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28.06.2000

09:21 Uhr

dpa MOSKAU. Aktionärsversammlungen russischer Monopolisten wie des Stromkonzerns EES Rossii oder des Gaskonzerns Gasprom bringen regelmäßig die Moskauer Börse in Wallung. Doch die Hauptversammlung der Gasprom an diesem Freitag ist für die Investoren besonders spannend. Denn es laufen Gerüchte um, der Konzernchef Rem Wjachirew solle abgewählt werden. Als Nachfolger werden unterschiedliche Kandidaten des Kremls oder der Industrie genannt.

Das Vorstandsmitglied Juri Gorjainow versuchte die Gerüchte mit dem Hinweis zu beenden, die Wahl eines neuen Vorsitzenden stehe nicht auf der Tagesordnung. Wjachirew selbst will bis zum Vertragsende im Mai 2001 im Amt bleiben und bis dahin selbst einen Nachfolger präsentieren. Vor einem Jahr hatte Wjachirew bereits seinen Stellvertreter Wjatscheslaw Scheremet zum Kronprinzen gekürt. Inoffiziell verlautete in Moskau jedoch, der bessere Kandidat wäre Walentin Nikischin, ein Mitglied des Gasprom-Vorstandes und Leiter der Gesellschaft Meschregiongas.

Doch diese Rechnung ist möglicherweise ohne den Staat gemacht, der bei Gasprom das Sagen hat. Offiziell hat sich der Kreml zwar noch nicht geäußert, doch wird vermutet, dass dort die Kandidatur des Präsidialamtsleiters Alexander Woloschin zum Gasprom-Chef erwogen wird. Eine Rochade Woloschin-Wjachirew sei aber erst 2001 realistisch, zumal beide ihre Feindschaften noch bereinigen müssten.

Präsident Wladimir Putin äußerte sich bereits erstaunt darüber, dass der Staatskonzern Gasprom für Kredite der privaten Media-Most- Holding bürge. Der Chef des Kreml-kritischen Konzerns, Wladimir Gussinski, wurde unter dem Vorwurf des schweren Betruges festgenommen und wenige Tage später unter Auflagen auf freien Fuß gesetzt.

Wjachirew sagte zu einer in Anspruch genommenen Bürgschaft für einen Media-Most-Kredit über 211 Mill. $ (432 Mill. DM): "Da bin ich überfragt. Dafür sind Fachleute zuständig."

Gasprom ist mit einer Förderung von knapp 554 Mrd. Kubikmeter (1999) der weltgrößte Erdgasproduzent. Der Konzern will den ausländischen Anteil am Konzern bis 2003 von knapp zwei auf 20 % erhöhen. Vier Prozent der Aktien, die die Ruhrgas AG besitzt, sind vom Börsenhandel ausgeschlossen. Mit der Öffnung für Kapital aus dem Ausland will Gasprom Investitionen anwerben. Der Jahresbedarf wird auf "einige hundert Mill. $" geschätzt.

Gasprom hat derzeit einen Börsenwert von rund einer Milliarde $. Die Schulden lägen bei zehn Mrd. $, schrieb die Moskauer Zeitung "Kommersant" unter Berufung auf Alexander Semenjaka, Leiter des Wertpapierabteilung von Gasprom. Die Schulden sollen im Laufe von zehn Jahren getilgt werden. Beobachter vermuten, dass der Staat Gasprom bei der Entschuldung helfen wird, indem er zubilligt, einen Teil der Aktien am freien Markt zu verkaufen.

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