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05.05.2003

06:19 Uhr

Handelskonzern-Aktie schlägt sich besser als der Dax

Strategie der Metro überzeugt die Börse

VonChristoph Schlautmann

Bloß keinen Schnickschnack! So oder ähnlich könnte die Antwort von Metro-Chef Hans-Joachim Körber lauten, müsste er die Firmenphilosophie von Deutschlands größtem Einzelhandelskonzern in einem Satz beschreiben. Alles, was nicht zum klar definierten Kerngeschäft gehört, hat der Düsseldorfer Konzern inzwischen abgestoßen oder - wie einige renditeschwache Fachmarktketten und das Immobiliengeschäft - in Gesellschaften ausgegliedert, an denen man nur noch eine Minderheitsbeteiligung hält.

DÜSSELDORF. Auch mit den renditezehrenden Filialisten Praktiker und Extra will Körber kurzen Prozess machen: Während er die Baumarktkette verkaufen will, hat er den unrentablen Verbrauchermärkten eine einschneidende Schrumpfkur verordnet.

Anders als Erzrivale Karstadt Quelle, - der durch Beteiligungen an Café-Ketten, Fernsehsendern, Internet-Kaufhäusern oder im Versicherungsvertrieb enorme Management-Kapazitäten bindet, konzentriert sich die Metro AG aufs Wesentliche: die Effizienzsteigerung ihrer insgesamt sechs Vertriebsschienen. Dass ihr dies gelungen ist, zeigte das vergangene Woche vorgelegte Quartalsergebnis. Mitten in der Konsumflaute legte nicht nur der Konzern weitaus stärker zu als von den Analysten erwartet, auch sämtliche Vertriebsschienen verbesserten ihr Ergebnis. Der Handelskonzern wächst mit 3,3 % sogar schneller als im Ausland, wo der Umsatz real um 1,9 % zulegte.

Die Börse hat Körbers Politik in den vergangenen zwölf Monaten belohnt - wenn auch nur relativ: Während der Dax um 42 % nachgab, verloren die Metro-Aktien lediglich 30 %. Karstadt-Quelle büßte in diesem Zeitraum 55 % ein.

Mit den Vertriebsschienen Metro Cash & Carry, Saturn/Media-Markt und Real besitzt der weltweit fünftgrößte Handelskonzern zudem die jeweilige Marktführerschaft in Deutschland, mit Praktiker und Kaufhof ist man zumindest - nach Obi und Karstadt - die Nummer zwei. Für den Konzern bringt dies Einkaufsvorteile, die sich im Rohertrag niederschlagen.

Zusätzlich profitiert die Metro AG derzeit beim Einkauf von den fallenden Wechselkursen in den Hauptbeschaffungsländern. Allein in China, wo der Konzern vor allem Textilien, Haushaltswaren und Elektronik für insgesamt 1 Mrd. Euro ordert, verbilligte sich der Einkauf nach Berechnungen von Commerzbank Securities um 23,3 %. Auch Lieferungen aus Polen wurden um 13,6 % günstiger, für Waren aus der Türkei muss Metro inzwischen wechselkursbedingt 47,4 % weniger zahlen. Bislang, heißt es in Analystenkreisen, sind diese geringeren Beschaffungskosten noch nicht an die Verbraucher weitergegeben worden.

Obwohl die Düsseldorfer nach dem Rückzug der Vertriebsschiene "Tip" keinen wirklichen Discounter mehr besitzen, nehmen Kunden einige der Metro-Töchter dennoch als Discounter wahr. Die Elektronikfachmärkte von Media-Markt und Saturn ("Geiz ist geil") gelten als unangefochtene Preisführer. Auch Praktiker, Real und die Cash & Carry-Märkte orientieren sich an der Preisführerschaft und profitieren von der aktuellen Sparwelle. "Mit konzernweit über 100 Food- und 30 Nonfood-Eigenmarken sehen wir Metro sehr gut positioniert", urteilt Hypo-Vereinsbank - Analyst Volker Bosse.

Da die Metro AG rund die Hälfte ihres Umsatzes im Ausland erzielt, ist der Konzern ohnehin weitaus weniger an die schwache Einzelhandelskonjunktur in Deutschland gebunden als beispielsweise Karstadt Quelle, - deren Erlöse zu 90 % aus dem Inland stammen. Kleiner Wermutstropfen: Durch die derzeit ungünstigen Umrechnungskurse vieler Währungen zum Euro reduzierte sich der Umsatzzuwachs im vergangenen Quartal von nominal 5 % auf real 2,7 %.

Schon vor Bekanntgabe der überraschend positiven Quartalszahlen hatten zahlreiche Analysten ihren Ausblick für Metro nach oben korrigiert. HSBC erhöhte das Kursziel auf 25 Euro, JP Morgan auf 26 Euro, Commerzbank auf 27 Euro und Hypo-Vereinsbank sogar auf 30 Euro. Die Anleger reagierten schnell. Die Aktie kletterte seit Mittwoch bis zum Wochenende um gut 10 % von unter 23 auf über 25 Euro.

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