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08.08.2014

17:01 Uhr

WHO-Vorkehrungen

Ebola-Notstand trifft Deutschland nicht

Erst zum dritten Mal in ihrer Geschichte ruft die WHO den internationalen Gesundheitsnotstand aus. Die Mitgliedsstaaten müssen nun konkrete Schutzmaßnahmen ergreifen. Direkte Folgen für Deutschland gibt es bislang nicht.

Ebola-Banner in Liberia: Die WHO hat den internationalen Gesundheitsnotfall ausgerufen. dpa

Ebola-Banner in Liberia: Die WHO hat den internationalen Gesundheitsnotfall ausgerufen.

Berlin/GenfDie Ausrufung des internationalen Gesundheitsnotstands wegen der Ebola-Epidemie in Westafrika durch die WHO hat keine konkreten Auswirkungen für Deutschland. Eine Sprecherin des Bundesgesundheitsministeriums sagte am Freitag in Berlin: „Für Deutschland hat das keine direkten Folgen.“ Die Weltgesundheitsorganisation WHO hatte den relativ seltenen Schritt einer solchen Ausrufung am Freitag nach einer Krisensitzung in Genf bekanntgegeben. Die Verhängung des Gesundheitsnotstands gibt der WHO die Möglichkeit, Ländern direkte Anweisungen und Handlungsempfehlungen zu geben.

Der Internationale Gesundheitsnotfall ist in den 1969 erstmals beschlossenen Regularien der Weltgesundheitsorganisation (WHO) definiert. Es handelt sich um ein „außergewöhnliches Ereignis“, das durch die Gefahr der internationalen Verbreitung einer Krankheit zum „öffentlichen Gesundheitsrisiko“ für mehrere Länder zu werden droht und daher eine „koordinierte internationale Antwort“ erfordert.

Sind die Kriterien für einen „public health emergency of international concern“ erfüllt, müssen betroffene Länder dies der WHO binnen 24 Stunden melden. Die Experten sprechen dann verbindliche Empfehlungen für den Umgang mit der Gefahr an Häfen, Flughäfen oder Landesgrenzen aus. Neben Krankheiten können auch Chemieunfälle oder Atomkatastrophen Anlass sein, den globalen Notfall auszurufen.

Die für alle 194 WHO-Mitgliedstaaten rechtlich verbindliche Entscheidung trifft der Generaldirektor der Genfer UN-Behörde. Er stützt sich dabei auf die Empfehlung eines Notfall-Komitees, das sich aus internationalen Experten zusammensetzt.

Als die weltweit gültigen Regeln beschlossen wurden, hatten die WHO-Mitglieder zunächst vor allem drei Krankheiten im Blick: Gelbfieber, Cholera und Pest. Längst stehen aber auch Kinderlähmung, Pocken oder Sars (Schweres Akutes Respiratorisches Syndrom) im Fokus. Die Regeln der WHO sollen deren globale Verbreitung verhindern, ohne Handel und Reisen nachhaltig zu stören.

Konkrete Maßnahmen legte die WHO vor allem den von der Ebola-Epidemie betroffenen afrikanischen Ländern nahe. Deren Staatschefs sollten unter anderem den nationalen Notstand ausrufen und die Bevölkerung in Ansprachen persönlich über den richtigen Umgang mit Infektionen aufklären. Außerdem sollten die Staaten die Maßnahmen zur Eindämmung intensivieren, etwa Ausreisende an den Flughäfen und großen Grenzübergängen auf mögliche Ebola-Infektion hin überwachen und notfalls zu stoppen.

Nicht betroffene Staaten wie Deutschland werden von der WHO lediglich allgemein aufgefordert, sich auf mögliche Ebolafälle vorzubereiten und entsprechende Strukturen vorzuhalten. Das sei in Deutschland ohnehin der Fall, sagte die Sprecherin des Bundesgesundheitsministeriums: „Wir sind aufgestellt.“

Das ist das Ebola-Virus

Das Virus

Das Ebola-Virus gehört zu den gefährlichsten Krankheitserregern der Welt. Es löst ein sogenanntes hämorrhagisches, das heißt mit starken Blutungen einhergehendes Fieber aus.

Die Gefahr

Je nach Erregerstamm sterben 25 bis 90 Prozent der Patienten an einer Ebola-Erkrankung. Trotz intensiver Forschung gibt es weder eine Impfung noch ein Heilmittel.

Der Übertragungsweg

Seinen Ursprung hat das Virus im Tierreich. Menschen können sich über den Kontakt zu erkrankten Tieren infizieren, unter anderem Affen. Von Mensch zu Mensch überträgt sich die Krankheit durch Blut und andere Körperflüssigkeiten.

Die Krankheit

Die Inkubationszeit beträgt zwei Tage bis drei Wochen. Plötzlich setzen Fieber, Kopf- und Muskelschmerzen, Schwächegefühl und Halsschmerzen ein. Später gehen Nieren- und Leberfunktion zurück, es können schwere innere Blutungen auftreten.

Die Gefahrenzone

Ebola kommt vor allem nahe des afrikanischen Regenwaldes vor. Zum ersten Mal tauchte es 1976 im Sudan und im Kongo nahe des Ebola-Flusses auf. Ihm verdankt die Krankheit auch ihren Namen.

Der internationalen Gesundheitsnotfall wird erst zum dritten Mal von der WHO ausgerufen. Der Schweinegrippe fielen in einer ersten Bilanz der WHO von 2009 bis 2010 mindestens 18.500 Menschen weltweit zum Opfer. Die endgültige Zahl aber lag offenbar viel höher. Ein internationales Forscherteam sprach im Sommer 2012 von mehr als 500.000 Todesfällen. Im April 2009 hatte das Notfall-Komitee der Genfer UN-Behörde weltweit Alarm gegeben, im August 2010 wurde die Pandemie für beendet erklärt. Das H1N1-Virus hatte sich zunächst vor allem in Mexiko und in den USA rasant ausgebreitet, bevor es zur globalen Bedrohung wurde. Die meisten Opfer gab es in Afrika und Südostasien.

Vor einer globalen Ausbreitung der Kinderlähmung warnte die WHO im Mai 2014. Mindestens zehn Staaten waren betroffen, darunter Pakistan, Afghanistan, Syrien und der Irak. Ohne Gegenmaßnahmen könnte die bis 2018 angestrebte Ausrottung der Poliomyelitis verfehlt werden, warnte die WHO. Im Nahen Osten hatten die UN schon im April eine große Impfkampagne gestartet. Im Juni wurde das Virus erstmals seit Jahren auch in Brasilien wieder nachgewiesen. Die Zahl der Infektionen war zuvor seit Ende der 1980er Jahre rapide zurückgegangen – von geschätzt 350.000 bis auf 223 im Jahr 2012.

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