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10.02.2002

18:50 Uhr

Hardware-Preise sinken jährlich um mehr als ein Drittel

EMC weitet Software-Angebot aus

VonSusanne Wesch

Der Trend geht zu billigeren Datenspeichern - davon profitieren Anbieter wie Hitachi und IBM. Marktführer EMC will 2002 mit mehr Software und Kundenorientierung die Kontrolle zurückgewinnen.

SCHWALBACH. Noch in diesem Jahr will der Weltmarktführer für Datenspeicher, EMC Corp., den Anteil der Hardware an seiner Produktpalette auf die Hälfte reduzieren. Bisher hatte der Konzern aus Hopkinton/Massachussetts das Jahr 2003 als Ziel angegeben, den Anteil der profitableren Bereiche Software und Dienstleistungen auszubauen. "Die Chancen stehen gut, dass wir das bis Ende dieses Jahres schaffen", sagte der neue Deutschland-Chef des Konzerns, Wolfgang Kroh, dem Handelsblatt. Ende 2001 lag der Hardware-Anteil noch bei 57 %.

EMC hat ein schweres Jahr hinter sich. Der Konzern, der für seine qualitativ hochwertigen, aber teuren Speicher-Systeme bekannt ist, hat hohe Umsatzeinbußen hinnehmen müssen und zum ersten Mal seit 1989 Quartale mit Verlust abgeschlossen. Konkurrenten wie Hitachi Data Systems und IBM Corp. haben mit ihren billigeren Angeboten aufholen können - auch wegen der Bemühungen der Kunden, die Ausgaben für Informationsetechnologie (IT) zu senken. Die Preise für die Hardware sind im Durchschnitt jährlich um 35 % gesunken. "Angesichts der schlechteren wirtschaftlichen Bedingungen müssen die Firmen die Effektivität ihrer früheren Investitionen in Datenspeicher erhöhen", kommentiert IDC-Analyst Lionel Lamy. Sie investieren derzeit vor allem in Integrationsprojekte, die vorhandene Technik vereint.

Trotzdem bleibt der Speichermarkt insgesamt attraktiv. Die Marktforscher von Gartner rechnen mit einem jährlichen Zuwachs der Nachfrage von 60 %. Der Fokus der Hersteller richtet sich allerdings verstärkt auf Software: Hier werde sich der Umsatz bis 2005 verdoppeln, sagen die Marktforscher von IDC. An dem Kuchen will auch der Server-Hersteller Sun Microsystems Inc. teilhaben: Der Konzern kündigte vergangene Woche neue Speicherprodukte an. Es ist der zweite Anlauf in diesem Bereich - Sun hat in den vergangenen Jahren mehr als 1 Mrd. $ für Akquisitionen ausgegeben, hatte sich aber gegen die starke Konkurrenz nicht durchsetzen können.

Schwache Konjunktur und harter Wettbewerb setzen jedoch allen Speicherherstellern zu. IDC erwartet eine Konsolidierung der Branche in den kommenden fünf Jahren - Gewinner seien die großen, finanzstarken Anbieter, zu denen IBM, EMC, Compaq Computer Corp. und Hitachi gehören. Spezialanbieter wie Sangate und Stonefly Networks gelten dagegen als Übernahmekandidaten. Vom gewachsenen Sicherheitsbewusstsein seiner Kunden will auch EMC profitieren. Weitere Übernahmen von Software-Spezialanbietern schloss Kroh nicht aus. In den zurückliegenden 18 Monaten hat EMC sieben Firmen gekauft. "Die integrieren wir jetzt erstmal", sagt Kroh. "In diesem Jahr werden wir eine Vielzahl neuer Produkte in diesem Bereich anbieten."

Für EMC scheint sich die Situation langsam zu bessern. Die Auftragseingänge hätten sich im vierten Quartal stabilisiert, sagt Kroh - nach einer katastrophalen ersten Jahreshälfte, wie der geschäftsführende Chairman Michael Ruettgers zugegeben hatte. EMC hat im vergangenen Jahr 23 % der Stellen gestrichen; der Umsatz sank vom Rekordwert von 8,87 Mrd. $ im Jahr 2000 auf 7,09 Mrd. $ im vergangenen Jahr. Immerhin liegt der Konzern bei der Kostensenkung vor dem Plan: Derzeit habe man die vierteljählichen Kosten bereits rund 157 Mill. $ gesenkt, sagte Ruettgers. Bis Ende des zweiten Quartals sollen die Ausgaben um 200 Mill. $ niedriger liegen.

Um Kunden zu gewinnen, hat EMC auch seine als aggressiv bekannten Vertriebsmanager neu geschult. "Wir hören jetzt mehr auf unsere Kunden", sagt Deutschland-Chef Kroh. In der Vergangenheit habe man immer gleich die Maximallösung angeboten - die entsprechend teuer war. "Das war ein Fehler, der durch den technologischen Vorsprung entstanden ist", gibt der Manager zu. Jetzt biete man nicht mehr sofort den "Rolls Royce" an, sondern eine Lösung, die den Preis-Leistungs-Vorstellungen der Kunden entsprechen. "Das mussten wir erst lernen."

Kroh rechnet damit, dass die Unternehmen in der zweiten Jahreshälfte wieder mehr in IT investieren. Nach einer Umfrage des Investmenthauses Goldman-Sachs unter IT-Managern von US-Konzernen geht dieses Geld vor allem in Sicherheitssoftware, Datennetzwerk-Lösungen, Datenbanken, Speicheranwendungen und Systeme für die Datensicherung bei Katastrophen. Und die IT-Manager erwarten, dass die traditionellen Marktführer davon profitieren: Cisco Systems, Dell, IBM, Microsoft und EMC.

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