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10.01.2003

08:26 Uhr

Handelsüberschuss überraschend gestiegen

Exporte bleiben einziger Motor für die Wirtschaft

Die Exporte bleiben vorerst der einzige Wachstumsmotor für die lahmende deutsche Konjunktur. Ein überraschend deutlicher Anstieg der Ausfuhren im November ist Analysten zufolge die einzige Hoffnung, dass die deutsche Wirtschaft Ende letzten Jahres überhaupt gewachsen ist.

Reuters BERLIN. Die Ausfuhren stiegen gegenüber dem Vorjahr trotz des starken Euro um sieben Prozent auf 58,7 Mrd. ?, teilte das statistische Bundesamt am Freitag in Wiesbaden mit. Die Importe dagegen schrumpften wegen der schwachen Binnenwirtschaft um 1,8 % auf 46,7 Mrd. ?. "Unsere Wirtschaft humpelt auf dem einen Bein der Exporte in die Zukunft, während die Binnenwirtschaft danieder liegt", sagte Bernd Weidensteiner von der DZ Bank.

Der Handelsbilanzüberschuss kletterte im November auf 12,0 von 11,1 Mrd. ? im Oktober. Von Reuters befragte Volkswirte hatten im Schnitt mit einem Rückgang auf 10,1 Mrd. ? gerechnet.

Starker Euro gab Exporten keinen Dämpfer

Der im Jahresvergleich stark gestiegene Euro stellte für die deutschen Exportfirmen offenbar im November noch kein Problem dar. "Die Geschäftslage im Exportgeschäft ist trotz des starken Euro gut", sagte Weidensteiner. Während die Gemeinschaftswährung im November 2002 um die Dollar-Marke pendelte, hatte sie ein Jahr zuvor noch rund 0,90 Dollar gekostet. Der jüngste Höhenflug des Euro mit Kursen deutlich über 1,01 Dollar begann erst im Dezember letzten Jahres. Allerdings geht ein Großteil der deutschen Exporte in andere Länder der Euro-Zone, wo der Kurs des Euro keine Rolle spielt.

"Das einzig Positive an der deutschen Wirtschaftslage ist der Exportmotor - der einzige Hoffnungsschimmer für ein leichtes Wachstum im vierten Quartal", kommentierte Ulla Kochwasser von der Mizuho Corporate Bank in Frankfurt. Auch Weidensteiner prognostizierte für das letzte Vierteljahr "höchstens ein Nullwachstum". Darauf deute auch die Schätzung von Bundesbankpräsident Ernst Welteke hin, der im Gesamtjahr 2002 ein Wachstum von etwa 0,3 bis 0,4 % erwartet.

Importe gehen wegen schwacher Binnennachfrage zurück

In den schrumpfenden Einfuhren sehen Analysten einen weiteren Beleg für die schwache Binnennachfrage in Deutschland. "Die schwache Nachfrage ist ja schon seit längeren am schwachen Einzelhandel ablesbar", sagte Weidensteiner. "Wir haben derzeit eine Wirtschaft der zwei Geschwindigkeiten - daran wird sich wohl auch erst mal nichts ändern." Da der insgesamt wichtigere Privatkonsum so schwach und die Stimmung unter den Verbrauchern so schlecht sei, müsse man den Aufschwung wohl weiter in die Zukunft schieben, sagte Weidensteiner.

Der Überschuss in der Leistungsbilanz stieg auf 8,5 Mrd. ? im November nach 4,9 Mrd. ? im Oktober. Volkswirte hatten hier ebenfalls einen Rückgang auf 4,8 Mrd. ? erwartet.

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