Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

24.04.2003

09:53 Uhr

Haus mit 1200 Betten

China riegelt Krankenhaus in Peking ab

Zur Eindämmung der lebensgefährlichen Lungenkrankheit SARS hat die chinesische Regierung in der Nacht zum Donnerstag ein Krankenhaus in der Hauptstadt Peking abriegeln lassen.

Reuters PEKING. Die Krankheit könnte sich nach Einschätzung der Weltbank kurzfristig deutlich auf die Volkswirtschaften Ostasiens auswirken. Langfristig rechnet die Weltbank aber nicht mit negativen Effekten. Der Automobil-Hersteller Toyota plant einem Agenturbericht zufolge, japanische Mitarbeiter aus Peking abziehen und könnte damit ähnliche Maßnahmen bei anderen japanischen Unternehmen auslösen. Kanada reagierte empört auf die Empfehlung der Weltgesundheitsorganisation (WHO), Reisen in die Stadt Toronto zu vermeiden.

Polizisten umstellten ein Universitätskrankenhaus in Peking, in dem sich mindestens 60 Ärzte und Krankenpfleger mit der Krankheit angesteckt haben könnten. "Niemand darf das Gebäude verlassen oder betreten", berichtete ein Mitarbeiter des 1200-Betten-Hospitals der Nachrichtenagentur Reuters am Telefon.

Auch andere Gebäude, in denen das Virus aufgetreten ist, sollen künftig unter Quarantäne gestellt werden. Dabei soll notfalls auch Gewalt angewandt werden, meldete die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua. Dies gelte auch für Personen, die sich vermutlich mit dem Virus infiziert hätten. Vergangene Woche hatte China ein konsequentes Vorgehen gegen das Schwere Akute Atemwegssyndrom (SARS) angekündigt, nachdem international Kritik am Umgang Chinas mit der Krankheit laut geworden war. SARS soll erstmals vor fünf Monaten in der südchinesischen Provinz Guangdong aufgetreten sein. Rund die Hälfte der etwa 4500 weltweit bekannten SARS-Fälle sind in China gemeldet.

Toyota werde möglicherweise bereits am Donnerstag fast alle japanischen Mitarbeiter aus Peking abziehen, meldete die japanische Nachrichtenagentur Kyodo unter Berufung auf mit der Angelegenheit vertraute Kreisen. Der Auto-Hersteller wolle etwa 20 japanische Angestellte und ihre 80 Angehörigen zurückbeordern. Eine Sprecherin von Toyota sagte, der Konzern berate zur Zeit noch, was zu tun sei. Ein Abzug der Mitarbeiter könnte Kyodo zufolge Signalwirkung für andere japanische Firmen in Peking haben.

Nach Einschätzung der Weltbank sollten die Volkswirtschaften in Ostasien langfristig stark genug sein, um die kurzzeitigen Effekte der Krankheit auszugleichen. "SARS könnte über einen kurzen Zeitraum ernsthafte Auswirkungen haben, es ist aber unwahrscheinlich, dass es den erkennbaren Trend zu einer allmählichen Stärkung der Inlandsnachfrage in Ostasien beenden wird", heißt es in einem Bericht der Weltbank weiter. Unter anderem wegen der Lungenkrankheit reduzierte die Bank ihre Wachstumsprognose für Ostasien auf fünf Prozent von 5,5 Prozent.

Auch die Tourismusbranche in der kanadischen Stadt Toronto hat auf Grund von SARS bereits deutliche Einbußen erlitten. Mit Entrüstung reagierte deshalb der Bürgermeister der Stadt, Mel Lastman, auf eine Empfehlung der WHO, wegen SARS nicht nach Toronto zu reisen. "Lassen Sie mich das ganz klar sagen. Wenn es sicher ist, in Toronto zu leben, ist es auch sicher, nach Toronto zu kommen", sagte der sichtlich verärgerte Bürgermeister. Die WHO hatte am Mittwoch auch von Reisen nach Peking, Hongkong und in die chinesischen Provinzen Guangdong und Shanxi abgeraten.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×