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04.06.2000

14:18 Uhr

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Hertrich: Jumbo-Airbus A 3XX wird doch gebaut

Der Co-Chef des europäischen Luft- und Raumfahrtriesen EADS geht von einer Entscheidung für den Großraumjet aus.

Reuters BERLIN. Das Airbus-Konsortium wird nach Einschätzung des künftigen Co-Chefs des europäischen Luft- und Raumfahrtriesen EADS, Rainer Hertrich, höchstwahrscheinlich den neuen Großraumjet A 3XX bauen. Hertrich sagte in Interviews, zwar könne er der Entscheidung des am Dienstag in Berlin tagenden Airbus-Aufsichtsrates nicht vorgreifen. Er sei aber überzeugt, dass der Großraumjet gebaut werde. "Jetzt ist auch der Markt so weit", sagte Hertrich. Ein Ende der weltweiten Subventionspraxis in der Luftfahrtindustrie hält er für möglich. Derzeit gehe es aber vor allem darum, dass zwischen den amerikanischen und europäischen Flugzeugbauern gleiche Wettbewerbsbedingungen herrschten.

Die Entscheidung über den Start der A3XX-Entwicklung könnte bei einer Sitzung des Airbus-Aufsichtsrates am Dienstag fallen, der am Rande der Internationalen Luft- und Raumfahrtausstellung ILA in Berlin tagt. Hertrich bezifferte die Entwicklungskosten für den Jet im Berliner "Tagesspiegel" auf rund 10,6 Mrd. Euro oder etwa 21 Mrd. DM. Der A 3XX soll mit bis zu 656 Sitzen das größte Zivilflugzeug der Welt werden. Damit will Airbus dem US-Konkurrenten Boeing , der den Markt derzeit mit seinen Jumbos beherrscht, Paroli bieten. Die Boeing 747-400 kann 413 Passagiere transportieren. "Wir können unserem Wettbewerber Boeing keine Monopoleinnahmen erlauben", sagte Hertrich der "Berliner Zeitung" als einen Grund für das neue Airbus-Programm.

Neben den konkreten Bestell-Interessen einiger Airlines verwies Hertrich, der derzeit noch Chef der DaimlerChrysler Aerospace ist, auf das erwartete Wachstum des Luftverkehrs von jährlich rund fünf Prozent bis 2005. Der A 3XX sei für die künftige Entwicklung und Bedeutung von Airbus von eminent hoher Bedeutung. Für das Konsortium sei entscheidend, dass es eine vollständige Produktpalette anbieten könnte, sagte der Dasa-Chef. Die Dasa geht in wenigen Wochen mit ihren Airbus-Partnern Aerospatiale Matra aus Frankreich und Casa aus Spanien im neuen EADS-Konzern auf.

Allerdings ist beim A 3XX noch immer unklar, in welcher Form sich die Bundesregierung an den Entwicklungskosten für den Jet beteiligt. Grundsätzlich hatte die Bundesregierung den Willen erkennen lassen, das Projekt zu fördern. Noch offen ist, ob dies durch Bürgschaften oder über verbilligte Kredite geschieht, wie sie die Industrie fordert. Andere Airbus-Länder haben bereits Finanzierungshilfen zugesagt.

Grundsätzlich hält es Hertrich für denkbar, dass die Subventionen in der Luftfahrtindustrie weltweit ein Ende haben könnten, wie der dem "Tagesspiegel" sagte. Er beklagte, dass die US-Konzerne im Bereich der Zivilflugzeuge indirekt über viele Aufträge des amerikanischen Verteidigungsministerium indirekt subventioniert würden. Für den A 3XX sollen nach Auffassung der Industrie die Regierungen in Großbritannien, Frankreich, Deutschland und Spanien etwa ein Drittel der Entwicklungskosten, also gut sieben Mrd. DM mitfinanzieren. Auf Deutschland entfiele dann gemäß seinem Airbus-Anteil eine Summe von zwei bis 2,5 Mrd. DM.

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