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27.06.2000

16:21 Uhr

Hauptversammlung

VEW-Aktionäre stimmen Fusion mit RWE zu

Die Fusion der beiden Stromkonzerne zum größten deutschen Energieunternehmen kommt voran. Die VWE-Aktionäre billigten das Vorhaben mit überwältigender Mehrheit. Nun sind noch die Anteilseigern von RWE an der Reihe.

Reuters DORTMUND. Die Aktionäre der VEW AG haben der Fusion ihres Unternehmens mit der RWE AG zum größten deutschen und drittgrößten europäischen Energieunternehmen zugestimmt. Auf ihrer ordentlichen Hauptversammlung am Dienstag in Dortmund billigten sie mit 99,99 % den Zusammenschluss. Vorstandschef Gert Maichel hatte vor der Abstimmung das Zusammengehen mit dem langjährigen Konkurrenten und Ruhrgebietsnachbarn in Essen als "einzigartige Chance" bezeichnet, im liberalisierten europäischen Energiemarkt auf Anhieb eine führende Rolle zu spielen. Am Donnerstag sollen die Aktionäre der RWE ihrerseits die Fusion genehmigen. Die noch ausstehende endgültige Entscheidung des Bundeskartellamts steht nach Maichels Angaben unmittelbar bevor.

Die Gespräche mit dem Kartellamt seien Anfang dieser Woche weitgehend abgeschlossen worden, sagte Maichel. Die Bonner Wettbewerbshüter hatten ihre Zustimmung zur Fusion zuletzt von einem weiteren Entgegenkommen der Konzerne im Gasgeschäft abhängig gemacht.

In den beiden übrigen Geschäftsfeldern Strom und Entsorgung hatten RWE und VEW schon früher als hinreichend angesehene Zugeständnisse gemacht. So wollen sie verschiedene Beteiligungen an Stromversorgern, unter anderem an der ostdeutschen Veag, verkaufen. Wie die endgültige Einigung im Gas konkret aussieht, sagte Maichel nicht. Es gehe nur noch um textliche Formulierungen der Voraussetzungen für den Netzzugang und die Durchleitungsfrage. Maichel deutete an, dass man dem Kartellamt auch im Strombereich noch weitere Zugeständnisse gemacht habe. In Branchenkreisen wurde die Entscheidung des Kartellamtes am Dienstagnachmittag für Mittwoch erwartet.

Ein wenig Wehmut fühle sie schon, das Traditionsunternehmen VEW aufzugeben, sagte ein Aktionärssprecherin. Zu der Fusion gebe es aber wohl keine sinnvolle Alternative. Diese Einschätzung schienen die meisten Aktinäre zu teilen. Es gab nur wenige, die sich noch zu Wort meldeten.

Ungeachtet der geplanten Abgaben werde die neue RWE im Gasgeschäft in Deutschland mit einem Absatz von rund 177 Mrd. Kilowattstunden die Nummer zwei sein, sagte Maichel. Marktführer Ruhrgas AG kommt allerdings mit 585 Mrd. Kilowattstunden auf mehr als das Dreifache. Im Stromgeschäft hält RWE künftig die Spitzenposition. In Europa werde man nach den französischen und italienischen Staatsunternehmen EdF und Enel die Nummer drei werden. Der neue Konkurrent E.ON kommt nach der VEW-Rechnung nur auf Platz vier. Die neue Gesellschaft, die RWE heißen soll, werde mit 52 Mrd. Euro Umsatz und 170 000 Mitarbeitern das fünftgrößte deutsche und zwölftgrößte europäische Industrieunternehmen sein, prognostizierte Maichel.

Mit der Zustimmung der Aktionäre beider Unternehmen und der Genehmigung durch das Kartellamt wären die letzten Hürden auf dem Weg zur neuen Gesellschaft genommen. Die Eintragung ins Handelsregister, mit der die Fusion wirksam wird, kann aber frühestens am 24. November vorgenommen werden. Aus rechtlichen Grünen müsse die RWE AG noch ihre für den Vortag angesetzte ordentliche Hauptversammlung abhalten, sagte Maichel. Erstmals gehandelt werden können die Aktien der neuen RWE dann am nächsten Werktag, dem 27. November. Die neue RWE soll rückwirkend zum 1. Juli 2000 bestehen. Damit ginge RWE wirtschaftlich gesehen ein halbes Jahr nach dem Konkurrenzunternehmen E.ON AG an den Start. Dieser aus dem Zusammenschluss von Veba und Viag entstandene Konzern hat sich schon vor zwei Wochen ins Handelsregister eintragen lassen.

Dem vor kurzem zwischen Bundesregierung und Stromwirtschaft ausgehandelten Atomkonsens habe VEW inzwischen zugestimmt, weil er Planungssicherheit bringe und das Problem der Entsorgung löse, sagte Maichel. "Es ist kein Energiekonsens, sondern nur eine Vereinbarung über Laufzeiten." Die Grundsatzfragen der Energiepolitik seien damit aber noch nicht beantwortet. Fraglich sei beispielsweise, wie Deutschland seine Verpflichtung erfüllen solle, den Ausstoß von Kohlendioxyd drastisch zu verringern. Große Verursacher von Kohlendioxyd sind vor allem Kohlekraftwerke, Kernkraftwerke erzeugen kein CO2.

VEW verabschiedet sich als eigenständiges Unternehmen in seinem 75. Geschäftsjahr mit einem Gewinnrückgang. Begründet durch einen kräftigen Strompreisverfall sank der Jahresüberschuss 1999 um 40 Mill. DM auf 310 Mill. DM. Der Umsatz ging auf 9,4 (10,3) Mrd. DM zurück.

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