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13.03.2014

09:37 Uhr

Weltnierentag

Lebendspenden werden immer wichtiger

Das Thema Lebendspende steht im Fokus des diesjährigen Weltnierentags. Berichte von Betroffenen zeigen: Spender müssen sich über mögliche, auch langfristige Nebenwirkungen im Klaren sein.

Information und Aufklärung am Weltnierentag: Seit Jahren wächst die Zahl der Lebendspender und derer, die dank eines solchen Organs überleben. dpa

Information und Aufklärung am Weltnierentag: Seit Jahren wächst die Zahl der Lebendspender und derer, die dank eines solchen Organs überleben.

Frank Walter Steinmeier hat es für seine Frau getan - er gab ihr eine Niere. Seit Jahren wächst die Zahl der Lebendspender und derer, die dank eines solchen Organs überleben. Am Weltnierentag informieren Experten unter anderem über Lebendspenden.

Einmal in der Stunde hält der Regionalexpress in Paulinenaue, einem 1500-Seelen-Weiler nordwestlich von Berlin. Eine halbe Stunde Zugfahrt bis zur Hauptstadt oder ein Auto braucht man hier, wo Brunhilde und Erich Ernst heute ihr „zweites Leben leben“, wie sie sagen. Was Mobilität bedeutet, und was Immobilität, haben die beiden auch am eigenen Leibe erfahren. Denn eine fortschreitende Niereninsuffizienz hatte Erich Ernst, heute 64, schließlich an den Sessel gefesselt. Dialyse oder Transplantation, lautete die Alternative. Doch die Warteliste für ein Spenderorgan war lang. Das Ehepaar entschied sich für eine Lebendtransplantation: Im Sommer 2010 spendete sie ihm eine ihrer Nieren.

Das Thema Lebendspende gewinnt seit Jahren an Bedeutung, auch beim Weltnierentag (13. März). Stammten 1991 etwa nur drei Prozent der transplantierten Nieren von lebenden Spendern, waren es 2011 schon fast 28 Prozent. Grund ist nicht nur medizinischer Fortschritt, sondern vor allem die geringe und zuletzt noch weiter eingebrochene Bereitschaft der Deutschen, postmortal Organe zu spenden: Allein von 2012 auf 2013 sank die Zahl der Organspender um ein Sechstel auf nurmehr 876. Zu sehr hatten Berichte über fingierte Vergabemethoden und Manipulationen an den Wartelisten in einigen deutschen Kliniken die Menschen verunsichert.

Zahlen und Fakten zur Organspende

Warteliste

Rund 12.000 Menschen warten auf ein Spenderorgan und sind bei Eurotransplant angemeldet, etwa 8000 von ihnen brauchen eine Niere.

Todesfälle

Im Schnitt sterben täglich drei Menschen, die auf den Wartelisten stehen.

Spenderausweis

74 Prozent der 14- bis 75-jährigen Bundesbürger stimmen einer Organspende grundsätzlich zu, aber nur 25 Prozent haben bislang einen Spenderausweis.

Organentnahme

Im ersten Halbjahr 2013 wurden 459 Menschen (Vergleichszeitraum 2012: 562) insgesamt 1686 (Januar bis Juni 2012: 1923) Organe entnommen.

Organtypen

Unter den 3511 im ganzen Jahr 2012 entnommenen Organen (einschließlich Lebendspenden 4555 Organe) waren 1789 Mal Niere, 919 Leber, 339 Lunge, 318 Herz, 141 Bauchspeicheldrüse und 5 Dünndarm.

Spenderalter

2012 waren von den Spendern 22 jünger als 16 Jahre, 467 waren 16 bis 54 Jahre, 227 waren 55 bis 64 Jahre und 330 waren älter als 65 Jahre alt.

Wartezeit

Patienten warten fünf bis sechs Jahre auf eine Spender-Niere.

Nierenspenden

2012 wurden 766 Nieren von lebenden Spendern übertragen. Zudem wurden 78 mal Lebendspendern Teile der Leber entnommen.

Hinzu kommt das sensible Thema Hirntoddiagnostik. Auch jüngst kochten wieder einzelne Fälle hoch, wo das vorgeschriebene Prozedere zur Bestimmung des Hirntods nicht exakt eingehalten worden war. Auch deshalb wird die Lebendspende, obwohl formell als zweitbeste Lösung der Leichenspende untergeordnet, wichtiger und angesichts endlos langer Wartelisten von vielen Ärzten gefördert und empfohlen. Familienmitglieder, aber auch enge Freunde dürfen füreinander spenden. Auch weil diese Organe seltener abgestoßen werden und im Schnitt besser und länger funktionieren als Postmortal-Spenden, ist dies ein echtes Plus für die meisten Empfänger.

So auch für Erich Ernst: Heute, dreieinhalb Jahre nach der Transplantation, sitzt er wieder in seinem Sessel, nun aber freiwillig. Munter greift er zur Kaffeetasse und erzählt davon, dass er unterwegs sein kann, Motorrad fährt. „Auch einen Mini-Job als Lkw-Fahrer hab ich wieder.“ Die Freude darüber, wieder ein fast normales Leben führen zu können, ist ihm anzusehen. Doch mit dem Entschluss seiner Frau hatte er zunächst seine Probleme.

Kommentare (1)

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13.03.2014, 10:25 Uhr

wie funktioniert das gleich mit der Organvergabe nach medizinischer Notwendigkeit oder doch nach dem Geldbeutel? Man stelle sich vor einer wie Herr H. aus München benötigt eine Niere, wen der wohl so alles bestechen würde damit die Niere auch bei ihm landet, statt bei einem Hartz IV Empfänger?

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