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16.01.2007

14:01 Uhr

Hannelore Kraft

„Sie spricht unsere Sprache“

VonKlemens Kindermann

Die SPD in Nordrhein-Westfalen stellt sich neu auf: Am kommenden Samstag tritt Hannelore Kraft als Parteichefin an. Kann sie die Partei wieder wachrütteln, die nach der Wahlschlappe 2005 in totale Agonie versank? Die Fraktion konnte die 45-Jährige bemerkenswert schnell hinter sich bringen.

ESSEN. Hochgesteckte Haare, schwarzer Hosenanzug, weißer Kragen - "ja, is dat denn unser Hannelore?" Ein bisschen verblüfft ist der Ortsverein Schonnebeck hoch oben im Essener Norden schon. Bei Orangensaft und Frikadellen werden die Hälse neugierig gereckt. "Ich bin immer noch die Hannelore Kraft", ruft da die feine Dame in die Runde. "Ich habe heute Abend nämlich einen Ball und so einfach wie bei den Männern, so mit andere Krawatte umhängen und das war?s, läuft das bei Frauen eben nicht."

Ach so, alles klaro. Die hat noch was vor die Hannelore an diesem Abend. Das ist doch doppelt anständig, dass sie da vorher zur Ehrenfeier noch gekommen ist. Für den Peter Wolf, 93 Jahre, 80 Jahre in der SPD, Urgestein und bekennender "internationaler Sozialist". Und das, wo die Hannelore doch am Samstag zur neuen SPD-Chefin gewählt wird von Nordrhein-Westfalen und bestimmt vorher noch ganz viel zu tun hat.

"Da muss ich mich mal näher stellen", springt der Jubilar aus dem bereitgestellten rot bezogenen Barockstuhl auf, als Kraft zur Laudatio anhebt. Er stellt sich neben das Pult, wiegt den Kopf und was die dann doch vergleichsweise junge 45-Jährige sagt, gefällt ihm offenbar: Dass man für seine Überzeugungen einstehen muss, im Dritten Reich so wie Peter Wolf, aber auch heute. Dass es neue Herausforderungen gibt und sich deshalb die SPD auch programmatisch neu aufstellen muss. Dass die Partei in NRW und im Ruhrgebiet besonders gefordert ist, in der "Herzkammer" der Sozialdemokratie.

Dort beginnt sich der SPD-Riese allmählich wieder zu regen. Das jüngste SPD-Modell zum gestuften Mindestlohn wurde in NRW ausgetüftelt. Auch den Begriff "sozialer Arbeitsmarkt" mit unbefristeten Lohnzuschüssen für Schwervermittelbare reklamiert die Landesgliederung für sich. Man wolle die Bundes-SPD " füttern", sagt die derzeitige Fraktionschefin Berliner Journalisten am Rande der SPD-Vorstandstagung in Bremen.

Erwacht jetzt die Partei wieder, die gegen Jürgen Rüttgers 2005 die Landtagswahl verlor, nach 39 Jahren die Regierungsmacht abgeben musste, und daraufhin in totale Agonie versank? Die im letzten Jahr 10 000 Mitglieder verlor, davon 3 700 im Saldo von Aus- und Eintritten? Kann Kraft als erste Frau, die sich 2010 um das Amt des Düsseldorfer Regierungschefs bewerben wird, die tief verunsicherte SPD an Rhein und Ruhr wieder einen?

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