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31.03.2014

16:27 Uhr

Wie das Gehirn lernt

Einmal drüber schlafen

Mit der Zeitumstellung in der Nacht zu Sonntag naht für so manchen auch ein Schlafproblem, zumindest kurzfristig. Dabei ist genügend Schlaf nicht nur für die Gesundheit, sondern auch für Lernprozesse immens wichtig.

Ausreichender und guter Schlaf ist wichtig, um Gelerntes zu festigen. obs

Ausreichender und guter Schlaf ist wichtig, um Gelerntes zu festigen.

BerlinVor einer schwierigen Klausur noch bis in die Puppen lernen? Das dürfte genau die falsche Strategie sein. Denn ausreichender und guter Schlaf ist wichtig, um Gelerntes zu festigen, soviel steht fest. Wie das jedoch im Detail passiert, ob der Traum- oder Tiefschlaf dafür den Ausschlag gibt, ist auch für Experten noch ein Rätsel.

Tatsächlich sind die nächtlichen Aktivitäten unseres Denkorgans wesentlich schlechter erforscht als das Tagverhalten. „Aber das Gehirn arbeitet nachts mindestens ebenso kompliziert, wahrscheinlich sogar noch komplizierter“, sagt Dieter Kunz, Chefarzt der Klinik für Schlafmedizin am St. Hedwig-Krankenhaus in Berlin.

Etwa im 90-Minuten-Rhythmus wechseln beim Menschen Tief- und Traumschlaf ab – wobei zu Beginn der Nacht die Tiefschlafphasen und gegen Morgen die Traumschlafphasen länger sind. Kunz und sein Team veröffentlichen in Kürze eine Studie im Fachjournal „Sleep“, die zumindest für das prozedurale Lernen, also das Erlernen automatisierter Vorgänge wie Radfahren oder Laufen, die Bedeutung des Traum- oder REM-Schlafes hervorhebt.

REM steht für Rapid-Eye-Movement und beschreibt die rasche Augenbewegung unter geschlossenem Lid im Traum. „Die Probanden erhielten ein Antidepressivum, das den REM-Schlaf unterdrückt“, erläutert Kunz. Nach dem Schlaf mussten sie in visuellen Tests bei bestimmten optischen Signalen blitzschnell einen Knopf drücken. Dabei schnitten die Probanden aus der Placebo-Gruppe, also mit REM-Schlaf, deutlich besser ab.

Für das explizite Lernen, also etwa fürs Vokabeln oder Geschichtsdaten Pauken, ist es vermutlich gerade die Kombination der verschiedenen Schlafkomponenten, die die Fakten dauerhaft abspeichert. Doch Lernen heißt noch viel mehr: „Das Gedächtnis, das im Schlaf gebildet wird, ist kein passiver Prozess, wo sozusagen einfach Klebstoff über die Inhalte kommt, um sie zu fixieren. Es ist ein aktiver Vorgang, ein Abstraktionsprozess weg von der einzelnen erlebten Episode hin zum semantischen Gedächtnis“, sagt der Leibniz-Preisträger und Schlafforscher Jan Born von der Universität Tübingen.

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