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04.04.2003

17:16 Uhr

Handelsblatt-Reporter berichten

Kritische Töne unerwünscht

VonPierre Heumann (Tel Aviv)

Mitten im Irak-Krieg haben die israelischen Kabelfernsehanstalten den britischen Nachrichtensender BBC-World aus dem Angebot gekippt. Angeblich wegen „mangelnder Nachfrage“, wie der Sprecher der Kabelgesellschaft sagte.

Nein, das war kein Aprilscherz. Zum Monatsanfang, mitten im Irak-Krieg, haben die israelischen Kabelfernsehanstalten den britischen Nachrichtensender BBC-World tatsächlich aus dem Angebot gekippt. Angeblich wegen "mangelnder Nachfrage", wie der Sprecher der Kabelgesellschaft verkündete. Als "die Spitze der Chuzpe" bezeichnet die Tageszeitung "Haaretz" empört die Verarmung des israelischen Fernsehangebots. Andere nehmen es gelassen: Sie sind sogar froh, dass sie beim Zappen nicht mehr auf einen Sender stoßen können, der ihr Land in einem ungünstigen Licht zeigt. Denn viele Politiker in Israel werfen der BBC eine angeblich einseitige, israelkritische Berichterstattung über den Konflikt mit den Palästinensern vor. Wer sich jetzt rund um die Uhr über das Geschehen vor den Toren Bagdads informieren will, hat nur die Wahl zwischen Fox, CNN und Sky. Es sei denn, er versteht Arabisch: Dann kann er sich über El Dschasira ins Bild setzen lassen.

Zu Beginn der dritten Kriegswoche kehren die israelischen Medien zur Normalität zurück und kümmern sich wieder vermehrt um die näher liegenden Sorgen des Landes: Der Streik legt die Müllabfuhr lahm; die ersten SARS-Patienten werden behandelt; die Nationalmannschaft hat gegen Frankreich 2:1 verloren - und dann ist da natürlich nach wie vor die tägliche Angst vor dem Terror vor der Haustür, den die meisten Israelis als eine größere Bedrohung wahrnehmen als Raketen aus dem Osten, dem Irak.

Inzwischen sind die meisten Auslandsjournalisten aus Tel Aviv wieder abgereist. Sie glauben nicht mehr an einen Angriff durch irakische Scud-Raketen. Einige Korrespondenten haben ihre Filmausrüstung auf dem Dach des Hilton-Hotels allerdings zurückgelassen. Sollte es in Tel Aviv doch noch brenzlig werden, wären die internationalen TV-Crews im Nu mit frischen Bildern auf Sendung.

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