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20.01.2007

13:03 Uhr

Handelsblatt-Briefing: Klimawandel

Das Bewusstsein ändert sich

VonFerdinand Knauss

Den Klimawandel können auch Ökonomen nicht mehr ignorieren. Das Taktieren der Regierungen beim Kyoto-Protokoll ist ein Beispiel angewandter Spieltheorie.

DÜSSELDORF. Ob man einfach nur vor die Haustüre tritt oder ob man die Zeitung aufschlägt in diesem Winter, der keiner ist - dem Klimawandel kann niemand mehr ausweichen. Aus der begrenzten Öffentlichkeit der Naturwissenschaftler und Umweltaktivisten drängt er mit Macht in das globale Bewusstsein. Spätestens mit dem Report des britischen Ökonomen Nicholas Stern ist er auch unter Wirtschaftslenkern zum beherrschenden Thema geworden. Der kümmerliche Schneematsch im 1 500 Meter hoch gelegenen Wintersportort Davos wird die Teilnehmer des Weltwirtschaftsforums sensibel für das Thema machen.

Dass der britische Premierminister Tony Blair im Klimaschutz sein großes Thema gefunden hat, zeigt seine Teilnahme an der informellen Veranstaltung "Klimawandel: Kosten erkennen und Finanzmittel finden". Gespräche mit Führungskräften könnten, so Blair, "helfen, die Elemente eines künftigen Post-Kyoto-Klimarahmenwerkes zu umreißen, die dann beim deutschen G8-Treffen vereinbart werden könnten."

Der Öffentlichkeitsprofi Blair profiliert - und inszeniert - sich und sein Land mit dem Stern-Report als Klimaschutzvorreiter ohne moralische Antiwirtschaftsattitude. Mit Nicholas Stern bestellte seine Regierung keinen Klimatologen für den Report, sondern einen zwar hochrenommierten, aber mit Umweltfragen zuvor völlig unbefassten Ökonomen.

Auch in Industrie- und vor allem Energieunternehmen zumindest in Europa hat sich offensichtlich die Erkenntnis durchgesetzt, dass mit hartem Anti-Klimaschutz-Lobbyismus nichts zu gewinnen ist. Die globale Erwärmung und ihre menschengemachten Ursachen schlicht zu leugnen, wie dies eine Reihe von Institutionen vor allem in den USA immer noch tun, fügt dem Image der betreffenden Firmen einen immer größeren Schaden zu. Einige große Unternehmen, beispielsweise der Ölkonzern Exxon, finanzieren nach Angaben von Greenpeace weiter Klimawandelskeptiker und deren Organisationen wie die "Scientific Alliance". Doch die Tendenz geht in die entgegengesetzte Richtung: Die Energiekonzerne inszenieren sich selbst als Klimaschützer. So firmiert sich der britische Ölkonzern BP in "beyond petroleum" um, EnBW-Chef Utz Claassen eröffnet eine Klimakonferenz und Vattenfall stellt seine eigene Klimaschutzkampagne vor.

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