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21.01.2003

15:19 Uhr

rtr FRANKFURT. Nebenrollen mag er nicht. Ob Sozialhilfe-Reform oder umstrittene Unterschriftenkampagne - wenn der hessische Ministerpräsident Roland Koch (44) sich in die Debatte einmischt, dann geht es meist rund auf der politischen Bühne. Genau das aber ist das Problem seines Herausforderers Gerhard Bökel (56). Denn während Koch polarisiert und das Wahlvolk eindeutig in zwei Lager teilt, kämpft Bökel dagegen an, dass viele Hessen nicht einmal seinen Namen kennen. Und während Bökel Probleme ausgiebig in allen Grautönen skizziert, präsentiert Koch seine Lösungen in Schwarz und Weiß.

Dabei sah es in der CDU-Finanzaffäre im Jahr 2000 noch so aus, als würde Kochs steile Karriere ein jähes Ende finden: Der Großteil der Schwarzgeld-Mill. ging auf das Konto der Hessen-CDU, und Koch musste einräumen, mehrfach die Unwahrheit gesagt zu haben. Aber während andere Politiker unter geringeren Anfeindungen und Vorwürfen zurücktraten, biss der Hesse die Zähne zusammen, versammelte seinen Landesverband hinter sich und hielt durch. Am Ende ging der frühere "junge Wilde" der CDU als Sieger auf ganzer Linie aus der Affäre hervor - obwohl bis heute ungeklärt ist, woher das Schwarzgeld stammte.

Gerade dass Koch die Feuerprobe überstand, gilt vielen in CDU als Zeichen dafür, dass er das Zeug zum Kanzlerkandidaten hat. So wurde der Hardliner bereits als Unionskandidat für die Bundestagswahl 2006 gehandelt, als Edmund Stoiber (CSU) noch nicht einmal zum Kandidaten für die Wahl 2002 gekürt worden war. In der Partei ist auch nach den vergangenen Kabbeleien mit der CDU-Vorsitzenden Angela Merkel unbestritten. dass Koch nach Höherem strebt. Er selbst verweist bislang darauf, dass es ihm in Wiesbaden gefalle.

Schon mit 14 Jahren war Koch in die Politik eingestiegen und hatte in seinem Heimatort Eschborn bei Frankfurt eine Ortsgruppe der Jungen Union gegründet. Politisch sozialisiert wurde Koch, dessen Vater Justizminister unter Walter Wallmann (CDU) war, im rechtskonservativen hessischen CDU-Landesverband, den politische Gegner seiner Geschlossenheit wegen schon mal als Kampfverband bezeichneten. Bereits mit 32 wurde der Hobby-Koch Fraktionschef im Wiesbadener Landtag, neun Jahre später jüngster deutscher Landeschef. Koch gilt als kühler Analytiker, gewiefter Stratege und guter Rhetoriker.

Bökel dagegen präsentiert sich als gemäßigter Pragmatiker, der anders als Koch wenig zu extremen Auftritten im Politzirkus neigt und eine eher sachliche Sprache pflegt. Im Wahlkampf setzt er auf Ehrlichkeit und nüchterne Sachpolitik. Kritiker nennen das farblos. Wie Koch ist auch der aus dem traditionell roten Nordhessen stammende Bökel Anwalt. Allerdings trat er erst mit 20 in die SPD ein. 1978 errang der Hammerwerfer zum ersten Mal einen Sitz im hessischen Landtag. Als Landrat in den 80er-Jahren erwarb er sich den Ruf, ein fähiger Verwaltungschef zu sein. 1994 berief der damalige Ministerpräsident Hans Eichel (SPD) Bökel als Innenminister in sein Kabinett. Der Kunst-Liebhaber setzte sich in diesem Amt vor allem in der Asyl-Politik und im Kampf gegen die rechtsextremen Republikaner ein.

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