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24.03.2003

08:50 Uhr

Hauptdarsteller-Auszeichnung bringt Millionen

Oscar-Preis treibt die Kinoumsätze hoch

VonA. JOHANNSMANN (A. KIEFER und P. SCHÄFER)

Der begehrteste Preis der Filmbranche ist wirtschaftlich äußerst lukrativ. Der Oscar lässt die Kassen der Kinos weltweit klingeln. Auch die deutsche Filmbranche will davon profitieren.

DÜSSELDORF/NEW YORK. "And the Oscar goes to . . ." - die begehrte Hollywood-Trophäe ist auch für die Film- und Kinobranche weltweit die beste Marketingmaschine überhaupt. Kinobetreiber, Produzenten und Filmverleiher reiben sich schon jetzt die Hände angesichts des Umsatzbringers "Oscar". So verspürten die Macher der drei deutschen Filme und Koproduktionen, die für einen Oscar nominiert waren, in der vergangenen Nacht nicht nur flimmernde Spannung bei der Verleihung der 75. Annual Academy Awards in Hollywood. Schon eine Nominierung in Hollywood bringt den Filmemachern Aufmerksamkeit beim Publikum und in der Branche. Nominiert ist der Dokumentarfilm "Nomaden der Lüfte" des Franzosen Jacques Perrins, eine Koproduktion mit der Kölner Firma Pandora Film. Die Firma hat auch eine zweite Koproduktion in Kategorie "Bester nicht-englischsprachiger Film" im Rennen: An "Der Mann ohne Vergangenheit" von dem Finnen Aki Kaurismäki hat Pandora Film mitgewirkt. Ebenfalls um einen Oscar kämpft der deutsche Film "Nirgendwo in Afrika" von Caroline Link aus dem Hause Constantin Film.

Für die Filmemacher und die Filmstiftung Nordrhein-Westfalen, die zwei der in Hollywood nominierten Streifen mit Fördergeldern unterstützt hat, ist bereits die Teilnahme an den Academy Awards ein Erfolg: "Das steigert unser internationales Renommee enorm", sagt Michael Schmid-Ospach, Geschäftsführer der Filmstiftung.

"Der Oscar ist die beste Werbung für einen Film überhaupt", sagt Werbeexperte Stefan Kolle. Seine Hamburger Agentur Kolle Rebbe hat in den letzten fünf Jahren bereits 70 Filme für die großen Verleihunternehmen Senator und Buena Vista vermarktet. Auch der deutsche Film müsse sich zunehmend eine richtige Marke aufbauen, fordert Kolle.

Wer ins Kino geht, will gute Filme sehen - eine Oscarnominierung macht dem unentschlossenen Kinobesucher da die Auswahl manchmal leichter. Doch wie viele Zusatzeinnahmen bringt das Prädikat tatsächlich mehr in die Kasse? Der US-Ökonom Randy Nelson, Professor am Colby College in Maine, hat es ausgerechnet: im besten Fall rund 12,7 Mill. Dollar. Ein Oscar für den besten Hauptdarsteller oder die beste Hauptdarstellerin beispielsweise bringt im Durchschnitt je 4 Mill. $ mehr in die Kasse. Das größte Umsatzplus beschert den Studios die Kategorie Bester Film: Eine Nominierung ist 4,8 Mill. wert, eine Auszeichnung sogar 12,7 Mill. $. "Die Einspielergebnisse werden immer von drei Faktoren beeinflusst: von der Anzahl der Kinosäle, die den Film zeigen; den durchschnittlichen Einnahmen pro Leinwand; und wie lange er gezeigt wird. Eine Oscarnominierung oder-auszeichnung kann jeden einzelnen Faktor beeinflussen", sagt Nelson. Seine Schätzung dürfte dabei sogar eher zu niedrig greifen, denn seine Schätzungen berücksichtigten weder anschließende Fernsehausstrahlungen, Videoverleih und-Kaufkassetten noch internationale Einspielergebnisse.

Nicht zuletzt bringt die begehrte Trophäe auch den Darstellern selbst mehr Geld in die Kasse, berichtete auch das Wall Street Journal. Profitieren können dabei vor allem unbekanntere Schauspieler: Dem damals unbekannten Matt Damon brachten die Oscars 1998 den Durchbruch in Hollywood: mit einer Nominierung als bester Hauptdarsteller in "Good Will Hunting" und einer Auszeichnung für das beste Drehbuch. In der Folge stieg seine Gage von 300 000 $ innerhalb von fünf Jahren um mehr als das Dreißigfache: 10 Mill. $ kassierte Damon im vergangenen Jahr für "The Bourne Identity".

Bereits vor der Oscar-Verleihung in Hollywood sind Madonna und Britney Spears als schlechteste Schauspielerinnen mit der berüchtigten Goldenen Himbeere ausgezeichnet worden. Für ihren Auftritt in dem Teenie-Film "Crossroads" erhielt Spears auch die Trophäe für den schlechtesten Song. Mit fünf Himbeeren stellte jedoch Madonnas Kassenflop "Swept Away" alle anderen Anwärter in den Schatten. Der Preis als schlechtester Schauspieler ging an den italienischen Komiker Roberto Benigni für seine "Pinocchio"-Verfilmung. Zu der Vergabe der "Razzie Awards" in Santa Monica unweit von Hollywood waren im Gegensatz zur Oscar-Verleihung allerdings keine Stars erschienen, um sich den Spottpreis persönlich abzuholen. Die Preisträger der diesjährigen Oscar-Verleihung waren bis Redaktionsschluss noch nicht bekannt.

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