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17.03.2003

09:18 Uhr

„Hauptsache Medaille"

Goldiger Sonntag für deutsche Biathleten

Martina Glagow fiel ihrem Vater um den Hals, Ricco Groß telefonierte mit seinen Söhnen. Die beiden neuen Biathlon-Weltmeister suchten am "Goldtag" für die deutschen Skijäger in sibirischen Chanty Mansijsk zuerst den Kontakt zu ihren Familien, nachdem sie die Titel in den nervenaufreibenden Verfolgungsrennen gewonnen hatten.

Martina Glagow hat alles gegeben - und alles gewonnen. Foto: dpa

Martina Glagow hat alles gegeben - und alles gewonnen. Foto: dpa

HB/dpa CHANTY MANSIJSK. Die 23-jährige blonde Mittenwalderin stürzte sich nach 10 Kilometer im Zielspurt gleichauf mit der Französin Sandrine Bailly ins Ziel. Zuerst wurde Glagow als neue Weltmeisterin gefeiert. Nach langer Überprüfung des Zielfotos erklärte die Jury beide einstimmig zu Siegerinnen. "Es war kein Unterschied festzustellen", begründete Jury-Mitglied Gottlieb Taschler aus Antholz. Zuvor war der 32-jährige Groß aus Ruhpolding 24 Stunden nach seinem zweiten Platz im Sprint nach 12,5 km als ungefährdeter Sieger ins Ziel gelaufen.

Nach dem denkwürdigen Frauen-Rennen mit dem ersten Doppelsieg der WM-Geschichte flossen reichlich Tränen. "Als im Ziel Simone Denkinger und Andrea Henkel feuchte Augen hatten, musste ich gleich mit weinen", verriet Martina Glagow, die für WM-Gold fast 35 000 Euro kassierte, zudem die kleine Weltcup-Kugel in der Disziplin Verfolgungsrennen gewann und ihre Führung im Gesamtweltcup weiter ausbaute. Sie hatte schon unmittelbar nach der Entscheidung, sie zur Siegerin zu erklären, darüber gesprochen, dass es fairer wäre, wenn beide Gold erhielten. Das Doppel-Gold verkündete IBU-Weltcupdirektor Janez Vodicar während der Pressekonferenz und brachte damit Sandrine Bailly zum weinen.

"Das ist wunderbar. Ich bin total glücklich, dass die Jury so entschieden hat", meinten beide Siegerinnen unisono. Im Zielspurt hatte Martina Glagow taktisch klug die Innenbahn in der letzten Kurve gewählt und sich dann mit einem Ausfallschritt über die Linie gestürzt. "Das haben die Langläufer bei ihrer WM ja einige Male vorgemacht. Doch als ich im Schnee lag, war es mir im ersten Augenblick völlig egal, ob ich Erste oder Zweite bin. Die Hauptsache war, dass ich eine Medaille hatte", beschrieb sie ihre Gedanken, ehe sie ihrem Vater Martin, der gleichzeitig ihr Wachser ist, umarmte. Swetlana Ischmuratowa gewann als Dritte das erste Edelmetall für die WM-Gastgeber.

Knapp 60 000 Euro für Groß

Der dreimalige Staffel-Olympiasieger Groß berichtete vom Telefonat mit Ehefrau Katrin sowie seinen beiden Söhnen Marco (7 Jahre) und Simon (4) nach dem Sieg: "Die Burschen waren diesmal mit mir zufrieden. Kritik gab es von ihnen nur zu meinem Stehendschießen." Groß zog mit einem energischen Antritt am vorletzten Anstieg dem führenden Norweger Halvard Hanevold den Nerv und feierte seinen zweiten WM-Sieg im Verfolgungs-Wettkampf.

Für die beiden Medaillen kassierte Groß rund 57 000 Euro. Hanevold lag als Zweiter im Ziel 12,0 Sekunden zurück. Dritter wurde der Finne Paavo Puurunen (+56,3). Der Oberhofer Frank Luck kämpfte sich mit der schnellsten Laufzeit des Tages vom 30. Startplatz auf Rang fünf. "Um so ärgerlicher waren die drei Strafrunden am Vortag. So einen schlechten WM-Sprint bin ich noch nie gelaufen", ärgerte sich der 35- jährige Team-Routinier.

Am Vortag hatte der am Sonntag mit Laufproblemen kämpfende Norweger Ole Einar Björndalen im Sprint über 10 km die Konkurrenz dominiert und vor Groß sowie dem Tschechen Zdenek Vitek gewonnen. Über 7,5 km der Frauen wurde Sylvie Becaert (Frankreich) neue Weltmeisterin vor Olena Petrowa (Ukraine) und der Tschechin Katerina Holubcova. Die deutschen Damen scheiterten im Sprint am tückischen Schießstand sowie ihren Nerven. Sie blieben erstmals seit 1998 im 7,5 km langen Rennen ohne Edelmetall. Titelverteidigerin Kati Wilhelm (Zella-Mehlis) wurde mit 6 Strafrunden nur 37. Am Sonntag musste sie acht Mal in die Strafrunde, büßte noch einen Rang ein und muss nun um ihren Staffelplatz bangen.

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