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02.01.2001

16:59 Uhr

Hersteller müssen Betriebsgeheimnisse mit ihren Kunden teilen

Immer mehr Aufgaben auf einem Chip

VonRudi Kulzer

Die Hersteller von Chips müssen sich ständig anpassen. Marktbeobachter erwarten auch für 2001 wieder zahlreiche Firmenzusammenschlüsse und-übernahmen, Ausgliederungen - so genannte Spinoffs - Management-Buyouts und ständig neue Verfahren und Produkte.

HB PALO ALTO. Zu Beginn des fünften Jahrzehnts ihres Bestehens sind die Errungenschaften der Halbleiterindustrie zu einem festen Bestandteil unseres täglichen Lebens geworden. Dabei haben sich in den letzten beiden Jahren die "digitalen Signalprozessoren" (DSP) immer mehr in den Vordergrund gedrängt. Sie sind die neuen Stars der Chipwelt, die mit jährlichen Zuwachsraten von 30 Prozent glänzen. Das Internet und die Telekommunikation haben dafür gesorgt, sie benötigen die elektronischen Teile, um damit den ständig wachsenden Anforderungen moderner Kommunikation und Datenverarbeitung gerecht zu werden. Die für Rechenprozesse optimierten Mikroprozessoren als die Motoren von Personalcomputern mussten dafür etwas in den Hintergrund treten.

Keine modernen Geräte ohne elektronische Chips In nahezu allen modernen elektronischen Geräten finden sich heutzutage Halbleiterchips. So genannte Mikrocontroller und digitale Signalprozessoren, deren Funktionskerne in Systemchips "eingebettet" (englisch: embedded) werden, steuern den Motor im Auto, überwachen die heimische Heizung, bestimmen den Lauf der Waschmaschine und sind das Herz von Spielzeugen wie Furby und Tamagotchi. Ohne diese leistungsfähigen Steuereinheiten wären moderne Kommunikationsgeräte wie WAP-Handys, MP3-Player, Settop-Boxen oder Internet-Geräte schlicht nicht denkbar. 1999 verkaufte die Branche digitale Signalprozessoren für fast 4,4 Mrd. $. Für das laufende Jahr erwarten die Marktforscher von Forward Concepts eine Steigerung auf 5,8 Mrd. $, im Jahr 2001 auf 7,7 Mrd. $.

Doch Prozessoren als eigenständige physikalische Einheiten in Form einzelner Halbleiterchips treten allmählich in den Hintergrund. Sie werden dafür zum zentralen Teil eines komplexen Systems, des so genannten System-on-a-Chip - SoC. Das sind integrierte Schaltkreise, auf denen zahlreiche sowohl analoge als auch digitale Unterfunktionen vereint sind. Selbst äußerst komplexe und nur rund zwei Quadratmillimeter große Mikroprozessor-Kerne nehmen heute nur noch den Bruchteil einer Mikrochip-Fläche ein. Darum herum gruppieren sich Speicher, Signalwandler und Steuerungskerne für die Ein- und Ausgabe von Daten. In vielen SoC sind bereits zwei oder mehr Prozessoren integriert.

Die Integration verschiedener Aufgaben auf einem einzigen Chip führt jedoch zu einem Zwist zwischen Chip- und Systemherstellern. Denn die Halbleiterproduzenten dringen immer mehr in das Arbeits- und Wissensgebiet ihrer Kunden, der Systemhersteller, ein. In der Branche werden heiße Diskussionen darüber geführt, wie eine solche enge Zusammenarbeit und das Teilen geistigen Eigentums aussehen soll. Die Chiphersteller verkaufen schließlich Lösungen, die je nach Anwendung und Aufgabe des SoC bausteinartig auf einem Halbleiter-Chip zusammengesetzt und miteinander verknüpft werden.

Zwang zur Preisgabe vieler Geheimnisse Das Problem: Bei der Verwendung solcher integrierter Bausteine müssen die Partner - etwa ein Chiphersteller und ein Handyproduzent - ihre Sach- und Fachkenntnisse teilen. Bislang waren das wohl gehütete Betriebsgeheimnisse. Neue Erfahrungen für eine solche Zusammenarbeit sammeln und gleichzeitig das Vertrauen der bisherigen Kunden nicht zu brechen, dürfte eine der größten Herausforderungen sein, denen sich die Chipindustrie in den kommenden Jahren stellen muss.

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