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30.01.2001

18:51 Uhr

Hersteller von Mobiltelefonen richten sich auf härtere Zeiten ein

Analyse: Das Geschäft mit den Handys wird schwieriger

VonWolfgang Gillmann

Die Manager der Handykonzerne schwanken derzeit zwischen Sekt und Selters. Der Jubel über die Rekordzahlen des vergangenen Jahres weicht der Ernüchterung, dass es wohl in diesem Rekordtempo nicht weitergehen wird. Um knapp 50 % ist der Weltmarkt für Mobiltelefone im vergangenen Jahr gewachsen. Jetzt stellt sich nach Motorola und Ericsson sogar der Marktführer Nokia auf geringere Zuwachsraten ein. Die Börse bestraft die nicht mehr so optimistischen Prognosen sofort mit saftigen Kursverlusten.

Der Mobilfunkmarkt nähert sich der Sättigung. In vielen Ländern Europas besitzen bereits knapp 70 % der Bevölkerung ein Handy. Geschäftskunden sind fast vollzählig versorgt, die letzten Privatkunden ködern die Mobilfunkgesellschaften mit günstigen Tarifen und im Voraus bezahlten Prepaid-Handys. Neue Kunden zu gewinnen wird für die Netzbetreiber immer teurer. Damit sinken auch die Gewinnmargen für die Hersteller.



Für die Produzenten brechen neue Zeiten an. Der Ersatzbedarf wird immer wichtiger. Nokia schätzt, dass bereits jedes zweite Handy als Ersatz für ein altes gekauft wird. Damit werden Marketing und Design immer wichtiger. Ericsson und Motorola können davon ein Lied singen. Sie verlieren wegen ihrer verfehlten Modellpolitik Marktanteile. Die Produktionskosten gewinnen an Gewicht, obwohl in den hochautomatisierten Fabriken an sieben Tagen rund um die Uhr gearbeitet wird und dadurch der Anteil der Personalkosten relativ gering ist. Motorola und Siemens haben bereits eine stärkere Fertigung der Handys in Billiglohnländern angekündigt. Ericsson gibt gleich seine gesamte Produktion an den Spezialisten Flextronics ab, und selbst Nokia will den Anteil der Fremdfertigung von zehn auf zwanzig Prozent verdoppeln.



Asiaten drängen auf den europäischen Markt

Sollten sich die Märkte tatsächlich stärker als erwartet abschwächen, werden einige der kleineren Anbieter ernsthafte Probleme bekommen. Bosch ist bereits ausgestiegen, die Mobiltelefonsparten von Philips und Alcatel werden als Übernahmekandidaten gehandelt, denn auf Dauer ist ihr Marktanteil zu klein, um eine eigene Fertigung rentabel betreiben zu können. Zudem drängen die Asiaten auf den europäischen Markt und suchen dafür Verbündete.



Noch ist der Handymarkt von Zuständen in der Unterhaltungselektronik weit entfernt, wo auf der Nachfrageseite der Ersatzbedarf dominiert und bei den Anbietern wenige Konzerne das Feld beherrschen. Den Handyanbietern hilft das hohe Innovationstempo der Branche. Neue Technologien wie GPRS oder UMTS erfordern neue Mobiltelefone und fördern die Kauflust. Doch da die Netzbetreiber wegen ihrer hohen Vorleistungen für den Netzaufbau immense Schulden haben, dürften sie die Handys künftig nicht mehr so stark subventionieren. Quasi geschenkte Handys könnten bald der Vergangenheit angehören. Die Renditen für die Hersteller schrumpfen noch mehr.

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