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11.07.2013

09:27 Uhr

Zigarettenkonsum

WHO will weltweites Verbot für Tabakwerbung

Müssen Staaten ihre Bürger vor den Risiken des Rauchens schützen? Die Weltgesundheitsorganisation sagt Ja und fordert Verbote jeglicher Verkaufsförderung für Tabakprodukte in allen Ländern der Erde.

Die WHO warnt: Tabakrauchen ist immer noch Hauptverursacher von vermeidbaren Krankheiten. dpa

Die WHO warnt: Tabakrauchen ist immer noch Hauptverursacher von vermeidbaren Krankheiten.

GenfUm Millionen von Menschenleben zu retten, fordert die Weltgesundheitsorganisation (WHO) ein weltweites Verbot für Tabakwerbung. Ebenso wichtig seien Warnungen auf Zigarettenschachteln und die Verteuerung von Tabakprodukten durch hohe Steuern, erklärte die UN-Sonderorganisation am Mittwoch in Genf. Solche oder ähnliche Maßnahmen seien bereits in 124 Ländern durchgesetzt worden. Fast 70 Staaten - vor allem in Afrika und Südamerika - würden jedoch bislang nur wenig oder nichts gegen den Tabakkonsum unternehmen, beklagt die WHO in ihrem Jahresbericht 2013 zum Kampf gegen das Rauchen.

„Jeder Staat steht in der Verantwortung, seine Bevölkerung vor Krankheit, Behinderung und Tod zu schützen, die durch Tabakkonsum verursacht werden“, sagte WHO-Generaldirektorin Margaret Chan. Während bereits in vielen Ländern, darunter Deutschland, umfangreiche Werbeeinschränkungen durchgesetzt seien, könne die Tabakindustrie immer noch eine Reihe von Schlupflöchern nutzen.

Zigaretten-Warnungen in aller Welt

Norwegen

Um in Norwegen Tabak oder Zigaretten kaufen zu dürfen, muss man älter als 18 Jahre sein. Tabakwaren dürfen seit 2010 zudem nicht mehr deutlich sichtbar in Geschäften angeboten werden. Kioske, Supermärkte und andere Verkaufsstellen dürfen Glimmstängel nur noch „unter dem Ladentisch“ lagern und von dort auf Anforderung verkaufen.

Island

In Island gibt es ähnliche Verkaufseinschränkungen bereits seit 2001. Gesundheitspolitiker starteten zudem eine Initiative im Parlament für ein generelles Tabakverbot. Glimmstängel soll es danach nur in der Apotheke geben - für Raucher, denen Ärzte Nikotinsucht attestiert haben.

Australien

In Australien müssen Zigaretten künftig in einheitlich schlammfarbenen Schachteln mit großflächigen Bildern von Krebsgeschwüren und Raucherlungen verkauft werden. Das höchste Gericht in Canberra wies im vergangenen August eine Klage der Tabakindustrie gegen das 2011 beschlossene Verpackungsgesetz ab.

USA

In den USA gibt es seit rund 25 Jahren Textwarnungen auf Zigarettenpackungen. Tabakfirmen klagen seit 2011 gegen geplante Bild-Darstellungen auf den Schachteln. Vorschläge dafür zeigen unter anderem Menschen mit Atemmasken oder Löchern im Kehlkopf, aus denen Rauch quillt.

Kanada

Kanada zwang im Jahr 2000 große Hersteller zu Bildern und Texten mit Warnhinweisen auf den Packungen. Die Fotos von leeren Kinderbetten oder Raucher-Porträts sind sehr eindringlich, vermeiden aber den Ekel-Faktor.

Brasilien

Brasilien setzt dagegen auf besonders drastische Abschreckung - bis hin zu Fotos von blutgetränkten Fehlgeburten in Zigarettenasche.

Dazu gehört laut WHO der Versand von Gratis-Zigaretten per Post, Discount-Preis-Aktionen, das Sponsoring von Veranstaltungen mit Zigarettenmarken oder die Platzierung von Tabakprodukten in TV- und Kinofilmen. Von Land zu Land gibt es erhebliche Unterschiede. Während Schweden auch die meisten solcher indirekten Werbeaktionen verbietet, sind sie in der Schweiz weitgehend legal. In Deutschland sei immer noch die Plakatwerbung für Tabakwaren erlaubt, bemängelt die WHO.

Ohne die Ausweitung staatlicher Maßnahmen - darunter gesetzlich vorgeschriebene Warnungen auf Zigarettenschachteln - wird nach WHO-Schätzungen die Zahl der Menschen, die an Folgen des Tabakkonsums sterben, weiter steigen: Von derzeit jährlich etwa sechs Millionen auf acht Millionen bis 2030.

Das Tabakrauchen sei immer noch Hauptverursacher von vermeidbaren Krankheiten und könne zu Krebs, Herzleiden, Diabetes und chronischen Atemwegserkrankungen führen, warnte die WHO. Ungeachtet dessen würden Tabakkonzerne jedes Jahr Milliarden von Dollar ausgeben, um den Absatz ihrer Produkte zu fördern.

Kommentare (3)

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HofmannM

11.07.2013, 10:16 Uhr

So ein Schwachsinn. Schon wieder ein Verbot gegen die Freiheit und ein selbstbestimmendes Leben! Ich bin kein Raucher und halte dieses weltweite Verbotsdenken für Freiehtisberaubend! Die EU kann anscheinden nur noch mit Verboten und Regeln! Das ist menschenverachtend und asozial!

NurSo

11.07.2013, 12:54 Uhr

Habe keine Zweifel, dass "1984" Wirklichkeit wird.

Account gelöscht!

11.07.2013, 14:47 Uhr

"Weil er jedoch von vielen Staaten nicht umgesetzt werde, ist nach WHO-Angaben das Ziel einer Reduzierung des weltweiten Tabakkonsums um 30 Prozent bis zum Jahr 2025 gefährdet."

Demokratie geht anders! Sieben-, Zehn- und was weiß ich für langfristige Pläne sind Diktatur. Wenn ich für mich entscheide, das ich rauchen will, dann rauche ich. Und wenn ihr mir den Tabak zu teuer macht, dann suche ich nach Möglichkeiten, mir den Tabak preiswerter zu beschaffen.

Und wer glaubt schon, das die Regierungen echt etwas gegen den Tabakkonsum tun wollen, kommen doch so richtig hohe Steuereinnahmen herein. Die WHO, wieder so eine Organisation, die kein Mensch braucht.

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