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28.01.2003

08:35 Uhr

Hersteller von Rechnern kämpfen gegen schrumpfende Margen – Analysten sehen Dell als Ausnahmewert

Bei Computeraktien überwiegt die Skepsis

VonTHOMAS NONNAST

Mit ihren herkömmlichen Produkten verdienen Computerkonzerne kaum noch Geld. Und der Druck auf die Preise wird wegen der schwachen Nachfrage in den kommenden Monaten weiter anhalten. Im internationalen Wettbewerb können nur noch Hersteller mit extrem schlanker Kostenstruktur profitabel arbeiten.

FRANKFURT/M. Eigentlich hätte Carly Fiorina, Chefin des Computerkonzerns Hewlett-Packard (HP), allen Grund zur Freude: Laut den jüngsten Zahlen der Marktbeobachter von Gartner Dataquest hat HP nach der Fusion mit Compaq im Jahr 2002 mehr PCs verkauft als der Erzrivale Dell. Rund 21,5 Mill. PC und zusätzlich mehr als eine Million leistungsfähiger Netzwerkrechner (Server) sichern HP weltweit den Spitzenplatz im Geschäft mit Standardcomputern.

Doch die Freude bei HP-Chefin Fiorina hält sich in Grenzen. Denn müsste HP alleine von diesem Geschäft leben, stünde es schlecht um den nach IBM zweitgrößten Computerkonzern der Welt. Im Geschäftsjahr 2002 (31.10) erwirtschaftete die PC-Sparte von HP einen stattlichen Verlust von rund einer halben Milliarde Dollar.

Runter mit den Kosten heißt das Konzept, mit dem sie den Bereich wieder flottmachen will. Denn selbst die HP-Chefin rechnet für 2003 lediglich mit einem Wachstum im niedrigen "einstelligen Prozentbereich" bei PCs. Rund 600 Mill. $ will sie durch verbesserte Einkaufs- und Produktionsprozesse einsparen. Trotzdem rechnen die Analysten der Investmentbank Goldman Sachs nicht "vor dem dritten Quartal 2003" damit, dass die PC-Sparte von HP wieder schwarze Zahlen schreiben wird.

Die Lage bei HP fügt sich nahtlos in die Lage der gesamten Branche. Nennenswertes Wachstum erwarten die Experten nur bei Notebooks. Eine leichte Verbesserung zeichnet sich bei der Nachfrage privater Nutzer ab. Doch die Unternehmen halten sich mit Neuanschaffungen weiter zurück. "Wir sehen den PC-Markt noch immer am unteren Wendepunkt eines Wachstumszyklus", urteilt Gartner-Analyst Charles Smulder. Und selbst der weltgrößte Chiphersteller Intel, dessen Prozessoren in den meisten der jährlich rund 130 Mill. verkauften PCs den Takt angeben, hält sich mit Prognosen über die weitere Entwicklung der Nachfrage zurück. Noch stärker als die Kaufzurückhaltung der Unternehmen drückt die Computerhersteller allerdings das Problem ständig schrumpfender Margen. Denn "der Druck auf die Preise wird kaum nachlassen", so Christian Schindler, Analyst bei der Landesbank Rheinland-Pfalz. Dafür sorgen tausende von Wettbewerbern auf nationaler und regionaler Ebene. So liegt der Marktanteil der drei größten Hersteller HP, Dell und IBM bei gerade 36 %.

Dass man mit Computerbau trotzdem Geld verdienen kann, beweist Dell - mit rund 20 Mill. verkauften PCs in 2002 die Nummer zwei weltweit. Mit einem ausgefeilten Bestellsystem, bei dem Kunden ihren PC im Internet bestellen, hat Unternehmenschef Michael Dell die Kosten für Lagerhaltung, Produktion und Vertrieb auf ein Minimum reduziert. So rechnet das Unternehmen für das Geschäftsjahr 2003 (1.3.2003) mit einem Nettogewinn von 1,5 Mrd. $. Doch offensichtlich meinen die Börsianer, Dell könnte den Siegeszug im PC-Markt nicht unendlich fortsetzen. Seit einigen Wochen verliert die Aktie an Wert. Indessen sucht Dell den Einstieg in neue Märkte. So will das Unternehmen künftig in Kooperation auch Drucker herstellen.

Auch der japanische Elektronikriese NEC, der ebenso wie Fujitsu und Toshiba zu den zehn größten Computer-Herstellern weltweit zählt, erholt sich nur sehr langsam von den massiven Ertragseinbrüchen der vergangenen zwei Jahre.

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