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20.01.2007

13:25 Uhr

Handelsblatt-Briefing: Konjunktur

Weltwirtschaft am Scheideweg

VonNorbert Häring

Die meisten Bankvolkswirte haben sich auf ein Schönwetterszenario für 2007 geeinigt. Die Kassandra-Rufe werden leiser, viele erwarten nur geringe Risiken.

FRANKFURT. Das größte Risiko für die Wirtschaftsentwicklung in Europa sind globale Ungleichgewichte, wird unter anderem die Europäische Zentralbank nicht müde zu betonen. Das ist eine höfliche Umschreibung für das Risiko, dass den Vereinigten Staaten ihr riesiges Leistungsbilanzdefizit um die Ohren fliegt. Das Krisenszenario beinhaltet, dass der Rest der Welt nicht mehr bereit ist, fast unbegrenzt die Dollar-Titel ins Portfolio zu nehmen, die Amerika an den Mann bringen muss, um sein externes Defizit von sieben Prozent des Bruttoinlandsprodukts zu finanzieren. Dann müssten steigende Zinsen, eine Rezession und ein Einbruch des Dollar-Kurses die Importe so stark dämpfen, dass das Land keine Auslandskredite mehr in Anspruch nehmen muss. Für Deutschland ebenso wie für die Weltwirtschaft ist dies das Horrorszenario. Denn wenn die größte Volkswirtschaft der Welt in eine Krise schlittert, dann lässt das die übrige Welt nicht unbeeindruckt.

Seit Jahren wird vor dem Crash-Szenario gewarnt, seit Jahren werden die Kassandra-Rufer Lügen gestraft. Wird es nun 2007 so weit sein? In den Prognosen der internationalen Organisationen und der Banken sucht man solche Schreckensszenarien vergeblich. Zwar ist allenthalben von der Abschwächung des globalen Wirtschaftswachstums die Rede. Doch die vorausgesagte "Abschwächung" ist bescheiden. In vielen Prognosen spielt sie sich so ab, dass das globale Wachstum von etwas über fünf auf nur noch knapp fünf Prozent sinkt. Das wäre immer noch ein hervorragender Wert.

"Die Weltkonjunktur kann der leichten Delle in den USA widerstehen", bringt die Leiterin des weltwirtschaftlichen Research von Credit Suisse, Kathleen Stephensen, die vorherrschende Sicht der Analysten auf den Punkt. Der zuvor heiß gelaufene Immobilienmarkt der USA habe sich zwar stark abgekühlt, die übrigen Sektoren der Volkswirtschaft seien davon aber nur wenig in Mitleidenschaft gezogen worden.

Doch wenn es nur die Wirtschaftskrisen gäbe, die von den Prognostikern vorhergesehen wurden, dann hätte es in den vergangenen hundert Jahren nicht viele Krisen gegeben. "Wir sind nicht so richtig überzeugt von der Story der weichen Landung, die so gern prognostiziert wird", gießt Stephen King, Chefvolkswirt von HSBC, Wasser in den Wein der Optimisten.

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