach ist die Rauchentwöhnung nicht. Doch auch viele Rezepte der Wirtschaft funktionieren nur bedingt.

DüsseldorfWenn Raucher in die Praxis von Christian Zinner kommen, sehen sie ihn oft als letzte Rettung. Die Patienten hoffen, dass ihnen der Heilpraktiker in einer Sitzung abgewöhnt, was sie sich über Jahre antrainiert haben: das Rauchen. Zinners Methode ist die Hypnose. Doch einfach aus der Hypnose aufwachen und rauchfrei sein – das funktioniert auch bei Heilpraktiker Christian Zinner nicht.

Weil es so schwierig ist, mit dem Rauchen aufzuhören, hat die Industrie längst ein Geschäft daraus gemacht. Denn Milliarden werden nicht nur mit dem Qualmen verdient. Auch mit dem Versuch, mit dem Rauchen aufzuhören, scheffelt die Wirtschaft fleißig Geld. Mit Hypnose, Ratgebern, E-Zigaretten oder Nikotinpflastern gibt sie Rauchern Hilfestellungen im Kampf gegen ihre Sucht. Die Tabakindustrie macht aus der Not eine Tugend und vertreibt einige der Produkte einfach selbst. Doch längst nicht alle von ihnen dienen der Rauchentwöhnung – im Gegenteil.

Einmal im Jahr rufen Anti-Suchtverbände zum Weltnichtrauchertag in Erinnerung, wie gefährlich der Zigarettenkonsum ist. In diesem Jahr fordert unter anderem die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) höhere Steuern auf den Tabakkonsum – weil der Preis den größten Einfluss auf das Rauchen hat, wie die stellvertretende Geschäftsführerin Gabriele Bartsch gegenüber Handelsblatt Online berichtet.

Zigaretten-Warnungen in aller Welt

Norwegen

Um in Norwegen Tabak oder Zigaretten kaufen zu dürfen, muss man älter als 18 Jahre sein. Tabakwaren dürfen seit 2010 zudem nicht mehr deutlich sichtbar in Geschäften angeboten werden. Kioske, Supermärkte und andere Verkaufsstellen dürfen Glimmstängel nur noch „unter dem Ladentisch“ lagern und von dort auf Anforderung verkaufen.

Island

In Island gibt es ähnliche Verkaufseinschränkungen bereits seit 2001. Gesundheitspolitiker starteten zudem eine Initiative im Parlament für ein generelles Tabakverbot. Glimmstängel soll es danach nur in der Apotheke geben - für Raucher, denen Ärzte Nikotinsucht attestiert haben.

Australien

In Australien müssen Zigaretten künftig in einheitlich schlammfarbenen Schachteln mit großflächigen Bildern von Krebsgeschwüren und Raucherlungen verkauft werden. Das höchste Gericht in Canberra wies im vergangenen August eine Klage der Tabakindustrie gegen das 2011 beschlossene Verpackungsgesetz ab.

USA

In den USA gibt es seit rund 25 Jahren Textwarnungen auf Zigarettenpackungen. Tabakfirmen klagen seit 2011 gegen geplante Bild-Darstellungen auf den Schachteln. Vorschläge dafür zeigen unter anderem Menschen mit Atemmasken oder Löchern im Kehlkopf, aus denen Rauch quillt.

Kanada

Kanada zwang im Jahr 2000 große Hersteller zu Bildern und Texten mit Warnhinweisen auf den Packungen. Die Fotos von leeren Kinderbetten oder Raucher-Porträts sind sehr eindringlich, vermeiden aber den Ekel-Faktor.

Brasilien

Brasilien setzt dagegen auf besonders drastische Abschreckung - bis hin zu Fotos von blutgetränkten Fehlgeburten in Zigarettenasche.

Die gute Nachricht zum Antirauchertag: Der Tabakkonsum in Deutschland insgesamt geht zurück. Nach Angaben des Statistischen Bundesamts rauchte ein Einwohner 2013 jährlich durchschnittlich 996 Zigaretten. Das waren 1,2 Prozent weniger als im Vorjahr und sogar 41,4 Prozent weniger als noch zur Jahrtausendwende. Doch immer noch qualmt durchschnittlich jeder vierte Deutsche – trotz der hinlänglich bekannten Gefahren wie Herz-Kreislaufstörungen und Lungenschädigung.

Auch für die Tabakindustrie hat der geringere Konsum kaum Auswirkungen. Die großen Zigarettenhersteller Philip Morris (Marlboro), British American Tobacco (Lucky Strike, Pall Mall) und die deutsche Imperial-Tobacco-Tochter Reemtsma (Gauloises, West) steigern ihren Umsatz weiterhin. Der Grund: Sie gehen mit dem Trend – auch, wenn dieser ohne Tabak funktioniert.

E-Zigarette ohne Tabak, aber von Tabakherstellern

Die neuste Modezigarette der Deutschen darf überall geraucht werden und fällt nicht unter das Nichtrauchergesetz. Sie sieht etwas anders aus als gewöhnlich, sie qualmt nicht und sie verbraucht keinen Tabak: die E-Zigarette.

Der akkubetriebene Glimmstängel, der auf Flüssigkeiten statt Tabak setzt, gilt als neues Helferlein, sich das Rauchen abzugewöhnen. Inzwischen greifen schätzungsweise rund zwei Millionen Deutsche zur Tabakalternative. Und die Kurve zeigt nach oben – nicht nur beim Konsum. Der nach eigenen Angaben führende Anbieter auf dem Markt, Red Kiwi, hat seinen Umsatz 2013 um 75 Prozent steigern können. Auch für 2014 erwartet das Unternehmen weiteres Wachstum.

Kommentare (3)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

02.06.2014, 12:14 Uhr

Auch wieder so eine Bevormundungsparole!
Wer zum Teufel meint eigentlich den Menschen das Rauchen, das Saufen, das Fressen und das Huren abzugewöhnen!?
Ich bin zwar Nichtraucher aber diese Bevormundung von einigen "Weltverbessernden Gutmenschen" geht mir langsam aber sicher auf den Sack!

Account gelöscht!

02.06.2014, 12:46 Uhr

Und warum unterstützen unsere Politiker mit Subventionen massiv den Tabakanbau? Erhalten Sie Boni von der Tabakindustrie?

Account gelöscht!

03.06.2014, 10:31 Uhr

Bis jetzt war die Tabaklobby eigentlich immer stark gegen die E-Zigarette und erst in letzter Zeit wollen die Großen auch ins Geschäft. Überhaupt fühle ich mich vom Weltnichtrauchertag nicht sonderlich angesprochen, denn ich bin Dampfer. Ich habe einen Händler meines Vertrauens und habe mich gut über die Hersteller informiert. Da schwankt kein Nikotingehalt und explodiert auch nichts. Wer mehr wissen möchte kann sich hier gut informieren: http://www.smokesmarter.de/ezigarette

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×