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30.07.2000

18:58 Uhr

Handelsblatt-Umfrage: High-Tech-Werte favorisiert – Börsenkurse steigen spätestens im Herbst

Gute Aussichten für Euro-Aktien

VonUlf Sommer , NICOLE WALTER

Analysten sehen nach dem Kurseinbruch im Frühjahr wieder Aufwärtspotenzial für Technologie-Aktien in Europa. Auch Finanz- und Öltitel stehen auf ihrer Liste ganz oben.

DÜSSELDORF/FRANKFURT. Analysten von Banken und Investmentfonds sagen trotz anhaltender Nervosität an den Börsen einen Aufwärtstrend für europäische Aktien voraus. In einer Umfrage des Handelsblatts prognostizieren sie für den marktbestimmenden Index in Euro-Land, den Dow Jones Euro Stoxx 50, fast durchweg einen deutlichen Anstieg bis Jahresende. Auf Zwölf-Monats-Sicht ist der Optimismus noch größer: Die Aktienkurse dürften den Schätzungen zufolge um bis zu 30 % klettern. Nur Goldman Sachs und Merrill Lynch glauben an eine Seitwärtsbewegung.

Ungeachtet der jüngsten Turbulenzen an den Wachstumsbörsen halten die meisten Experten die Korrektur bei Technologiewerten für weitgehend beendet. Heute könnte in Europa aber noch der Kursrutsch an der US-Wachstumsbörse Nasdaq vom Freitag nachwirken. Dort hatten neue Gewinnwarnungen und starke US-Wachstumszahlen die Technologiewerte gedrückt.

Die Analysten erwarten, dass die Aktienkurse nur noch bis spätestens Anfang Herbst um ihr aktuelles Niveau schwanken. Danach werde es aufwärts gehen. "Seit einigen Wochen stellen wir fest, dass wieder mehr Geld in Aktienfonds des High-Tech-Bereichs fließt", sagt Robert Halver, Chefstratege bei Delbrück & Co. Favorisiert wird die zuletzt abgestrafte Telekom-Sparte.

Außerdem setzen die Experten auf Finanzaktien. "Banken und Versicherungen profitieren von der neuen Steuergesetzgebung im europäischen Kernland Deutschland. Die Märkte haben die großen Chancen zur Umstrukturierung der Firmen noch nicht eingearbeitet", sagt Kai Franke, Leiter des BHF-Aktienresearch. Die Möglichkeit, ab 2002 Beteiligungen steuerfrei zu veräußern, bringe den Instituten Erträge in zweistelliger Milliardenhöhe, schätzen Experten. Dass auch Paris und Rom über Steuerreformen nachdenken, bringe zusätzliche Kursphantasie.

Hoch im Kurs stehen ferner Mineralölkonzerne. Zwar würden die Ölpreise vorerst nicht steigen. Aber die Aktienkurse der Ölriesen spiegelten das erreichte Niveau nicht wider, hieß es. Ihre Gewinne dürften stärker als erwartet wachsen.

Hinter der optimistischen Einschätzung steht die Erwartung, dass in Europa und wohl auch in den USA das Zinshoch erreicht ist. Inflationsdruck bestehe nicht. Während die Konjunktur in Euro-Land gut laufe, bleibe eine "weiche Landung" der US-Konjunktur trotz des jüngsten Wachstumsausreißers wahrscheinlich. Damit bestehe für europäische Aktien auch kaum Gefahr, dass eine abrupt einsetzende US-Rezession sie mit nach unten reiße.

Schwierig dürfte es in den nächsten zwölf Monaten für konjunktursensible Unternehmen werden. Nach Ansicht der Bankökonomen erreicht das Wirtschaftswachstum in Europa spätestens Anfang 2001 seine Spitze. "Konjunkturabhängige Aktien nehmen die Entwicklung vorweg und werden deshalb in der zweiten Jahreshälfte nach unten drehen", sagt Volker Borghoff von der DG Bank. Schwere Zeiten dürften vor allem auf Automobiltitel zukommen.

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