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16.01.2001

11:34 Uhr

Handelsexperte Beisheim

Metro-Gründer baut auch im Internet ein Firmenimperium

Egal ob Computerkauf, Gebrauchtwagen oder Immobiliensuche: Metro-Gründer Otto Beisheim steht auch beim wachsenden elektronischen Handel in der ersten Reihe.

dpa DÜSSELDORF/BAAR. Der deutsche Selfmade-Milliardär hat unter dem Dach der Beisheim Holding Schweiz AG (BHS) ein Internet- und Technik-Imperium aufgebaut, zu dem mehr als 100 Firmen der "new economy" mit 5 000 Mitarbeitern gehören. In den Aufbau dieser Gruppe wurden seit 1998 rund eine halbe Milliarde DM investiert. Die größte Einzelaktivität ist der Internet-Marktplatz FinanzScout24, der an diesem Mittwoch in Frankfurt/Main seine Fusion mit einem Online-Baufinanzierer bekannt geben will. Damit entsteht den Angaben zufolge das größte anbieterunabhängige Finanzportal Europas.

Beisheim, der Anfang Januar seinen 77. Geburtstag beging, startete damit im hohen Rentenalter seine zweite Unternehmerkarriere. Der Gutsverwaltersohn legte 1964 den ersten Grundstein. In Mülheim an der Ruhr eröffnete er nach US-Vorbild einen Großmarkt für Gewerbetreibende, die die Waren sofort bezahlen und selbst abholen (Cash&Carry). Mit Unterstützung der finanzkräftigen Familien Haniel und Schmidt-Ruthenbeck baute er einen der größten Handelskonzerne der Welt auf. Die Düsseldorfer Metro AG, die im Großhandel (Metro, makro) und im Einzelhandel (real, extra, Media-Markt, Saturn, Praktiker und Kaufhof) aktiv ist, erzielte vergangenes Jahr knapp 92 Milliarden DM Umsatz. Nur Wal-Mart (USA) und Carrefour (Frankreich) sind größer.

Firmensitz in Baar

Wie schon bei der Metro stützt sich Beisheim auch bei den neuen Internet-Aktivitäten auf seinen alten Vertrauten Erwin Conradi. Der 65-jährige Frankfurter, den Beisheim vor 30 Jahren zur Metro holte, gilt als "rechte Hand" des erfolgreichen Unternehmers. Nach einem schwelenden Machtkampf mit dem Metro-Vorstand musste Conradi im Juli 2000 seinen Posten als Düsseldorfer Aufsichtsratschef räumen. Doch ein Rückzug ins Privatleben, zu Pferdezucht und Gitarre spielen, kam für ihn nicht in Frage. Conradi schwingt sich erneut in den Sattel: Er übernimmt den Aufsichtsratsvorsitz der größeren FinanzScout24. Damit fährt das Tandem Beisheim/Conradi nun auf elektronischen Wegen weiter. Conradi ist zudem auch Präsident des BHS-Verwaltungsrates.



Firmensitz der Scout24 AG ist Baar, Eingangstor zur Zentralschweiz aus nordöstlicher Richtung. In der idyllischen Gemeinde, die günstige Steuerverhältnisse zu ihren Standortvorteilen zählt, sitzen auch die BHS und die Metro Holding. "Wir wollen unter dem Dach Scout24.com das jeweils größte und beste Angebot für die wichtigsten Lebensbereiche bieten", heißt es in einer Mitteilung. Im Idealfall finde der Nutzer über die Online-Marktplätze nicht nur einen neuen Job, sondern auch eine nahe gelegene Wohnung, eine neue Freundin, ein Cabrio sowie eine günstige Versicherung. Die Scout24-Gruppe soll in diesem Jahr über ihre Marktplätze Umsätze von mehr als zehn Milliarden DM vermitteln. Die Gewinnschwelle soll bereits 2002 erreicht werden.

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