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24.09.2014

09:39 Uhr

Windkraft-Messe

Saubere Hallen statt matschige Wiesen

VonGeorg Weishaupt

Die "Windenergy" ist vom Städtchen Husum ins mondänere Hamburg umgezogen. Die Unternehmen versprechen sich davon mehr internationales Publikum und Synergieeffekte. Ganz zufrieden ist man im Nordseestädtchen damit nicht.

Die Ausstellungshallen der Husum WindEnergy Messe in Husum: Große Konzerne drängten auf einen zweiten Messe-Standort in Hamburg.

Die Ausstellungshallen der Husum WindEnergy Messe in Husum: Große Konzerne drängten auf einen zweiten Messe-Standort in Hamburg.

Das war bis vor kurzem unvorstellbar: Friedlich sitzen die Vertreter der „Windenergy Hamburg“ und der „Husum Wind“ an einem gemeinsamen Stand hinter einer gemeinsamen Theke. Nur die Fotos an der Wand hinter ihnen unterscheiden sich: Links verbreitet Hamburg mit einem Foto vom Hafen internationales Flair. Und rechts wirbt Husum mit dem Charme der deutschen Provinz: einem Liegestuhl auf einem grasbedeckten Deich. „Wir wollen zeigen, dass wir zusammenarbeiten“, sagt der Vertreter der Messe Hamburg.

Und so konnte die Hansestadt am Dienstag ihre neue Branchenmesse starten, und zwar ohne böse Worte aus Husum. Denn die beiden Widersacher haben sich geeinigt, dass Hamburg in allen geraden Jahren eine internationale Windmesse veranstaltet und Husum in den Jahren dazwischen eine nationale Schau.

Dass es überhaupt zu dem Streit zwischen dem Nordsee-Städtchen und der Elbmetropole kam, hängt mit der Geschichte der Branche zusammen. Denn 1989 veranstalteten Bastler aus der Ökoszene die erste Windmesse Deutschlands in Husum. Für sie war die windreiche Region zwischen Nord- und Ostsee der ideale Ort.

Doch im Laufe der Jahre entwickelte sich die Branche von Pionierbetrieben für Öko-Enthusiasten zu einer ernst zu nehmenden und boomenden Industrie. Der Aufschwung überforderte das graue Städtchen am Meer. Besucher beklagten sich, weil ihre Autos bei strömendem Regen auf Wiesenparkplätzen stecken blieben, weil sie 50 Kilometer weit fahren mussten, um noch ein Hotelzimmer zu finden, oder weil sie ihre Stände in Zelten oder in gemieteten Bussen aufbauen mussten.

Große Unternehmen wie Siemens und der US-Konzern General Electric unterstützten deshalb die Pläne des Verbands Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA), eine internationale Messe in Hamburg zu veranstalten. Sie soll die Professionalisierung und Internationalisierung der Branche widerspiegeln.

So laufen die Besucher in Hamburg durch weiße lange Messehallen statt durch weiße Zelte. Sie fahren mit Rolltreppen, statt über feuchte Brettersteige in die nächste Halle zu rutschen. Sie kommen bequem mit der U-Bahn zum Messegelände, statt ihre Zeit in Staus auf Landstraßen zu verbringen.

Manches Unternehmen freut sich über Synergieeffekte. Siemens kann seine Windanlagen auf dem großen hellen Stand zeigen, den schon Kollegen aus dem Konzern zur Schifffahrtsmesse SMM zehn Tage zuvor genutzt haben.

Nicht nur Stefan-Jörg Göbel, Geschäftsführer von Statkraft, hofft, „dass wir mehr internationales Publikum nach Hamburg bekommen“. Der Direktvermarkter für erneuerbare Energien hat extra einen britischen Kollegen an seinen Stand beordert.

In den Hallen sind am ersten Tag immerhin chinesische Delegationen zu sehen. Sie machen Gruppenfotos, Picknick auf den Gängen und lassen sich alles genau erklären. Ob sie die schicke neue Umgebung aber auch dazu animiert, Windkraftanlagen zu kaufen, muss sich erst noch zeigen.

Kommentare (1)

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24.09.2014, 12:47 Uhr

Nur in dem der deutsche Bürger bereit ist, mehr für den Strom über die EEG-Zwangsabgabe zu zahlen, bekommt der Windmühlen und Photovoltaik Investor einen Anreiz auch zu investieren.
Das Schaf ist in diesem Fall der Bürger, der die Energiewende mit dem perfiden und asozialen EEG unterstützt und der Profiteuer ist die internationale Finanzelite. Energiewende =Armut und Mangel!

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