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11.10.2013

08:42 Uhr

Wem gehören die Höhen?

Streit zwischen Windmüllern und Flugsicherung

Für die Energiewende braucht es immer mehr Standorte für Windräder. Doch seit einiger Zeit stellt sich die Flugsicherung quer. Die Windbranche findet den geforderten Sicherheitsabstand zu groß.

Ein Flugzeug fliegt hinter dem Rotorblatt eines Windrades: Die Flugsicherung warnt vor einer Störung der Navigationssysteme. dpa

Ein Flugzeug fliegt hinter dem Rotorblatt eines Windrades: Die Flugsicherung warnt vor einer Störung der Navigationssysteme.

FrankfurtRund um den Frankfurter Flughafen und in anderen deutschen Ballungsgebieten wird es eng für neue Windkraftanlagen. Das Bundesaufsichtsamt für Flugsicherung (BAF) hat am Donnerstag noch einmal klargemacht, dass es bei seinem strengen Kurs bleiben will, der um jedes der bundesweit 64 Funkfeuer eine Schutzzone von 15 Kilometern vorsieht. Wegen möglicher Störungen der Flugnavigation dürfen hier nur im genehmigten Einzelfall neue Windräder aufgestellt werden, was Energiewende-Fans erbost. An den Funkfeuern orientieren sich die Piloten nach Vorgaben der Lotsen.

Der Frankfurter Energieversorger Mainova beispielsweise sieht nahezu seine kompletten Pläne gefährdet: Von neun geplanten Windparks lägen allein sieben in den Verbotszonen der Flugsicherung, die faktisch die Windkraftnutzung in Südhessen untersage. Kurios werde es beim geplanten Windpark Nieder-Erlenbach, sagt Unternehmenssprecher Thomas Breuer. Zwischen dem angeblich störanfälligen Funkfeuer und dem geplanten Standort schlucke ein Hügel sämtliche Signale und nur wenige hundert Meter weiter drehen sich munter bereits die Windräder eines anderen Betreibers.

„Irgendwann ist das Fass voll“, sagt Axel Raab von der bundeseigenen Deutschen Flugsicherung (DSF), die das Aufsichtsamt fachlich berät. Die Signale würden durch allerlei äußere Einflüsse gestört, seien es Hochhäuser, Gewässer, Hügel oder 60 Meter lange Rotorblätter. Sämtliche Fehler addierten sich zu Abweichungen in den Navigationssystemen auf, die Piloten könnten die von den Lotsen vorgegebenen Routen nicht mehr verlässlich ansteuern. Rund 20 der 64 UKW-Funkfeuer in Deutschland seien am Rand der Belastbarkeit. „Da geht nichts mehr.“

BAF-Direktor Nikolaus Herrmann will zwar nicht als Feind der Energiewende dastehen, hat aber die 2009 verschärften Vorschriften der internationalen Luftverkehrsorganisation ICAO fest im Blick. Konflikte seien schon wegen der stark steigenden Zahl beantragter Windräder fast unausweichlich. „Der natürliche Standort von Flugsicherungsanlagen ist oben auf dem Berg.“ Von dort können sich die elektromagnetischen Wellen gut ausbreiten, wenig kann den Kontakt zu Flugzeugen und Kontrollstationen am Boden stören. Dass auf den Höhen meist auch die einzigen lukrativen Standorte für Windräder im Binnenland zu finden sind, macht die Sache nicht einfacher.

Kommentare (6)

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HofmannM

11.10.2013, 08:56 Uhr

Flugsicherheit geht vor Stromkundenabzocke von Windmühlen auf Kosten der deutschen Bevölkerung!
Wer für die sog. erneuerbaren Energien (Windmühlen, Photovoltaik, Biogasanlagen) ist, der vernichtet nicht nur den Wohlstand in Deutschland, sondern spielt auch mit dem Leben der Menschen!
Schafft endlich diese perfide und asoziale Energiewende/EEG ab! Danke!

Account gelöscht!

11.10.2013, 09:08 Uhr

Ist doch nicht so schlimm, wenn die Flugsicherung gefährdet wird. Wenn da mal ab und zu so ein Flugzeug abstürzt - was ist das gegen die Durchsetzung der Energiewende?! Hey - nie wieder Atom - das muss uns doch 'was wert sein.

Parallele:

Wenn in der Provinz Fukushima fast 20 000 Menschen durch Naturgewalten sterben - was ist das schon gegen einen
dreifachen Super-GAU?! Hey, da gibt's Atom-Strahlen, und deshalb mussten dann Menschen evakuiert werden, sogar mehr als für unsere echt deutschen Braunkohlereviere und die dazugehörigen Kraftwerke.....


SteuerKlasseEins

11.10.2013, 11:02 Uhr

Es ist eine Doppelmoral. Beim Bau von Hochhäusern/Wolkenkratzern gilt vielerorts die Regel, daß diese nie höher sein dürfen als die lokale Sehenswürdigkeit, also z.B. der Kirchturm. Jemand der auf die Idee kommt, in einem Dorf auf billigem Grund einen 200m hohen Wolkenkratzer zu bauen, wird also in Deutschland nie die Genehmigung bekommen.
Bei Windkraftanlagen aber... da kann man auf einmal mitten in die Dorflandschaft ein Ding hinstellen, das höher ist als es die meisten deutschen Häuser sogar in Großstädten sind.

Diese Doppelmoral erinnert an die Situation im deutschen Straßenverkehr, wo man den Fahrradfahrern praktisch alles durchgehen läßt (weil sie "ökologisch" sind), bei Autofahrern aber jede noch so kleine Verkehrswidrigkeit/Falschparken sofort bestraft.

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