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09.08.2013

15:27 Uhr

Windpark ohne Strom

Planungs-Chaos verhindert Inbetriebnahme

Blindgänger auf dem Meeresboden verhindern den Betriebsstart des ersten kommerziellen Windparks in der Nordsee. Der Netzbetreiber fürchtet, dass nicht nur die Zeitplanung durch die Munitionsreste gesprengt werden könnte.

Der Wind weht, die Windräder stehen still: Wegen fehlender Netzanbindung muss die Inbetriebnahme des Windparks Riffgat vor Borkum verschoben werden. dpa

Der Wind weht, die Windräder stehen still: Wegen fehlender Netzanbindung muss die Inbetriebnahme des Windparks Riffgat vor Borkum verschoben werden.

Hannover/OldenburgNiedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) hat das Planungs-Chaos beim Stromanschluss von Windparks auf dem Meer kritisiert. Er forderte für die Netzanbindung eine eigene Gesellschaft mit Beteiligung des Bundes. „Es gibt keine aufeinander abgestimmte Gesamtplanung“, sagte der SPD-Politiker am Freitag im ZDF-Morgenmagazin. Notwendig sei eine „ordnende Hand“. Für die Anbindung seien private Unternehmen zuständig, die durch Verträge eine gewisse Sicherheit haben. Wenn etwas schief gehe, müsse der Verbraucher zahlen.

Hintergrund ist die Verzögerung bei der Anbindung des ersten deutschen kommerziellen Offshore-Windparks Riffgat vor der Küste Borkums. Die 30 Windmühlen mit 108 Megawatt installierter Leistung können rechnerisch rund 120.000 Haushalte mit Strom versorgen. Der niedersächsische Energiekonzern EWE hatte den Offshore-Windpark in den vergangenen Monaten rund 15 Kilometer nordwestlich der Insel Borkum gebaut und will ihn am Samstag offiziell einweihen. Jüngst hatte das Unternehmen mitgeteilt, dass Tennet das Verbindungskabel zum Festland nicht mehr rechtzeitig fertigstellen werde. Die Anbindung ans Stromnetz werde sich bis 2014 verzögern, sagte am Freitag ein EWE-Sprecher.

„Wir sind darüber sehr enttäuscht und können die Begründung von Tennet nicht nachvollziehen“, sagte ein EWE-Sprecher. Die Verzögerung wäre aus Sicht des Energiekonzerns vermeidbar gewesen, da seit Jahrzehnten bekannt sei, dass in dem Seegebiet Munition liege. Es hätte früher mit der Bergung begonnen werden müssen. Ähnlich äußerte sich auch Stephan Weil, wie eine Sprecherin mitteilte.

Tennet verwies dagegen auf unvorhersehbare Probleme bei der Munitionsbergung. Bei ersten Untersuchungen im Jahr 2008 hätten sich kaum auffällige Stellen mit Munitionsresten aus dem Zweiten Weltkrieg gezeigt, sagte eine Sprecherin. Wie sich nach Untersuchungen 2012 herausgestellt habe, gebe es etwa 700 Fundstellen. Die Bergung und Entschärfung sei extrem schwierig und langwierig, aber für die Sicherheit unverzichtbar. Zudem könnten Taucher in dem Seegebiet mit starken Strömungen nur begrenzt arbeiten.

Kommentare (2)

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Account gelöscht!

09.08.2013, 16:19 Uhr

Zitat: "Die 30 Windmühlen mit 108 Megawatt installierter Leistung können rechnerisch rund 120.000 Haushalte mit Strom versorgen."

Dieser Satz ist eine glatte Falschaussage. Tatsache ist, dass nach Adam Riese Null mal X immer Null ergibt. Mit anderen Worten: Wenn kein Wind weht, können auch 30 (oder 300, 3000, 3 Millionen ...) Windmühlen keinen einzigen Haushalt mit Strom versorgen.

"Versorgen" bedeutet Verlässlichkeit, und gerade diese Eigenschaft fehlt den Windmühlen. Sie sind wertloses Zeug.

Da aber jede Kilowattstunde, die, wenn denn der Wind es mal will, erzeugt und geliefert wird, den Strompreis, den wir alle zahlen müssen, in die Höhe treibt, weil den Betreibern ein Abnahmepreis garantiert wird, der weit über dem Marktpreis liegt, ist die Nachricht, dass die Windmühlen erst später angeschlossen werden können, eine gute Nachricht. Den volkswirtschaftlich größten Nutzen bzw. geringsten Schaden erzeugen die Windmühlen, wenn sie stillstehen.

hogro

11.08.2013, 15:04 Uhr

Wie man liest, werden die Flügel von Windkraftanlagen jetzt ja auch durch Dieselmotoren angetrieben.
Da hat man dann ja wenigstens eine gewisse Windsicherheit bei
Segelwettbewerben.

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