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22.04.2014

14:25 Uhr

Windenergie

„Fantasie ist bis 2030 raus aus Offshore“

Windräder gehören längst zur deutschen Landschaft, ihr Strom ist aus dem Energiemix nicht wegzudenken. Die Branche bietet Zehntausende Arbeitsplätze. Nach Ende der politischen Hängepartie soll die Erfolgsstory jetzt weitergehen.

Windkraft auf hoher See: Offshore-Anlagen machen den Unternehmen Probleme. dpa

Windkraft auf hoher See: Offshore-Anlagen machen den Unternehmen Probleme.

BremerhavenGeht es der Windenergie-Branche schlecht, spüren das die Menschen in Bremerhaven zuerst. Die Stadt an der Wesermündung ist ein wichtiges Zentrum. Auf die Euphorie beim Bau erster Hochsee-Windparks folgte ein Jahr der Enttäuschung, weil die hohen Kosten für die Verbraucher beim Ökostrom-Ausbau auch die Windbranche auf den Boden der Tatsachen zurückholte. Investoren verschoben oder strichen ihre Bauvorhaben, vor allem Leih- und Zeitarbeiter verloren ihre Jobs.

Rund 2000 Menschen in der gesamten Offshore-Branche mit etwa 18.000 Arbeitsplätzen mussten gehen, mehrere Unternehmen gaben auf. Doch auch nach der Einigung auf eine Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) sind nach Angaben der Windenergie-Agentur (WAB) weitere 1000 Jobs in Gefahr. „Bis die jetzt wieder anlaufenden Investitionen in den Werkhallen ankommen, dauert es bis 2015“, sagt Geschäftsführer Ronny Meyer.

Unternehmen, die nicht nur für deutsche Hochseewindparks, sondern auch für den Export und für Anlagen an Land produzieren, haben weniger Probleme. Denn der Zubau von Windenergie in Deutschland an Land hat sich 2013 weiter beschleunigt. Fast 3000 Megawatt Leistung wurden installiert, mehr als doppelt so viel, wie das abgeschaltete Atomkraftwerk Krümmel bei Hamburg leisten konnte.

Insgesamt gab es Ende des Jahres mehr als 23.600 Anlagen mit zusammen gut 33.700 Megawatt. Künftig sollen nicht mehr als 2500 Megawatt im Jahr an Land hinzukommen, plus Repowering. Darunter versteht man den Leistungszuwachs, der entsteht, wenn eine Gruppe älterer Anlagen durch weniger, aber größere Windräder ersetzt wird. 2013 betrug die Zunahme durch Repowering etwa 500 Megawatt.

Auf hoher See lieferten Ende 2013 erst 116 Anlagen Strom. Ihre Leistung betrug 520 Megawatt. Zu den politischen Unsicherheiten kamen auch noch Probleme mit der Netzanbindung hinzu. So brauchte das Unternehmen Tennet länger als vorgesehen, um den Windpark Riffgat anzuschließen, der seit kurzem Strom für 120.000 Haushalte erzeugt.

Bis 2020 sollen auf See Windparks mit 6500 Megawatt entstehen, bis 2030 nicht mehr als 15.000 Megawatt. Das ist gegenüber früheren Planungen eine deutliche Reduzierung. „Damit ist die Fantasie bis 2030 raus aus Offshore“, bedauert Meyer. Dabei werde diese Form der Energie dringend gebraucht, weil sie wegen ihrer hohen Verfügbarkeit (auf dem Meer weht der Wind beständiger als an Land) der Grundlast aus klassischen Kraftwerken am nächsten komme.

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Das geht aber ins Geld. Die Kosten für Wind-Strom auf See sind mit 12,8 bis 14,8 Cent je Kilowattstunde deutlich höher als für Windstrom an Land mit 6,5 bis 11 Cent. Beim Windstrom ist es wie bei vielen Produkten: Je mehr Anlagen gebaut werden, je besser die Technik wird, desto günstiger. Experten rechnen mit bis zu 30 Prozent weniger Kosten innerhalb der nächsten zehn Jahre.

