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08.04.2014

09:58 Uhr

Windenergie

Primus dreht Geldhahn zu

VonGeorg Weishaupt

Die Ökostromreform zwinge zum Investitionsstopp, so der Chef des größten Windkraftkonzerns in Europa. Die Regierung dürfe nur bei neuen Anlagen die Förderung zu deckeln.

Studie eines Windparks: Stromausbeute neuerer Anlagen wächst. dpa

Studie eines Windparks: Stromausbeute neuerer Anlagen wächst.

HannoverHans-Dieter Kettwig ist niemand, der sich in die Öffentlichkeit drängt. Doch wenn es um die Reformpläne von Bundesumweltminister Sigmar Gabriel geht, meldet sich der Chef von Enercon lautstark zu Wort.

"Im Referenten-Entwurf sind viele Verschärfungen", kritisiert der Chef von Europas größtem Windkraftkonzern. Und sagt auch gleich, wozu das alles führt: "Die Verschärfungen zwingen uns zu einem Investitionsstopp in diesem Jahr", kündigt er gegenüber dem Handelsblatt an. "Dabei geht es um einen dreistelligen Millionenbetrag, den wir bislang jedes Jahr investiert haben", so Kettwig. Betroffen sei zum Beispiel ein neues Trainingszentrum in Thüringen.

Was den Manager so auf die Palme bringt: Der Bundesumweltminister will das Erneuerbare Energien Gesetz EEG grundlegend reformieren. Denn der Strom muss billiger werden, die immensen Kosten für die Förderung der erneuerbaren Energien sollen sinken. Und dazu soll die Windbranche und folglich Enercon einen Beitrag leisten.

So will Gabriel zum Beispiel die Förderung für Windparks an Land senken, besonders für Standorte mit schwächerem Wind. Und er plant einen sogenannten Deckel. So will er die Anlagen nur noch bis zu einer Gesamtleistung von 2500 Megawatt fördern. Kettwig hält diesen Deckel nur für akzeptabel, wenn "dazu noch Kapazitäten für das Repowering" kommen, wenn also der Deckel nicht für den Austausch alter durch neue und leistungsstärkere Anlagen gilt.

Dieser Austausch macht in Deutschland nach seiner Einschätzung schon zehn bis fünfzehn Prozent des Geschäfts aus. In den nächsten Jahren könnte er sogar auf "20 bis 40 Prozent steigen". Denn während früher noch meistens Anlagen mit einer Leistung von deutlich weniger als einem Megawatt üblich waren, sind es heute Windmühlen mit über zwei Megawatt. Derselbe Standort produziert also viel mehr Strom als früher.

Gabriel hat einer solchen Regelung zwar in einem Kompromiss mit den Ländern in der vergangenen Woche grundsätzlich zugestimmt. Doch offen ist, ob der Gesetzentwurf in dieser Form heute in der Kabinettsvorlage landen und die parlamentarischen Beratungen passieren wird.

Die Kritik von Enercon-Konkurrenten fällt nicht so hart aus. Der Entwurf belaste windschwächere Standorte in Deutschland nicht so stark wie zunächst befürchtet, räumt Nordex-Chef Jürgen Zeschky ein. "Das ist wichtig, weil genau hier die Musik spielt."

Enercon kritisiert die Kürzungen in Deutschland heftiger, weil das Unternehmen viel stärker vom deutschen Markt abhängig ist. Das Familienunternehmen aus Aurich verkaufte im vergangenen Jahr einen Großteil seiner Anlagen mit einer Leistung von 3,7 Gigawatt in Deutschland. Hier kam Enercon auf einen Marktanteil von stattlichen 49 Prozent.

Kommentare (3)

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08.04.2014, 12:28 Uhr

Repowering ist ein Euphemismus. Die alte Anlage wird komplett
verschrottet und an gleicher Stelle eine neue gebaut. Weder
der Turm noch das Fundament oder die Generatoren koennen weiterverwendet werden. Und das nach teilweise weniger als 5 Jahren.
Wie war das mit "nachhaltig" ?

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08.04.2014, 12:29 Uhr

Energiekonzerne und industrielle Verbraucher werden von allen privaten Verbrauchern subventioniert - zum Schaden ihrer zukünftigen Wettbewerbsfähigkeit. Die Subventionen für Strom betreffen nicht nur die erneuerbaren Energien sondern in viel höherem Maß die Stromerzeugung aus Kernkraft, Kohle und Gas. Die von dem EU Kommissar Herrn Öttinger für 2011 in Aufrag gegebene Auflistung der Subventionen in ganz Europa zeigt es sehr deutlich. Nukleare Anlagen wurden im selben Jahr demnach allerdings sogar mit 35 Milliarden Euro subventioniert, fossile Kraftwerke mit 26 Milliarden Euro.
Indirekt sei die Energieerzeugung aus Kohle und Gas mit weiteren 40 Milliarden Euro gefördert worden. Aus einer Fußnote des Entwurfs gehe hervor, dass mit dieser Summe soziale und gesundheitliche Folgen abgedeckt würden. Insgesamt werde die Energiebranche mit mehr als 130 Milliarden Euro im Jahr bezuschusst, die Haftpflichtversicherungen für Atommeiler seien dabei noch nicht eingerechnet, heißt es in dem Bericht.
Oettinger halte diese Zahlen über die Milliardensubventionen für herkömmliche Energien offenbar für zu brisant. Denn in einem der Zeitung ebenfalls vorliegenden geänderten Entwurf des Subventionsberichts, über den jetzt in der Kommission abgestimmt werden solle, seien die Zahlen ersatzlos gestrichen. Nachzulesen beim Verband Deutscher Ingenieure (VDI) unter www.ingenieur.de. (Dabei sind die Kosten der Lagerung von radioaktiven Resten nicht berücksichtigt). Eine ganze Reihe anderer Branchen wird auch subventioniert beispielsweise Porsche mit Subventionen für Elektroantriebe. Ist es nicht schade dass hier Arbeitsplätze nach China wandern? Die Energiewende findet statt, überall in der Welt, denn Strom aus Sonne und Wind oder Solarthermie ist einfach die billigste Art Energie umzuwandeln. Es ist die direkte Nutzung der Sonne - ohne dass über 200 Mio. Jahre gespeicherte fossile Energieträger einfach verbrannt werden und die Luft verpesten und noch dazu klimaschädliches CO2 erzeugen.

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08.04.2014, 13:28 Uhr

Aloys Wobben, der Inhaber von Enercon, ist mehrfacher Milliardär im schönen Aurich.

Das Ganze ohne Neid, Wobben und sein Sozius sind geniale Ingenieure, haben sie doch WKAs ohne Getriebe entwickelt; die Dinger sind wirklich genial.

Das ändert aber nichts daran das, dass Windkraftanlagen nur an ganz wenigen Orten sinnvoll betrieben werden können und zwar nur dann, wenn die Erzeugerkosten deutlich unterhalb der Brennstoffkosten der konventionellen Kraftwerke liegen. Deutlich deshalb, weil die notwendigen konventionellen Kraftwerke auch stark zusätzlich verschleissen und häufig ausserhalb ihres Bestpunktes arbeiten müssen. Leider wird dadurch praktisch kein CO2 gespart.
http://www.businesswire.com/news/home/20110719007251/en/Wind-Power-Paradox-BENTEK-Analysis-Shows-CO2

Wenn jetzt das Milliarden Unternehmen Enercon, durch das ganz Aurich aufblüht, weiter nach Subventionen schreit, dann ist das ziemlich zynisch.

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