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27.01.2003

09:45 Uhr

Heimkehr in die Fremde

Kleber neuer Chef des „heute journals“

Der neue Leiter des ZDF -"heute journals", Claus Kleber, kehrt in ein fremdes Land zurück. "Ich habe zwölf Jahre Deutschland nur von außen gesehen", sagt der 47-Jährige. Als ARD - Auslandskorrespondent in Washington und später in London war er mit seinen Beiträgen ständig präsent in "Tagesschau" und "Tagesthemen".

HB/dpa MAINZ. Nun wechselt er die Rolle und erklärt die Welt vom Studio auf dem Mainzer Lerchenberg aus. Sein erstes "heute journal" moderiert er ausgerechnet am 3. Februar, wenn nach den Landtagswahlen in Hessen und Niedersachsen ein innenpolitischer Schwerpunkt zu erwarten ist.

Kleber präsentiert die Sendung im Wechsel mit Klaus-Peter Siegloch und Marietta Slomka. Er ist ein Freund des Hintergrundes und der Analyse. Seiner Redaktion empfiehlt er, übers Land zu fahren und mit den Leuten zu reden. "Da habe ich immer mehr erfahren, als bei Gesprächen mit Staatssekretären." ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender kündigt einen behutsamen Ausbau der Kommentare an: "Wir haben 2002 nur drei Kommentare gehabt, das ist zu wenig."

Eigentlich wollte Kleber so lange im Ausland bleiben, bis er in der Heimat als nicht mehr integrierbar gilt. "Es gibt nur wenige Jobs, die mich vom Dasein als Auslandskorrespondent und von der ARD wegbringen konnten", sagt er. Nun sitzt er im selben Büro wie sein Vorgänger Wolf von Lojewski und schaut ins trübe Wetter hinaus. Von Lojewski - selbst Jahre lang Korrespondent in den USA und Großbritannien - hatte sich nach elf Jahren Studioarbeit als "Eskimo im Fischereiministerium" gesehen, den es wieder in die Welt hinaus zieht.

Kleber weiß, es wird schwer, an Lojewskis Popularität anzuknüpfen. Mit seiner Abschiedssendung erreichte dieser 5,65 Millionen Zuschauer - zwei Millionen mehr als im Durchschnitt. Das Ziel des Nachfolgers lautet: "Wenn ich in einem halben Jahr erreicht habe, dass die Leute sagen, der Kleber macht das auch nicht schlecht, dann habe ich gewonnen." Gedanken macht er sich darüber, dass er nach den vielen Auslandsjahren einmal ein innenpolitisches Detail nicht sofort präsent haben könnte. Für durchaus möglich hält er es auch, dass ihm beim Live-Interview ein englischer Begriff einmal eher einfallen könnte als ein deutscher.

Der gebürtige Reutlinger wusste früh, was er wollte: "Mit 16 war klar, dass ich Auslandskorrespondent in den USA werden will." Doch er studierte zunächst Jura und arbeitete als Anwalt in Stuttgart. 1985 kam er zum damaligen Südwestfunk und wurde Studioleiter in Konstanz. Schon ein Jahr später ging er als Hörfunk-Korrespondent nach Washington, 1989 wurde er Chefredakteur des Hörfunksenders RIAS Berlin. Drei Jahre später erfüllte sich sein Jugendtraum, als er zum ARD-Fernsehen nach Washington wechselte. Als er im vergangenen Jahr nach London ging und mit seiner Familie gerade auf Wohnungssuche war, kam der Anruf von Brender, der ihm die Stelle in Mainz anbot.

Bis Kleber den Job hatte, vergingen aber noch drei Monate, da es im ZDF-Verwaltungsrat politisches Gerangel um den neuen Programmchef gab. Damit war auch die Wahl Klebers über Wochen blockiert. Konservative Kräfte wollten sogar verhindern, dass im ZDF ein ARD - Mann die Weltlage erklärt. In London bekam Kleber davon nach eigenen Angaben so gut wie nichts mit. Dadurch sei er aber auch frei. "Ich schulde niemandem etwas." Inzwischen haben sich die Wogen geglättet. Auch der CSU-Politiker Markus Söder, einer der Wortführer der Konservativen, hat dem Neuen inzwischen gratuliert.

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