Aus der Branche, die knapp sieben Milliarden Euro Umsatz macht und insgesamt fast 118.000 Menschen beschäftigt, davon zwei Drittel im Export, kommen seit der politischen Einigung wieder positivere Signale. So kündigte der deutsche Marktführer Enercon aus dem ostfriesischen Aurich an, seinen Investitionsstopp wahrscheinlich bald aufzuheben.

Bei Enercon geht es um mehr als 100 Millionen Euro allein in diesem Jahr. „Wir sind ganz optimistisch, dass wir in Deutschland jetzt noch einmal die Kurve bekommen haben“, hatte Enercon-Chef Hans-Dieter Kettwig kürzlich auf der Hannover-Messe zur Reform des EEG gesagt. Der Anteil der erneuerbaren Energien an der Stromproduktion macht rund ein Viertel aus, mit 7,9 Prozent hat der Wind den größten Anteil.

Von

dpa

Kommentare (5)

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22.04.2014, 15:31 Uhr

Der letzte Akt der Erneuerbaren Energie Abzocker wird eingeläutet! Ohne die Subventionszahlungen aus dem EEG Zwangsabgabengesetz ist die sog. Erneuerbare Energiebranche nicht mehr interessant für die weltweiten Finanzzocker (Banken, Investoren, Reiche dieser Welt und Deutschland).
Das Ende der Erneuerbaren Energiewende Abzocke ist...einige wenige Reiche, Banken und Investoren haben auf Kosten der deutschen Bürger/Stromverbraucher abkassiert und der hohe Strompreis bleibt dem deutschen Brüger auf sehr lange zeit erhalten und steigt zudem von Jahr zu Jahr an.
Die Natur wurde durch Monokulturen (mais, Windräder, Solarparks) verschandelt und der wohlstandsschaffende Volkswirtschaftliche (Bürger-Gesellschaft) Kraftwerkspark (Kohle, Gas, und Uran) an die grün politische Öko-Planwirtschaftswand einer Ethikmerkel gefahren.
Energiewende/EEG = Abzocke, Armut, Mangel!

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22.04.2014, 15:45 Uhr

Die DENA rechnet mit 1% ständig verfügbarer Leistung aus dem Wind. Tatsächlich gab es dieses Jahr im März eine derartige Windstille, dass nur 0,1% der installierten Peakleistung am Netz waren.

Ein moderner EPR mit 1600 MW ersetzt also 400.000 Windkrafträder a 4 MWp.

Abseits jeder Träumerei, ist in Deutschland der maximale Wert einer kWh aus "Erneuerbaren" gleich dem eingesparten Brennstoff. Das trifft aber nur zu, wenn man weder den höheren Verschleiss der Kraftwerke noch das Arbeiten ausserhalb des Bestpunktes betrachtet. Leider fällt in Deutschland der maximale Bedarf eben nicht mit dem maximalen Angebot zusammen. In südlichen Gefilden mit Klimaanlagen kann die Photovoltaik durchaus helfen die nötigen Leitungsquerschnitte zu verringern und insofern einen etwas höheren Wert, als den der reinen Brennstoffkosten ausmachen.

Kurioserweise sind die Träumereien immer noch in den Köpfen der Vertreter der "Erneuerbaren". Es gibt kein einziges Konzept, nur mit Wind und Licht eine bezahlbare Stromversorgung zu realisieren.

Andere träumen weniger und sind pragmatisch: Frankreichs Haushaltsstrom kostet die Hälfte, der Industriestrom noch weniger. Es bleibt zu hoffen, dass die Franzosen die Chance erkennen, damit wir in Deutschland bald bei EdF preiswerten Strom kaufen können.

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22.04.2014, 16:49 Uhr

Viel wichtiger als irgendwelche Fantasien ist die Planungssicherheit für die Energieversorger, die Bauunternehmen und die Hersteller der WKA.

Die jetzt beschlossenen Rahmenbedingungen für den Ausbau der Windkraft sind im Vergleich zu anderen Ländern nicht gerade ambitoniert, aber besser als nichts.

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