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04.02.2001

18:50 Uhr

Handelsblatt-Frühindikator gibt im Februar weiter nach

Handelsblatt-Frühindikator: Das Wachstum in Deutschland lässt weiter nach

Der Handelsblatt-Frühindikator ist im Februar zum vierten Mal in Folge gesunken. Mit 2,1 % liegt er jetzt bereits um mehr als einen Prozentpunkt unter seinem im Oktober 2000 erreichten Höchststand von 3,3 %. Auch das Konjunkturbarometer des Handelsblatts für die neuen Länder hat wieder den Rückwärtsgang eingelegt. Es sank im Februar auf 2,9 %.

HB DÜSSELDORF. Nach dem ungewöhnlich dynamischen Wachstum von 3,1 % in Deutschland im vergangenen Jahr signalisiert der Frühindikator nunmehr die Rückkehr zur Normalität der 80er-Jahre (rund 2 %). Gleichwohl gibt es derzeit keine Anzeichen für einen noch stärkeren Konjunkturabschwung in Deutschland. Insbesondere die nach wie vor robuste Nachfrage im verarbeitenden Gewerbe deutet eher auf eine Stabilisierung des Wachstums in den kommenden Monaten hin - allerdings auf deutlich niedrigerem Niveau. Dies mag ein wesentlicher Grund sein, warum der Optimismus vor allem in der Industrie mit Blick auf die Aussichten in den nächsten sechs Monaten deutlich nachgelassen hat. Hinzu kommt, dass die Perspektiven im Baugewerbe weiterhin düster sind. Etwas freundlicher sieht es wegen der Steuerentlastungen für den Einzelhandel aus.

Frühindikator West: >>Tabellen und Grafik

Die für das Gesamtjahr 2000 errechnete, vorläufige Wachstumsrate für Gesamtdeutschland von 3,1 % bestätigt einmal mehr die hohe Prognosequalität des Handelsblatt-Frühindikators, der im vergangenen Herbst ein Wachstum von 3,2 % vorausgesagt hatte. Im ersten Quartal dieses Jahres lässt der Handelsblatt-Frühindikator auf Basis seiner Werte von Oktober bis Dezember 2000 noch eine relativ hohe gleitende Jahresrate von 3,0 % erwarten. Danach dürfte sich die Wachstumsdynamik jedoch sichtbar abschwächen. Die rückläufige Entwicklung des Frühindikators im Januar und Februar 2001 deutet auf eine gleitende Jahresrate des Bruttoinlandsprodukts von unter 2,5 % im zweiten Quartal hin.



Von den verschiedenen Einzelwerten, die in die beiden Handelsblatt-Indikatoren eingehen, entwickelten sich zuletzt nur die Auftragseingänge des verarbeitenden Gewerbes positiv. Dabei war im November - die Daten für Dezember kommen diese Woche - der saisonbereinigte Anstieg der Auftragseingänge im Osten mit 1,1 % geringfügig stärker als im Westen (0,8 %). Wichtiger ist, dass der starke Einbruch im September inzwischen wieder ausgebügelt werden konnte. Dazu hat vor allem die Inlandsnachfrage mit einem gesamtdeutschen Zuwachs von zuletzt 1,4 % beigetragen. Dagegen sind die Auslandsaufträge nur in Ostdeutschland noch gestiegen.



Nach den Zahlen für Oktober und November könnte das Schlussquartal 2000 bei den Auftragseingängen gegenüber dem schwächeren Vorquartal wieder ein leichtes Plus gebracht haben. Deutlich zugelegt haben bisher allerdings nur die Bestellungen von Investitionsgütern. Konjunkturell bedeutsam ist, dass sie dabei nicht nur von verstärkten Auslandsaufträgen profitierten, sondern auch von einer zunehmenden Inlandsnachfrage.



Konjunkturbarometer Ost:

>>Tabellen und Grafik

Das Ifo-Geschäftsklima für das verarbeitende Gewerbe, das ebenfalls in die Handelsblatt-Frühindikatoren eingeht, hat sich nach zwischenzeitlicher Besserung zuletzt wieder verschlechtert. Es bleibt aber im Westen mit 8,3 und im Osten mit 12,6 Saldopunkten deutlich im positiven Bereich. Das Klima in der Industrie ist damit weiterhin wesentlich besser als in der Bauwirtschaft und im Handel.

Betrachtet man das Industrie-Klima im vierten Quartal 2000 insgesamt, wird eine Stabilisierung nach vorher rückläufiger Entwicklung im Westen erkennbar. Auch dies ist ein Indiz dafür, dass zwar eine Verlangsamung des Wirtschaftswachstums zu erwarten ist, nicht aber ein drastischer Konjunktureinbruch.



Gleichwohl ist ein Warnsignal, dass die Komponenten des Klimas auseinander driften. Während die aktuelle Lage von der Industrie in West und Ost weiterhin als zufrieden stellend bis gut beurteilt wird, wächst die Skepsis hinsichtlich des nächsten Halbjahrs. Sollte dies Investoren veranlassen, Projekte zurückzustellen, würden mittelfristig Nachfrage und Produktion zusätzlich in Mitleidenschaft gezogen.



Die Umsätze des gesamtdeutschen Einzelhandels haben im November auf niedrigem Niveau stagniert. Daran war maßgeblich die weiter rückläufige Nachfrage nach Kraftfahrzeugen schuld (-1,7 %) . Ohne Autos und Tankstellen gerechnet konnte ein leichtes Plus von 0,6 % verbucht werden, vor allem dank zuletzt recht lebhafter Nachfrage nach Nahrungsmitteln (+2 %). Abzuwarten bleiben die Auswirkungen der BSE-Krise. Das Baugewerbe konnte auch im November kaum Land gewinnen. Saisonbereinigt verharrte die Nachfrage im Westen auf niedrigem Niveau. Im Osten gab es zwar ein Plus von fast 6 %, jedoch war das Ausgangsniveau extrem niedrig. Das Ifo-Geschäftsklima im Bau bleibt denn auch sehr frostig.



Neue Hoffnung für den Bau könnte die jüngste Zinsentwicklung geben. Im Dezember setzte sich der Rückgang am langen Ende beschleunigt fort. Schon im November war die durchschnittliche Umlaufrendite festverzinslicher Wertpapiere mit 5,4 % ungewöhnlich niedrig für die Spätphase eines Aufschwungs. Im Dezember sank diese Umlaufrendite nochmals deutlich auf 5,1 %. Bei einer Inflationsrate von zuletzt 2,4% im Januar bedeutet das eine sehr niedrige Realverzinsung. Auch die Geldmarktzinsen gaben im Dezember weiter nach; der Dreimonatszins Euribor sank von 5,09% auf 4,94 %. Die in den Handelsblatt- Frühindikator eingehende Zinsdifferenz hat sich damit nochmals auf 0,2 Punkte im Dezember verringert.

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