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24.01.2003

10:48 Uhr

Handys tauschen Bilder aus

Hersteller von Mobiltelefonen setzen auf Multimedia

VonHANS SCHÜRMANN

Telefonieren ist beim Handy noch nicht zur Nebensache geworden. Doch zunehmend freunden sich Kunden auch mit Datendiensten an. Das Verschicken von Fotos gilt als schick. Das funktioniert aber nur mit einem neuen Handy.

DÜSSELDORF. Die Handyhersteller schöpfen wieder etwas Zuversicht. Erste Erfolge im Weihnachtsgeschäft zeigen, dass die Kunden sich mit neuen Multimediafunktionen im Mobiltelefon zu einem neuen Gerät locken lassen. Denn wer künftig Fotos und Videos über den neuen Multimedia Messaging Service (kurz MMS) im Mobilfunknetz verschicken will, benötigt dazu ein neues Handy. Erste Exemplare sind seit Mitte 2002 auf dem Markt - größere Mengen allerdings erst seit dem Weihnachtsgeschäft. Die Hersteller werden nun schnell weitere Modelle nachlegen, denn eins ist klar: Nur wenn möglichst viele Kunden ihr altes Handy gegen ein MMS-fähiges Gerät tauschen, kommt der neue Multimediadienst richtig in Schwung.

"Für uns hat die Entwicklung von multimediafähigen Handys oberste Priorität", sagt Jerry Chard, Direktor für UMTS-Technik bei Motorola. Das US-Unternehmen arbeite zwar gleichzeitig an Geräten für UMTS, "doch bis sich die neue Mobilfunkgeneration zu einem Massenmarkt entwickelt, wird es noch fünf bis zehn Jahre dauern", so die Einschätzung des Motorola-Experten.

Motorola setzt künftig - wie die anderen großen Handyanbieter auch - auf Multifunktionalität und Design. Neben der Übertragung von Bildern und Klingeltönen eignen sich einzelne Modelle auch zum Empfang von Radioprogrammen oder Abspielen von Musikdateien. "Ohne hochauflösendes Farbdisplay und integrierte Kamera läuft bei den neuen Handys nichts", bringt Anja Klein, Siemens-Sprecherin für den Bereich Mobilfunk, die Anforderungen an die Handyhersteller auf den Punkt.

Auch der Münchener Anbieter setzt künftig auf eine breitere Modellpalette und versucht so, möglichst viele Kunden zu erreichen. Neben Multimedia komme es zunehmend auf das Design an, sagt Klein. "Erstmals haben wir nun auch ein edles Klappenhandy im Programm - ohne technischen Schnickschnack - das auf die wesentlichen Funktionen reduziert ist."

Eine ähnliche Strategie verfolgt Marktführer Nokia. Das Erfolgsrezept der Finnen besteht darin, mit ansprechendem Design und einfacher Bedienung einen möglichst breiten Kundenkreis anzusprechen. Neben neuen Handys mit Multimediafunktionen wird das Unternehmen in diesem Jahr ein Designtelefon mit einer Hülle aus Titan auf den Markt bringen.

Inzwischen arbeiten alle neuen Handys mit Java-Software, mit der kleine Programme schnell aus dem Internet geladen und auf dem Mobiltelefon dargestellt werden können. Der neue MMS-Standard sollte zwar dafür sorgen, dass Fotos, Klingeltöne und Spiele tatsächlich auch auf allen Handys - unabhängig vom Hersteller - wiedergegeben werden können. Doch erste Erfahrungen zeigen, dass die Standardisierung der Technik bislang nicht ausreicht. "Klingeltöne und Bilder werden auf den Geräten verschiedener Hersteller nicht richtig wiedergegeben", fasst Alexander Samwer, Vorstand des Anbieters von Multimediadiensten für den Mobilfunk Jamba, die Klagen seiner Kunden zusammen.

Die Hersteller sind daher damit beschäftigt, neben der Entwicklung neuer Geräte die Kinderkrankheiten der MMS-Technik zu beseitigen. Nokia hat eine Softwareplattform entwickelt, die von Programmierern zum Entwerfen neuer Handy Spiele genutzt wird und nun auch von Siemens und Motorola in Lizenz genutzt wird. Dadurch könnte der Austausch der Anwendungen zwischen den Handys verbessert werden, erläutert Samwer.

"Es bleibt die Hoffnung, dass die kleinen Handyhersteller hier möglichst schnell nachziehen", so der Jamba - Chef. "Denn nur wenn die Spiele und Programme auf allen Geräten laufen, kann sich MMS zum Massenmarkt entwickeln." Den Besitzern der MMS- Handys der ersten Generation bleibt jedoch nur eins: ein Neues kaufen.

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