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21.01.2002

20:02 Uhr

Handelsblatt-Serie: Aktie unter der Lupe - Bessere Lizenzumsätze im vierten Quartal als erwartet

SAP bleibt trotz guter Zahlen vorsichtig

VonMyria Mildenberger

Als die SAP AG vor fast zwei Wochen die vorläufigen Zahlen für das vierte Quartal vorstellte, erlebten Analysten und Investoren eine Überraschung. Der Grund: Aus dem SAP-Hauptsitz in Walldorf bei Heidelberg kam keine Hiobsbotschaft, sondern das Softwareunternehmen konnte mit erstaunlich guten Zahlen im vierten Quartal 2001 glänzen.

Quelle: Handelsblatt

DÜSSELDORF. Die Börse reagierte sofort, die SAP-Aktie stieg um fast 13 Prozent. "Mit diesen positiven Nachrichten hatte keiner gerechnet", sagt Jörg Natrop, Analyst bei der WGZ-Bank in Düsseldorf. "Wahrscheinlich werden einige Großaufträge zu diesem positiven Ergebnis beigetragen haben."

Interessant wird vor allem der Ausblick

Am Mittwoch legt das Unternehmen, das Software für Firmen anbietet, nun die endgültigen Quartalszahlen und somit das Jahresergebnis vor. "Interessant wird vor allem der Ausblick werden, den SAP für die kommenden Quartale gibt", sagt Friederike Herkommer, Analystin bei der Hypo-Vereinsbank. Denn bei der Veröffentlichung des vorläufigen Ergebnisses hat SAP zwar von einem weiterhin "schwierigen Marktumfeld" gesprochen und gemutmaßt, dass "Kunden weiterhin vorsichtig in Unternehmens-Software investieren werden." Mit Gewinn- und Umsatzprognosen hatte sich SAP allerdings zurück gehalten. "Die wichtigste Frage ist, wie SAP das Umsatzwachstum einschätzen wird und ob es im niedrigen oder im höheren einstelligen Bereich liegen wird", sagt Analystin Herkommer. Mit Spannung werden auch die Zahlen aus dem US-Geschäft erwartet, das im dritten Quartal stark eingebrochen war.

Herkommer geht davon aus, dass SAP sich auch am Mittwoch eher verhalten äußern wird, da das laufende Jahr einige Probleme mit sich bringen könnte. "Wird sich die Konjunktur in Deutschland und Europa nicht erholen, wird es für SAP schwierig, denn das sind die wichtigsten Märkte für das Unternehmen", sagt Herkommer. Zudem werde SAP nur etwas zu den Aussichten für das erste Halbjahr sagen, um sich nicht zu sehr festlegen zu müssen.

Ein Vorteil, den SAP vor allem gegenüber kleineren Konkurrenten in schwierigen Zeiten ausspielen kann, ist die Größe des Unternehmens. Weltweit arbeiten rund 27 000 Menschen für SAP. "Als Kunde muss man sich bei dieser Größe keine Sorge machen, dass es die Firma irgendwann nicht mehr geben wird", sagt Analyst Bahlmann.

Zukunftsträchtig sind nach Meinung von Analysten vor allem die Geschäftsfelder Customer Relationship Management (CRM), Software zum Kundenmanagement, und Supply Chain Management (SCM), Logistiksoftware. Herkommer schätzt das Potenzial in diesen Wachstumsmärkten hoch ein.

Bisherige Zahlen geben Anlass zur Hoffnung

Die vorab veröffentlichten Zahlen geben ebenfalls Anlass zur Hoffnung. Danach betrugen die Umsätze im Hauptgeschäft Softwarelizenzen mehr als 1 Mrd. Euro. Beobachter hatten niedrigere Zahlen erwartet, Analyst Natrop beispielsweise hatte mit einem Umsatz von 800 Mill. Euro gerechnet. Für das gesamte Jahr 2001 rechnet SAP mit einem Umsatzplus von 16 Prozent. Schon ist von einer Trendwende in der arg gebeutelten IT-Branche die Rede.

Michael Bahlmann, Analyst beim Bankhaus M.M. Warburg, dämpft die Euphorie allerdings etwas: "Man muss bedenken, dass SAP den Ausblick für das vierte Quartal nach dem schwachen dritten Quartal gesenkt hatte." Das jetzige Umsatzwachstum liege zwar über dem revidierten Ausblick von 15 Prozent, aber immer noch unter der ursprünglichen Schätzung von 20 Prozent. Außerdem habe SAP im vierten Quartal wahrscheinlich davon profitiert, dass Aufträge aus dem dritten Quartal wegen der Terroranschläge in den USA ins vierte Quartal verschoben worden waren.

Vorsichtig stimmt viele Analysten das nach wie vor hohe Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) der SAP-Aktie. Mit einem KGV von knapp 70 ist das Papier relativ hoch bewertet. Natrop empfiehlt, es zu "reduzieren", Bahlmann und Friederike Herkommer raten, es zu "halten".

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