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24.02.2002

19:00 Uhr

Handelsblatt-Serie: Aktie unter der Lupe

Worldcom-Aktie leidet unter Bilanztricks

VonANNETTE KLOSE

Die Nachricht wirkte wie Gift auf die Kurse des Telekom-Anbieters Worldcom: Drei leitende Angestellte und mindestens ein Dutzend Mitarbeiter stehen im Verdacht, unrechtmäßig Bonuszahlungen eingesteckt zu haben.

NEW YORK. Das Unternehmen wirft ihnen vor, Verkäufe in ihre Bilanzen eingetragen zu haben, die in anderen Geschäftsbereichen abgeschlossen worden waren. Damit seien die Verkäufe doppelt verbucht worden, und die Mitarbeiter hätten Provisionen kassiert, die sie nicht selbst verdient haben - nach dem bisherigen Stand der Ermittlungen bis zu 4 Mill. $.

Seit dem Enron-Skandals reagiert der Markt auf solche Meldungen äußerst empfindlich. Der Worldcom-Aktienkurs, der noch im Januar bei fast 15 $ lag, fiel Anfang Februar auf den Zwölfmonatstiefstand von knapp 6 $.

In der Gunst der Analysten rangiert das Papier zurzeit dennoch weit oben. Nach der Vorlage der Geschäftsbilanzen wiederholten kürzlich einige Bankhäuser ihre positiven Bewertungen oder stuften die Aktie hoch, darunter JP Morgan. Dabei waren die Zahlen hinter den Erwartungen der Analysten zurückgeblieben. Vor allem im Hauptgeschäftsbereich Datenübertragung verzeichnete Worldcom einen deutlichen Gewinnrückgang und reduzierte die Umsatzprognose für das laufende Jahr. Das Branchenumfeld macht es dem nach AT&T zweitgrößten US-Anbieter von Ferngesprächen nicht leicht. In der angespannten Wirtschaftslage sinkt die Nachfrage und damit auch der Preis für Ferngespräche, was in den kommenden zwölf Monaten für ein schwieriges Umfeld sorgen wird, sagen Analysten von Merrill Lynch.

Daher sehen nicht alle Experten die Zukunft für Worldcom, die im Lauf der vergangenen Jahre 60 Unternehmen aufgekauft hatten, so rosig. In der vergangenen Woche hatten einige Banken die Aussichten für das Unternehmen aus Mississippi negativer eingeschätzt, darunter Credit Lyonnais, die das Papier von "Kaufen" auf "Hinzufügen" herabstuften.

Doch generell kann Worldcom mit seinen Noten zufrieden sein. Die Wirtschaftsnachrichtenagentur Bloomberg listet derzeit 28 Anlageurteile auf, von denen 20 den Kauf der Aktie empfehlen. "Wir sehen Worldcom weiter als starken Kauf, auch nach den Entlassungen der drei Angestellten", erklärt Cary Robinson vom Bankhaus US Piper "Das Unternehmen hat Zehntausende Mitarbeiter - dass davon nun drei gehen müssen, ändert unsere Einschätzung nicht." Merrill Lynch-Analyst Adam Quinton lobt die Firma zudem für ihre "detaillierte und präzise Aufklärung in den Punkten, die in den vergangenen Wochen zu Kursverlusten geführt haben".

Gelegen kam am vergangenen Donnerstag Worldcom auch eine Zahlung von Rupert Murdochs News Corp. über 930 Mill. $. Damit wurde ein langer Streit zwischen den beiden Unternehmen nach dem Scheitern eines gemeinsamen Netzwerkes für Satellitenfernsehen beigelegt. Die Börse reagierte sofort, der Kurs von Wolrdcom stieg zwischenzeitlich um fünf Prozent auf knapp unter 7 $.

Aufatmen können die Worldcom-Anleger allerdings noch nicht ganz. Denn Worldcom-Vorstandschef Bernard Ebbers steht bei seinem Unternehmen mit mehreren hundert Mill. $ in der Kreide. Ebbers erklärte jedoch, er könne alle Verbindlichkeiten bedienen, ohne einen Teil oder alle seiner 27 Mill. Worldcom-Aktien verkaufen zu müssen. Seit dieser Woche steht eines seiner Häuser in Colorado zum Verkauf, dessen Wert auf mehr als eine Mill. $ geschätzt wird.

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