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24.01.2007

12:41 Uhr

Handelsblatt-Briefing: Web 2.0

Du bist Davos!

VonAxel Postinett

Blogs, Podcasts, Online-Interviews - der elitäre Wirtschaftsgipfel in den Schweizer Alpen stellt sich der öffentlichen Diskussion wie noch nie zuvor. Web 2.0 heißt das Schlagwort. Mitmachen ist ausdrücklich erwünscht.

Der Gründer des World Economic Forums, Klaus Schwab, stellt sich einem virtuellen Reporter. Grafik: WEF

Der Gründer des World Economic Forums, Klaus Schwab, stellt sich einem virtuellen Reporter. Grafik: WEF

DÜSSELDORF. Das Tor zur zweiten Welt besteht aus zwei Stühlen, zwei Mikrofonen und einem Plasma-Fernseher. In dieser spartanischen Kulisse wird sich Klaus Schwab, Gründer des World Economic Forum, in Davos den Fragen von Adam Reuters stellen. Adam Reuters heißt in Wirklichkeit Adam Pasick und leitet das Büro der Nachrichtenagentur Reuters in der virtuellen Parallelwelt "Second Life", einer dreidimensionalen Welt, die nur auf gigantischen Festplatten im Internet existiert. Aufgebaut durch und im Besitz ihrer Bewohner, die sich ihre Staatsbürgerschaft mit echten Dollar erkauft haben.

Das sind mittlerweile über zwei Millionen Menschen, jeder mit einer eigenen, selbst gewählten Identität. Nun ist auch Klaus Schwab Teil dieses Universums mit eigener Währung, eigenen Ländern, Inseln, Treffpunkten, Läden und Unternehmen. Sein "Avatar", sein virtueller Stellvertreter, wird auf Zehntausenden Bildschirmen auf der Welt zu sehen sein, wenn er über "The shifting Power Equation" spricht. Über die Verschiebung der Machtverhältnisse. Aber es wird kein Monolog. Jeder der Digitalbürger kann seinen Avatar in das Büro steuern, zuhören oder Fragen an Schwab richten (» http://secondlife.reuters.com) so wie jeder andere Internet-Surfer auch per Blog-Eintrag oder Video-Botschaft. Viele Veranstaltungen werden als Podcasts - Audio-Mitschnitte - ins Internet gestellt.

Das Web 2.0, das Mitmach-Internet, folgt dem exklusiven Zirkel der Bildungseliten, Wirtschaftsführer und Mächtigen der Welt bis in die Abgeschiedenheit eines Schweizer Bergdorfs. Traditionelle vertikale Strukturen des "Jetzt spreche ich, und du hörst zu" von oben nach unten lösen sich auf und werden durch horizontale Kommunikationsnetze abgelöst. Durch Gemeinschaften von Bloggern, sozusagen Tagebuch- und Kommentarschreibern, oder selbst organisierenden Netzen wie die Online-Enzyklopädie Wikipedia, die schon tief in die Gefüge der Macht eingreift. Was in Wikipedia steht, hat Gewicht. Es bringt Politiker zu Fall oder lässt sie aufsteigen.

Die Macht verschiebt sich vom Zentrum zur Peripherie, sagt Eric Schmidt, CEO des Internetriesen Google, Synonym für die Macht im alten und neuen Internet: "Bisher isolierte Minderheiten werden sich finden und sich Gehör verschaffen. Es gibt Hinweise darauf, dass das Internet den Einfluss kleiner Gruppen vergrößert. Das mag negativ sein, auf der anderen Seite erleichtert das Internet den Zugang zu Informationen aus aller Welt. Über dieses Spannungsverhältnis wird noch viel zu schreiben sein", so Schmidt.

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