Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

15.01.2001

19:00 Uhr

Handelsblatt-Eurokonjunkturindikator auf unverändertem Niveau

Konjunktur in der Eurozone stabilisiert sich wieder

Trotz leichter Abschwächung im ersten Quartal ist eine stärkere Konjunktureintrübung in der Eurozone nicht in Sicht. Die Industrie bleibt optimistisch, die Konsumenten haben wieder mehr Vertrauen.

HB DÜSSELDORF. Der Handelsblatt-Eurokonjunkturindikator hat seinen vor vier Monaten eingeschlagenen Abwärtskurs im Januar nicht weiter fortgesetzt. Er blieb mit 3,0 % unverändert gegenüber dem Vormonatswert, der allerdings nachträglich von 3,1 % um 0,1 Prozentpunkte nach unten korrigiert wurde. Die Stabilisierung des Indikators geht vor allem auf das zuletzt wieder besser gewordene Konsumklima zurück. Demgegenüber sind die jüngsten Zahlen der Produktionsstatistik enttäuschend ausgefallen.

>>Tabellen und Grafiken

Die monetären Einzelindikatoren ergeben derzeit kein eindeutiges Bild: Die reale Geldmenge und die Zinsdifferenz sind weiter gesunken, was tendenziell negative Konjunktursignale sind; dagegen dürfte sich das insgesamt weiter ermäßigte Zinsniveau belebend auf die gesamtwirtschaftliche Nachfrage auswirken.

Die jüngste Aufhellung des Konsumentenvertrauens ist weitgehend auf eine wieder positivere Einschätzung der Wirtschaftslage im Euroraum zurückzuführen. Dazu mögen die sinkenden Ölpreise ebenso beigetragen haben wie die weiter abnehmende Arbeitslosigkeit. Die saisonbereinigte Arbeitslosenquote betrug zuletzt 8,8 %, verglichen mit 9,6 % im Vorjahr. Ihre persönliche Lage bewerteten die Verbraucher dagegen zuletzt kaum besser als in den Monaten zuvor. Auch die Erwartung der eigenen finanziellen Situation in den kommenden zwölf Monaten hat sich nur unwesentlich verbessert. Die geringe Neigung der Verbraucher zur Tätigung größerer Anschaffungen dürfte hiermit zusammenhängen.

Konsumfreude ist noch nicht absehbar

Abzuwarten bleibt, inwieweit die steuerlichen Erleichterungen insbesondere in Frankreich und Deutschland zu Jahresbeginn für eine größere Ausgabenfreude sorgen werden. Die jüngsten Umfragen im Einzelhandel, die freilich nur bis Dezember reichen, lassen jedenfalls noch keinen großen Schub erkennen. Vielmehr haben sich die Geschäfte in den beiden letzten Monaten des vergangenen Jahres eher schleppend entwickelt.

Stabil geblieben ist dagegen das Industrievertrauen, das im Dezember ebenso wie im Vormonat mit 5 Punkten weiterhin große Zuversicht zeigt. Sowohl der Produktionstrend als auch die Produktionserwartungen haben sich den Umfragen zufolge wieder auf hohem Niveau stabilisiert. Dies steht in einem gewissen Gegensatz zu den aktuellen Zahlen der Produktionsstatistik von Eurostat, die für den Oktober sogar ein geringfügiges Minus von 0,1 % gegenüber dem Vormonat ausweist. Es mag allerdings sein, dass es sich dabei um einen Ausrutscher ähnlich dem Rückgang im vergangenen Juni handelt, der schon im nächsten Monat wieder wettgemacht wurde. Eingedenk der in der Industriestatistik häufig auftretenden Zufallsschwankungen würde erst eine Abschwächung über mehrere Monate hinweg konjunkturell von Bedeutung sein.

Die monetären Rahmenbedingungen sind Ende 2000 zunehmend restriktiver geworden. Abnehmenden Zuwachsraten der Geldmenge stand eine kräftig steigende Inflationsrate im Euroraum gegenüber, die im November mit 2,9 % ihren vorläufigen Spitzenwert erreichte. Vergleicht man dies mit der Zuwachsrate der Geldmenge M2 von zuletzt nur noch 3,7 % gegenüber dem entsprechenden Vorjahreswert, so wäre demnach nur noch Spielraum für ein reales Wirtschaftswachstum von knapp einem Prozent. Hierbei werden allerdings sowohl Änderungen der Umlaufsgeschwindigkeit des Geldes als auch das sehr starke Geldmengenwachstum in den Monaten zuvor vernachlässigt. Die weiter abgegrenzte Geldmenge M3 hat auch im November noch um 4,9 % über ihrem Vorjahreswert und damit leicht oberhalb des mittelfristigen Zielpfades von 4,5 % gelegen.

Die Zinsstruktur wies im Dezember nur noch einen knappen Vorsprung der langfristigen vor den kurzfristigen Zinsen von 0,1 Prozentpunkten auf. Beide Sätze sind indessen auf dem Rückzug: Während die Durchschnittsrendite zehnjähriger Staatsanleihen im Dezember weiter von 5,34 % auf 5,07 % gesunken ist, hat erstmals auch der Dreimonatszins von 5,09 % auf 4,93 % leicht nachgegeben. Dies deutet auf reichliche Liquidität im Markt hin, die in den kommenden Monaten den Weg in volkswirtschaftlich sinnvolle Realinvestitionen finden muss.

Der Handelsblatt-Eurokonjunkturindikator hatte das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts in Euroland von 3,5 % im dritten Quartal (als gleitende Jahresrate berechnet) punktgenau vorhergesagt. Für das Gesamtjahr 2000 lässt er nochmals eine leichte Steigerung der Wachstumsrate auf 3,6 % erwarten. Diese dürfte sich im ersten Vierteljahr des laufenden Jahres gemäß dem weiteren Indikatorverlauf zwar auf etwa 3,3 % abschwächen; eine stärkere Konjunktureintrübung auf mittlere Sicht ist derzeit aber nicht zu erwarten.



Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×